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Vor 200 Jahren wurde „Stille Nacht, heilige Nacht“ komponiert. Es ist heute der Hit unter den Weihnachtsliedern.

Weihnachtslied-Klassiker

Nur mit diesem Lied ist richtig Weihnachten

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Es ist das wohl bekannteste Weihnachtslied. „Stille Nacht“ darf an Heiligabend in keinem Gottesdienst fehlen – egal ob katholisch oder evangelisch. Das ist ungeschriebenes Gesetz. Auch am 200. Geburtstag der Melodie.

Landkreis– Am Tannenbaum leuchten die Kerzen. Es duftet nach Weihrauch. Die Orgel spielt die bekannte Melodie und in der Kirche gehen langsam die Lichter aus. „Stille Nacht! Heil’ge Nacht! Alles schläft! Einsam wacht, nur das traute hochheilige Paar...“ Viele Gottesdienstbesucher singen diese Zeilen mit Gänsehaut und Rührung in der Stimme. „Die Menschen haben Sehnsucht zur Stille zu kommen“, sagt Pfarrer Terance Palliparambil vom Pfarrverband Maisach. „Ihre Sehnsucht finden sie in diesem Lied.“

In den katholischen Gottesdiensten erklingt „Stille Nacht“ immer am Schluss. „Das ist ungeschriebenes Gesetz“, berichtet Christoph Hauser, Musikdirektor der Klosterkirche Fürstenfeld. Es einfach wegzulassen wäre untragbar, findet auch sein Kollege, der Germeringer Kirchenmusiker von St. Caecilia Michael Leyk. „Für viele Menschen würde es nicht Weihnachten werden, wenn es nicht gesungen wird.“

Den Grund sieht er auch ein bisschen in der Geschichte des Liedes (siehe Kasten). In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg seien viele Lieder aus dem 19. Jahrhundert aus den Gesangbüchern verschwunden. „Stille Nacht hat sich als eines der wenigen fortgeführt.“ Und mit seinem wiegenden Charakter rührt es die Menschen, wenn sie es singen. „Ich nehme den Orgelton sehr dezent, um es möglichst innig klingen zu lassen“, sagt Hauser.

Die hohe Tonlage der Melodie bereite den meisten kein Problem. Man könne es etwas tiefer ansetzen, sagt Leyk. Und Hauser merkt eher bei den letzten Strophen, dass weniger singen – es ist dunkel in der Kirche, da ist Textsicherheit gefragt.

Im Laufe der Zeit hat sich „Stille Nacht“ auch den Weg in die evangelischen Weihnachtsgottesdienste gebahnt. Dort wird am Ende traditionell „Oh du fröhliche“ gesungen – ein eher hymnisches Lied, das Jubel und Weihnachtsfreude ausdrückt, erzählt Kirsten Ruhwandl, Kirchenmusikerin der Erlöserkirche in Bruck. Hier kann der Posaunenchor in großer Besetzung anstimmen, im Gegensatz zum ruhigen Wiegenlied über den „holden Knaben in lockigem Haar“.

Keine Experimente bei der Musik in den Gottesdiensten zum Christfest. Kirchenmusiker Michael Ley weiß, dass die Menschen es zu diesem Datum traditionell mögen.

Ohne „Stille Nacht“ geht es trotzdem nicht. „Es gab Jahre, da wurde es nicht gesungen und es kamen Proteste“, erinnert sich Ruhwandl. „Die Menschen warten darauf.“ Das Lied wecke eben Erinnerungen. Auch in den Gottesdiensten im evangelischen Pfarrverband Grafrath fehlt es nicht. „Es kommen viele konfessionell gemischte Familien, sie wünschen, dass es gesungen wird“, sagt das Pfarrer-Ehepaar Ulrike und Christian Dittmar.

Der Weihnachtsgottesdienst ist wichtig, gerade weil nicht nur regelmäßige Kirchgänger kommen. Die Besucher wollen Tradition, auch was die Musik angeht. „Da würde ich nie experimentieren“, sagt Hauser. Leyk sieht es genauso. „Die Menschen wollen Weihnachtsschlager wie Adeste fidelis, In dulci jubilo oder ab dem ersten Feiertag Oh du fröhliche.“ Auch in evangelischen Gottesdiensten werden Klassiker gesungen, etwa „Vom Himmel hoch“ – geschrieben von Martin Luther.

Dennoch ist man dort experimentierfreudiger. Man müsse Neuerungen wagen – in kleinen Punkten, sagt Kirsten Ruhwandl. „Ich kann ein modernes Vorspiel zu Vom Himmel hoch machen, aber das Lied muss kommen.“ Die Besucher der Christmette in der Erlöserkirche werden statt Kammermusik heuer den Chor mit englischen und amerikanischen Weihnachtsliedern hören. „Der Pfarrer mag das gerne“, sagt Kirsten Ruhwandl.

Auch bei Pfarrer Christian Dittmar gibt es heuer eine Neuerung. Erstmals wird sein Lieblings-Weihnachtslied „Marys Boychild“ gesungen. „Wir haben vor Jahren ein Ranking der beliebtesten Lieder in der Gemeinde gemacht“, erzählt er. „Da war es ganz vorne.“ Zwar müsse er noch schauen, an welcher Stelle er es unterbringe. Aber die wird er finden. „Es ist der Soundtrack meines Lebens, da freue ich mich drauf.“

Die Serie Jahraus, jahrein berichten Redakteure des Tagblatts aus politischen Sitzungen und von Veranstaltungen über das aktuelle Geschehen im Landkreis. Zum Jahreswechsel haben sie ihre eigene Agenda aufgestellt und Themen recherchiert, die ihrer Meinung nach mal auf die Tagesordnung der Heimatzeitung gehören.

Der Siegeszug

„Stille Nacht“ wurde im Jahr 1818 erstmals in Oberndorf bei Salzburg aufgeführt – zweistimmig, mit der Gitarre begleitet. Der Text stammt von Joseph Mohr, die Melodie vom Organisten Franz Xaver Gruber. Verbreitet wurde es zunächst vom Orgelmacher Karl Mauracher aus Fügen, und später durch die Geschwister Strasser aus dem Zillertal, die es als „ächtes Tyroler Lied“ auf Weihnachtsmärkten sangen – unter anderem im Leipzig. Dort hörte es der Organist Franz Alscher und bat die Geschwister, es zur Christmette in der katholischen Kapelle in der Pleißenburg zu singen.

Später zogen sie als reisende Sänger durch ganz Deutschland. Auch die Geschwister Rainer aus Fügen traten mit dem Lied in mehreren Ländern auf und verbreiteten es so. Erstmals gedruckt wurde „Stille Nacht“ 1833 in Dresden auf einem Flugblatt mit drei anderen „ächten Tyroler Liedern“. Schon da galt es als Volkslied. Die Namen der Autoren bewahrte König Friedrich Wilhelm IV von Preußen, der das Lied besonders liebte.

Eigentlich umfasst „Stille Nacht“ sechs Strophen. Gesungen werden jedoch nur die erste, zweite und letzte Strophe. Die UNESCO listet das Lied seit 2011 sogar als immaterielles Kulturerbe in Österreich. „Stille Nacht“ wurde in über 300 Sprachen übersetzt. In Indien, der Heimat von Pfarrer Terance Palliparambil, wird es auf Englisch gesungen.

Darum habe ich diese Geschichte geschrieben

Ohne „Stille Nacht“ wird nicht Weihnachten. Ja, das stimmt. Doch für mich gehört ein weiteres Lied genauso dazu. Adeste fidelis – zu Deutsch „Nun freut euch ihr Christen“. Ich kann mich noch daran erinnern, als es ein Jahr in der Christmette nicht auf dem Liedzettel stand. Groß war die Enttäuschung. Da fehlte etwas zur vollkommenen Weihnachtsstimmung. 

Und genauso würde es vielen gehen, wenn am Ende der Christmette in dieser Heiligen Nacht der 200 Jahre alte Weihnachtslied-Klassiker „Stille Nacht“ nicht angestimmt würde. 

Die Sehnsucht nach dem Adeste fidelis hat mich lange davon abgehalten, einmal die evangelische Christmette zu besuchen, die mein Mann musikalisch mitgestaltet. Denn dort gehört das Lied nicht zum festen Repertoire. Doch er versprach, es ins Programm nehmen zu lassen. Und er hat Wort gehalten. Also begleitete ich ihn und durfte mit der gleichen Weihnachtsfreude wie jedes Jahr die vertraute Melodie – wenn auch mit etwas anderem Text, denn dort heißt es „Herbei oh ihr Gläubigen“ – singen.

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