Ein Kind wäscht sich in einer Kita die Hände (Symbolbild).
+
Ein Kind wäscht sich in einer Kita die Hände (Symbolbild).

Viele Eltern sind verunsichert

Total-Chaos wegen Corona: Kita-Kinder mit Rotznase müssen wieder daheim bleiben - zumindest manche

  • Claudia Schuri
    vonClaudia Schuri
    schließen

Es ist Erkältungszeit und viele Eltern stellen sich eine Frage: Darf mein Kind mit Schnupfnase in die Kita? Die Regeln dazu unterscheiden sich in den Landkreisen je nach Corona-Situation.

  • Corona macht das Leben deutlich komplizierter: Zur Erkältungszeit stellen sich viele Eltern stellen sich eine Frage: Darf mein Kind mit Schnupfnase in die Kita?
  • Die Regeln dazu unterscheiden sich in den Landkreisen je nach Corona*-Situation.
  • Viele Familien sind deshalb verunsichert – und viele Kinderärzte überlastet.

München/Fürstenfeldbruck – Es herrscht Ausnahmezustand im AWO-Kindergarten Brucker Strolche in Fürstenfeldbruck. Der Landkreis ist Corona-Hotspot, vergangene Woche lag der 7-Tage-Inzidenzwert über 100. Auch für die Kitas gelten deshalb strenge Regeln: Schichtbetreuung, getrennte Gruppen mit maximal 13 Kindern, Maskenpflicht ganztägig für die Erzieher und für die Eltern, wenn sie ihre Kinder bringen oder abholen – so sieht der neue Alltag bei den Brucker Strolchen aus.

„Natürlich ist es nicht einfach für die Familien“, sagt Leiterin Antje Weiß. Viele Eltern hätten während der Kita-Schließungen im Frühjahr ihren Urlaub schon aufgebraucht und müssen jetzt wieder eine Betreuung organisieren. „Die große Mehrheit versteht es trotzdem“, sagt Weiß. Was die Situation noch verschärft: Es ist Erkältungszeit – und im Kreis Fürstenfeldbruck dürfen Kinder mit leichten Erkältungssymptomen wie einer Schnupfnase erneut nicht mehr in die Kitas. „Es kommt auf den Allgemeinzustand an“, erklärt Weiß. „Im Zweifelsfall halten wir auch Rücksprache mit dem Gesundheitsamt.“

Coronavirus Bayern: Es gilt der Drei-Stufen-Plan für die Kitas

Grundsätzlich gilt in Bayern ein Drei-Stufen-Plan für die Kitas: „Wir wollen Eltern entlasten und Beschäftigte schützen“, betont Familienministerin Carolina Trautner (CSU). „Die Aufrechterhaltung der Kindertagesbetreuung hat für uns weiter Priorität.“ Kinder mit Fieber, starkem Husten, Hals- oder Ohrenschmerzen, Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall müssen zu Hause bleiben. Bei den Stufen eins und zwei des Plans dürfen jedoch Kinder mit leichtem Schnupfen und gelegentlichem Husten ohne Fieber und ohne Kontakt zu Corona-Infizierten die Kita weiter besuchen. Bei Stufe drei ist dies nur mit einem negativen Corona-Test erlaubt. „Welche Stufe für die Kindertagesbetreuung gilt, entscheidet das zuständige Gesundheitsamt“, erklärt ein Sprecher des Familienministeriums. Auch in Landkreisen, in denen die Corona-Ampel mit einer 7-Tage-Inzidenz von über 50 auf Rot steht, muss also nicht zwingend die dritte Stufe in Kraft treten. „Vielmehr analysieren die Gesundheitsämter die Lage vor Ort und entscheiden dann, welche Maßnahmen aufgrund des lokalen Infektionsgeschehens im Kita-Bereich veranlasst werden“, sagt der Sprecher.

In der Praxis wird das in den Landkreisen unterschiedlich geregelt und kann sich ändern. Die Unsicherheit ist bei vielen Eltern und Einrichtungen hoch, so die Erfahrung von Dominik Ewald, bayerischer Landesvorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. „Oft haben die Träger auch noch unterschiedliche Konzepte und strengere Regeln“, berichtet er. „So kommt ein Durcheinander zustande.“ Die Folge: „Die Kollegen sind überlastet und die Praxen überfüllt.“

Gleiches gilt übrigens auch für die Schulen. Schüler mit leichten Erkältungssymptomen* müssen ein Attest vorlegen, um wieder in die Schule gehen zu dürfen. Die Kinderärzte rotieren deshalb.

Coronavirus Bayern: „Kinder mit Schnupfen müssen eigentlich nicht in der Praxis vorgestellt werden“

Denn immer mehr Eltern würden sich wegen Kleinigkeiten vorsorglich, oder weil es von ihnen verlangt wird, ein Attest holen – selbst, wenn das aus ärztlicher Sicht nicht nötig wäre. „Kinder mit Schnupfen müssen eigentlich nicht in der Praxis vorgestellt werden“, sagt Ewald. „Man sollte auch auf den gesunden Menschenverstand vertrauen.“ Generell gelte, dass Kinder mit Fieber nicht in die Kita gehen sollten. Anders sei das je nach Situation bei nur leichten Schnupfensymptomen. „Aber natürlich schadet es nicht, wenn das Kind vorsorglich zu Hause bleibt, wenn sich die Eltern das einrichten können.“ Er plädiert außerdem dafür, dass Erzieher durchgängig eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. „Kinder sind durchaus in der Lage, trotz Maske Mimik zu erkennen“, sagt er.

Bei den Brucker Strolchen gibt es kein Problem mit der Maskenpflicht bei den Pädagogen. „Die Kinder haben sich schon daran gewöhnt“, sagt Antje Weiß. „Zum Teil haben wir auch durchsichtige Masken.“ Ein bisschen Normalität soll bleiben: Die Kinder freuen sich auf Halloween. Eigentlich wäre ein großes Fest geplant gewesen. „Jetzt gibt es mehrere Halloween-Tage, damit jedes Kind mitfeiern kann“, sagt Weiß. „Wir versuchen den Alltag so weit wie möglich aufrecht zu halten.“ - CLAUDIA SCHURI - *merkur.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

Auch interessant

Kommentare