Ährenfeldschule Gröbenzell

Nach Brand: Unterricht läuft weiter

Gröbenzell – Riesen-Aufregung in der Ährenfeldschule in Gröbenzell: Weil es in einer Toilette brannte, mussten am Dienstag in der Früh über 300 Kinder und 30 Lehrer evakuiert werden. Die gute Nachricht – je nachdem, wie man es beurteilt: Der Unterricht kann heute ganz normal stattfinden.

Marie-Theres, Tochter von Elternbeiratsvorsitzender Gisela Marquart, sitzt gerade mit ihren Schulkameraden im Klassenzimmer der 4c, büffelt Lernwörter. „Da ging plötzlich der Feueralarm los“, erzählt die Neunjährige.

Dann geht alles ganz schnell: Die Lehrerin lässt die Mädchen und Buben in Zweierreihen aufstellen, dann verlassen die Kinder zügig den Raum und eilen wie die anderen Grundschüler zum sogenannten Aufstellplatz im großen Pausenhof.

„Ich war aufgeregt, hatte auch ein bisschen Angst“, gibt Marie-Theres unumwunden zu. Außerdem frieren viele Schüler, als sie draußen warten und beobachten, wie erst Polizei, dann Krankenwagen und die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr vorfahren. Denn mitnehmen aus den Klassenzimmern dürfen die Kinder nichts: Bücher, Federmäppchen, selbst die Jacken bleiben in den Räumen zurück. Die Kinder werden dann in naheliegenden Kitas untergebracht, das Kriseninterventionsteam der Malteser kümmert sich um sie.

Wie aber ist es überhaupt zu dem Feuer gekommen? Irgendjemand muss in der Früh um kurz vor neun Uhr in der Bubentoilette im ersten Stock gezündelt haben, berichtet die Kriminalpolizei. Folge: Ein Toilettenpapierhalter samt Papier brennt lichterloh. Die Flammen greifen auf Abtrennwände über. Feuerwehrleute löschen den Brand unter schwerem Atemschutz. Größtes Problem: Die Rauchentwicklung und die Verrußung. Der Qualm breitet sich über die Lüftungsanlage der Schule aus. Die Feuerwehr sperrt daher den entsprechenden Gebäudeteil vorübergehend. Etwas rätselhaft: Kurz vorher ist es laut Kripo in der Schule bereits zu einem Zwischenfall gekommen: Im Erdgeschoss brannte ein Schüler-Gemälde aus Papier, das an einer Wand hing. Dieses löschten die Lehrer selbst.

Betreut wurden die Kleinen nach der Evakuierung im Hort von St.-Johann-Baptist, im katholischen Kindergarten und im Zachäus-Kindergarten. Wegen der ganzen Aufregung seien schon einige Tränen gekullert, berichtete eine Sprecherin des Malteser-Kriseninterventionsteams, das mit vier Kräften vor Ort war. Erstmal hätten die Schüler etwas zu trinken und zu essen bekommen, erzählt die Sprecherin. „Das nimmt Stress raus.“ Dann dufte jedes Kind erzählen, was es erlebt oder gesehen hatte. Wichtig vor allem die Erkenntnis: Niemandem ist etwas passiert, alle sind gesund. Beschäftigt habe die Kinder auch die Frage, was mit ihren Sachen passiert ist, die sie allesamt zurücklassen mussten – später bekommen die Kleinen alles wieder.

Bürgermeister Martin Schäfer betonte in einer ersten Stellungnahme, dass nur Räume im ersten Stockwerk von der vorläufigen Sperrung betroffen sind. Er erinnerte, dass die Schule nicht ausfallen darf. „Wir haben die Verpflichtung, die Kinder aufzunehmen und zu betreuen.“ Die kurz angedachte Ersatz-Betreuung ist aber nicht nötig, wie sich herausstellt. Denn Rektorin Bettina Betz gibt am Nachmittag die Komplett-Entwarnung: Heute ist wieder normaler Unterricht möglich.

Die regelmäßigen Alarmübungen mit festen Zufluchtsplätzen hätten sich jetzt im Ernstfall bewährt, sagt die Rektorin. Sie ist dankbar für die Hilfsbereitschaft in den benachbarten Kitas. „Das war super, alle haben geholfen.“ Auch Schüler und Lehrer bekommen hinterher ein dickes Lob – und zwar von der Feuerwehr. Die Evakuierung habe vorbildlich geklappt, sagt Gröbenzells Kommandant Claudius Weirauch.

Weil die Brand-Alarmierung in einem Schulhaus natürlich brisant ist, waren die Einsatzkräfte in entsprechender Stärke angerückt. Wehren aus Gröbenzell, Puchheim, Fürstenfeldbruck und weiteren umliegenden Ortschaften halfen zusammen. Vor Ort waren auch zehn Rettungswägen des Bayerischen Roten Kreuzes und der Malteser sowie vier Notärzte, wie Rainer Bertram vom BRK berichtete.

Den Sachschaden schätzt die Kripo auf 10 000 Euro. Sie ermittelt wegen Brandstiftung und bittet um Hinweise unter Telefon (0 81 41) 61 20.

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