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Auf den Büchern der Stadtbibliothek steht hinten drauf, was drin steht: die neue Klarschrift-Systematik ist bundesweit beachtet worden.

In Germering

Bibliothek setzt mehr auf digitale Medien

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Germering - Die Digitalisierung vieler Bereiche des täglichen Lebens schlägt sich auch in der Stadtbibliothek nieder: Die Ausleihzahlen analoger Medien gehen leicht zurück, die der elektronischen steigen deutlich. Die Bibliothek reagiert unter anderem mit freiem WLAN und einer neuen Homepage.

Bibliotheksleiterin Christine Förster-Grüber stellte in ihrem Jahresbericht im Hauptausschuss Zahlen vor, die auf den ersten Blick überraschten: Die Stadtbibliothek hat einen Gesamtbestand von 51 439 Medien, 12 545 davon sind digitale E-Medien. Pro Einwohner verfüge man damit über 1,6 Medien – den vom Bibliotheksverband vorgegebenen Standard von 2,0 erreiche man damit zwar nicht, aber das sei halb so schlimm: „Das schaffen ganz wenige. Wir liegen gut.“

Die zweite negative Zahl war der Rückgang von Entleihungen bei den analogen Medien, also in der Regel von Büchern, um 3,4 Prozent. Dies sei ein allgemeiner Trend, der den E-Medien zu verdanken sei, erklärte Förster-Grüber. Deren Ausleihzahlen sind nämlich um 26 Prozent gestiegen.

Deutlich gestiegen ist laut Förster-Grüber auch das Interesse an Sachbüchern und Brettspielen. Ersteres sieht sie als Bestätigung einer Umstellung der Beschriftung sämtlicher 22 000 Sachmedien.

Neue Beschriftungen sorgen für Aufsehen

Die von der Bibliothek entwickelte „Germeringer Klarschrift-Systematik“ – Förster-Grüber: „Wir haben’s erfunden“ – macht es dem Nutzer leichter, Bücher zu dem Themengebiet zu finden, die er sucht. Auf den Bücherrücken steht nämlich jetzt verständlich drauf, was drin ist. Wegen der neuen Systematik habe man Anfragen von Bibliotheken aus dem gesamten Bundesgebiet und aus dem Ausland erhalten, merkte Förster-Grüber nicht ohne Stolz an – die Stadträte quittierten es mit spontanem Beifall.

Das Plus beim Brettspiel-Verleih um 2,5 Prozent ist der Bibliothekarin zufolge vor allem dem Lernspiel-Angebot Schlaubi geschuldet, das regelmäßig viele Kinder mit ihren Eltern in die Bibliothek bringt.

Belebt wird das Haus auch durch eine Neuerung, die im Dezember eingeführt wurde. Seitdem kann man in der Bibliothek auf drei Ebenen kostenlos WLAN nutzen. Seitdem kommen deutlich mehr Schüler als früher, die das Internetangebot auch zum Erledigen ihrer Hausaufgaben und Facharbeiten nutzen, wie Förster-Grüber erklärte. Die Arbeitsplätze seien deswegen öfter als früher besetzt. Nachteil dieses neuen Besucherzustroms: „Zu viele Jugendliche können ganz schnell den Betrieb aufmischen, wenn sie zu laut werden.“ Sie seien in der Regel aber vernünftig und ließen mit sich reden. Und wenn’s gar nicht anders geht, zeige man ihnen wie im Fußball zunächst die gelbe und dann die Rote Karte: „Das klappt ganz gut. Es herrscht Fairplay.“

Willkommen in Deutschland

Die Stadtbibliothek hat im Zuge des Zustroms von Flüchtlingen auch ihre interkulturelle Arbeit ausgeweitet: „Wir möchten diesen Menschen Angebote machen,“ sagte Förster-Grüber. Unter der Rubrik „Willkommen in Deutschland“ sind deswegen im Haus Sprachkurse ebenso zu finden wie unterschiedliche Wörterbücher, Unterrichtsmaterialien, Landeskunde und Online-Angebote. Kostenlose Ausweise für Flüchtlinge und Dozenten sowie Info-Flyer und -Plakate auf Englisch, Französisch und Arabisch komplettieren diese Anstrengungen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen: „Das Angebot wird sehr gut genutzt.“ Die Kommunikation sei zwar nicht so einfach: „Wir verständigen uns mit Händen und Füßen.“ Ein Kollege habe deswegen jetzt eigens privat einen Arabisch-Kurs belegt.

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