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Hochkonzentriert zeichneten die Schüler ihre Figuren. Die Aula war gesteckt voll.

Workshop mit bekannten Karikaturisten

Beim Cartoon-Zeichnen kommt’s auf die Wimpern an

Es ist mucksmäuschenstill in der Aula des Gymnasiums. Man könnte eine Stecknadel fallen hören. 94 Jugendliche blicken gespannt zur Bühne. 

PuchheimSie sind freiwillig in die Schule gekommen – und das, obwohl Samstag ist. Gelockt hat sie ein Workshop, genauer gesagt ein Cartoon-Workshop. Und den halten zwei bekannte Karikaturisten, Werner Tiki Küstenmacher und sein Freund Klaus Müller, ab.

Der Workshop bildet den Auftakt für einen Wettbewerb. Unter dem Motto „Das kann doch nicht wahr sein“ ruft der Rotary Club München-West die Gymnasiasten dazu auf, einen schrägen oder witzigen Cartoon zu zeichnen. Doch zuerst kommen alle in den Genuss eines abwechslungsreichen Karikaturgrundkurses.

Küstenmacher und Klaus Müller nehmen sich dafür Zeit und stehen auf der Bühne. Sie haben ein Publikum aus allen Jahrgangsstufen vor sich, von dem Lehrer nur träumen können. Die Stifte kratzen übers Papier und es entstehen jede Menge Figuren. Das war die erste Aufgabe, die Küstenmacher den Schülern stellte. „Jeder malt ein Gesicht oder Männchen, so wie er möchte.“

Nachdem er sich einige Bilder angeschaut hat, schlägt er vor, mit Edding oder Filzstift zu arbeiten. So werden die Figuren klarer. Küstenmacher fängt an, einfache Beispiele zu zeichnen, die mit einem Beamer riesengroß auf eine Leinwand projiziert werden, so dass jeder sie gut sehen kann. Kurze Zeit später blicken sechs kugelrunde Augen von der Bühne herab. In Sekundenschnelle zaubert er daraus ausdrucksvolle Gesichter. Alle sind fasziniert davon, dass allein schon durch die Stellung der Augenbrauen der Blick böse, verzweifelt oder lustig wird. „So kann man mit minimalen Mitteln Emotionen darstellen“, erklärt er.

Auch die Geschlechterdarstellung funktioniert ganz einfach. Aus einem neutralen Gesicht, zum Beispiel das eines Wurms, wird schon durch drei Wimpern pro Auge eindeutig eine Frau. Haare runden den Effekt dann ab.

Jeder Künstler hat seinen eigenen Stil, das wird rasch deutlich. Müller verleiht seinen Gesichtern sogar nur mit Strich-und Punktaugen Stimmungen.

Dann dürfen sich die Schüler Tiere wünschen, die die beiden Zeichner zum Leben erwecken. Elefant, Gorilla und Lama werden ebenso gefordert wie Kuh und Chamäleon. Auch die Tiere zeigen Gemütszustände oder werden in Bewegung versetzt.

Benjamin aus der 5. Klasse gefällt vor allem der Elefant besonders gut. Er malt ihn formatfüllend aufs Blatt. „Ich finde den Workshop richtig toll“, sagt er.

Aber auch die älteren Semester sind von dem Vormittag begeistert. Daniel Wiesenfeld, Veronika Knödlseder und Elisabeth Geier aus der 9. Klasse haben bisher eigentlich keine Karikaturen gezeichnet. Doch Daniel will gerne seinen Horizont erweitern, Veronika freut sich, mal etwas Neues auszuprobieren und lässt sich gerne inspirieren. Elisabeth findet es interessant zu beobachten, wie Künstler, die von Cartoons leben, Figuren mit wenigen Strichen zum Leben erwecken. „Ich schaue den Profis gerne über die Schulter“, meint sie begeistert.

Nach der Pause stellen sich viele an, um ihre Bilder zu zeigen und sich persönliche Ratschläge von den Künstlern zu holen. Danach gibt es noch viele praktische Tipps zu Material und Berufsbild.

Die Künstler wollen den Jugendlichen Mut machen zum Zeichnen und Entwickeln eigener Figuren und Geschichten. Beide haben selbst in ihrer Jugend angefangen zu zeichnen. „Stift und Papier sind meine ständigen Begleiter, mit ihnen bin ich nie allein, und es entstanden schon viele schöne Kontakte durch sie“, erzählt Klaus Müller.

„Ich bin überrascht, wie viele talentierte Schüler hier sind“, meint Werner Tiki Küstenmacher am Ende des Cartoon-Workshops und verrät, dass er sogar konkret auf Talentsuche ist, denn der Nachwuchs sei dünn gesät. „Ich bin schon sehr gespannt auf die Ergebnisse des Wettbewerbs.“ (Birgit Franke)

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