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Platz unbespielbar

Beim SCF: Schneeräum-Posse um Kunstrasen

Jahrelang haben Stadt und Verein um einen Kunstrasenplatz für die Fußballer gekämpft. Jetzt ist er da – und kann zur dafür eigentlich prädestinierten Jahreszeit nicht genutzt werden, weil keiner ihn vom Schnee befreit. Deshalb gehen dem von der Insolvenz bedrohten SCF auch noch Mieteinnahmen durch die Lappen.

Räumarbeiten in Emmering

Fürstenfeldbruck– Allein der SC Oberweikertshofen hatte den Kunstrasenplatz im Brucker Sportzentrum dreimal für ein Testspiel und viermal zum Trainieren gebucht. Auch die Fußballer aus Günzlhofen, Schöngeising und Haspelmoor waren am vergangenen Wochenende angemeldet. Von morgens bis abends wäre der auch mit Steuermitteln finanzierte Platz ausgebucht gewesen. Der Gebührentarif sieht für eine90-minütige Benutzung 150 Euro vor, die von auswärtigen Vereinen bezahlt werden müssen. Doch um den Platz von der noch hart gefrorenen Schneedecke zu befreien, fehlt das geeignete Gerät.

Während in anderen Vereinen – wie zuletzt beim FC Emmering – kurzerhand die Fußballer selbst Hand anlegen und der Schnee mit der Schaufel weggeräumt haben, war so eine Aktion beim SCF ein Ding der Unmöglichkeit. Nur ein einziges Mal haben die in der Bezirksliga kickenenden Spieler einen Teil des Platzes geräumt, um darauf trainieren zu können. Nach Aussage von Abteilungsleiter Alfred Thurner hat bislang der Vater eines Jugendspielers, der eine Hausmeisterei besitzt, mit seinem entsprechenden Räumungsgerät einmal ausgeholfen. Thurner hofft, dass er nochmals die Hilfe in Anspruch nehmen kann, damit die beiden Testspiele –am Diensttagabend Oberweikertshofen II gegen Günzlhofen und das eigene SCF-Match am Mittwoch gegen Sulzemoos – ausgetragen werden können.

Fehlendes Equipment (oder Wille) haben dem hoch verschuldeten Kreisstadtverein nicht nur weitere Einnahmen vermasselt, sondern auch noch kurzfristige Ausweich-Suchen nötig gemacht. Weil der eigene Kunstrasen für ein geplantes Testspiel gegen Nord-Lerchenau nicht bespielbar war, wurde für die Elf von Trainer Michael Westermair das vielbenutzte Plastikgeläuf beim TSV Oberalting genutzt. Das hätte eigentlich 175 Euro gekostet. Doch weil die dortigen Hausherren die Gegner waren, gab’s das Match umsonst. Dass die Partie sportlich in die Binsen ging und 0:2 verloren wurde, passt aber ebenso ins Bild wie eine weitere Spendenaktion für den Verein: Der von Arno Kuchenreiter in dessen Nachtclub „Barnis“ organisierte Benefizabend fand kaum Resonanz.

Die Stadt hatte für den Kunstrasenplatz 200 000 Euro locker gemacht. Zudem streckte sie nochmal rund 183 000 Euro als Darlehen vor – für Fördermittel vom Bayerischen Landessportverband (BLSV). Einen entsprechenden Antrag auf die Auszahlung dieses Zuschusses hat SCF-Präsident Jakob Ettner jedoch noch immer nicht beim BLSV gestellt.Also wartet man im Rathaus weiterhin vergeblich auf die versprochene Rückzahlung des Darlehens.  dm/lo/imu


Kommentar: 

Die Außendarstellung könnte peinlicher nicht sein. Da bemühen sich spendenbereite Eltern von Jugendspielern, ehemalige Funktionäre, rührige Stadträte und vereinsverbundene Gönner mit einer Benefizaktion nach der anderen, den SC Fürstenfeldbruck zu retten. Und dann sind sich die eigentlichen Nutznießer aus der kickenden Zunft zu schade dafür, einen Schneeräumer in die Hand zu nehmen. 

Zugegeben: Ein paar Kröten, wie die aus Mieteinnahmen für den Kunstrasenplatz, würden den mit insgesamt 250 000 Euro verschuldeten Verein auch nicht aus der Bredouille bringen. Doch es ist geradezu eine schallende Ohrfeige gegenüber allen, die diesen Kunstrasenplatz erst möglich gemacht haben (Steuerzahler inklusive), wenn nicht einmal mit einer derart symbolischen Geste wie der des Schneeräumens ein wenig Dankbarkeit gezeigt wird. Verständnis und letzte Hilfsbereitschaft mit dem fast 100-jährigen Verein werden damit auf einen weiteren Tiefpunkt sinken. Peter Loder





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