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Ex-Alkoholiker zu Gast bei Puchheims SPD

Beim Obdachlosenverein ein Zuhause gefunden

Ungewöhnliche Gäste sind eher die Regel bei den Neujahrsempfängen der Puchheimer SPD. Aber heuer war dem Besucher die Aufmerksamkeit des Publikums besonders gewiss.

Puchheim -  Ein ehemaliger Alkohol-Abhängiger und Obdachloser erzählte sehr unbefangen und sogar mit viel Humor, wie es zu seinem Absturz kam und wie er wieder Boden unter den Füßen fand. Heute arbeitet der 61-jährige Uwe Hinsche für die Münchner Obdachlosen-Zeitschrift Biss.

„Ab einem gewissen Zeitpunkt ist man selber für sein Leben verantwortlich,“ war eine seiner Kernaussagen. Denn auch eine schwierige Kindheit im Heim verhinderte nicht, dass der gebürtige Dessauer nach Lehre und

Bundeswehr-Zeit scheinbar in einer heilen Welt angekommen war. Beruf als Restaurationsschreiner, Handballer in einem Zweitliga-Team, Vater eines Sohnes und verheiratet mit einer Frau, die nichts an ihm gestört haben soll als seine dauernde Abwesenheit. Vor die Alternative Sport oder Familie gestellt, entschied er sich für ein Zuhause, in dem er sich dann mit Alkohol über die Langeweile zu trösten versuchte. Es folgten Gewalt, wenngleich nur gegen das Mobiliar, Scheidung und Obdachlosigkeit

In der anonymen Großstadt München plante er einen Neuanfang. „Aber ich war schon so ein Suffkopf,“ sagt er heute. Ein Kasten Bier und zwei Liter Schnaps sollen sein tägliches Pensum gewesen sein. 1989 dann der Tiefpunkt, ein Suizid-Versuch mit angeblich 100 Valium und einem Gaspistolen-Schuss in den Mund. In Haar wachte er wieder auf, in der Nervenheilanstalt sah er an Patienten im Delirium, was der Alkohol anrichten kann. Aus eigenem Entschluss begann er eine Therapie.

So war er schließlich trocken, aber noch lange nicht von der Straße weg. Es begann eine Odyssee durch den Behördendschungel, wobei ihm seine Eloquenz geholfen haben mag. Nach einer Podiumsdiskussion unter anderem mit dem Leiter des Wohnungsamtes, ging es plötzlich schnell mit einem festen Wohnsitz. Und ihm kam zugute, dass Anfang der 1990er-Jahr das Projekt Biss begann, bei dem er der erste festangestellte Verkäufer wurde.

Noch heute arbeitet er als Verkäuferbetreuer bei dem Verein, der inzwischen 43 feste Verkäufer finanziert, bei der Umschuldung und Wohnungserstausstattung unter die Arme greift und außerdem eine Zeitschrift herausgibt, die durchaus lesbar sei, wie SPD-Stadtrat Jean-Marie Leone als Moderator anmerkte. Er fand aber auch, dass seine Partei daran arbeiten müsse, dass Wohnen nicht länger ein Luxusgut sei.  op

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