Nach 100 Jahren spannt sich das Bauwerk noch immer über den Gröbenbach. Es wurde zweimal saniert, zuletzt im Jahr 2014. Foto: sus

Gröbenzell

Wer baute denn nun die Russenbrücke?

Gröbenzell –100 Jahre ist es her, dass Kriegsgefangene im ersten Weltkrieg im Gröbenzeller Norden eine Brücke über den Gröbenbach errichteten. Ein Bauwerk, das seit Jahrzehnten als Russenbrücke bezeichnet wird. Dabei müsste sie eigentlich nach den Franzosen benannt sein – wie ein Experte anlässlich einer Sonderausstellung erklärt.

 Der Vorsitzende der Gröbenhüter, Rudolf Ulrich, und seine Mitstreiter haben anlässlich des Jahrestages im Heimat- und Torfmuseum Informationen und Bilddokumente zusammen getragen. Die Kuriosität des Brückennamens beschäftigt Gröbenzeller und Heimatforscher seit Jahrzehnten. Bereits 1973 zitierte der Münchner Merkur den damaligen Kreisheimatpfleger Erich Rupprecht mit den Worten, „dass die so genannte Russenbrücke eigentlich von kriegsgefangenen Franzosen des ersten Weltkrieges erbaut wurde“. Vier Jahre später wandte sich der Gröbenzeller Hans Scheidler an die Gemeinde und machte unmissverständlich klar: „Nicht ein einziger Russe hat an dieser Brücke gebaut.“

Scheidler wusste dies aus erster Hand, er hatte als Jugendlicher nahe der Brücke gelebt und berichtete, sein Vater Johann Scheidler habe den Bau der Brücke von Anfang bis Ende geleitet. Der Name Russenbrücke war aufgekommen, da Russen des Kriegsgefangenenlagers in Puchheim damals für Arbeiten am Gröbenbach eingesetzt waren und ebenfalls mindestens eine Brücke über den Bach gebaut hatten: die so genannte Schafbrücke nahe des Puchheimer Russenfriedhofs an der Lena-Christ-Straße im Gröbenzeller Süden.

Die Zuständigkeit der Russen endete allerdings rund 80 Meter vor der Gröbenzeller Russenbrücke an der Zillerhofstraße. Hier waren Kriegsgefangene aus dem 1915 eingerichteten Kriegsgefangenenlager Eschenhof, ein Außenlager des an der Donau liegenden Lagers Dillingen, eingesetzt. Der Hof, damals in der heute zu Bergkirchen gehörenden Ortschaft Eschenried gelegen, war zu dieser Zeit Eigentum des Pasinger Schnapsfabrikanten und Gutsbesitzers Arthur Riemerschmid. Hier waren ausschließlich Franzosen interniert, die ebenfalls überwiegend zu Arbeiten an den umliegenden Bächen eingesetzt wurden.

1916 wurde mit dem Bau der Russenbrücke begonnen. Eine Vorgängerbrücke, aus den Jahren der Bachregulierung 1907/08, war 1915 von einer Münchner Pioniereinheit zu Übungszwecken gesprengt worden. Betonbrocken davon wurden dann 1916 als Füllmaterial beziehungsweise Unterbau für die Errichtung der neuen Brücke verwendet, wie 2014 im Rahmen von Sanierungsarbeiten entdeckt wurde. Die neue Brücke wurde zwölf Meter lang und fünf Meter breit. Der Plan dafür stammte von einem kriegsgefangenen französischen Architekten.

Unterbau und Brückenbogen wurden aus Holz geschalt und anschließend betoniert. Ein hoher Aufwand wurde für die Brüstungen betrieben, die nicht als Zweckbau, sondern geschwungen verziert mit Jugendstilornamenten erstellt wurden. Als der erste Weltkrieg 1918 endete, aber war die Brücke noch nicht fertiggestellt. Doch als das Ende des Krieges bekannt wurde, legten die Franzosen ihre Arbeit an der Brücke nieder. Das Bauwerk wurde von deutschen Zivilisten fertig gestellt. Mittlerweile steht es unter Denkmalschutz und wurde bereits zwei Mal saniert, zuletzt 2014.

Die Ausstellung

im Heimat- und Torfmuseum ist bis 24. Juli immer sonntags ab 11 Uhr zu besichtigen.

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