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Check vor dem Abflug: Der Brucker Stützpunktleiter Norbert Trenker (l.) prüft mit den Navigationskarten auf dem Knie die Flugroute. Pilot Martin Schifferer hat seine linke Hand am Leistungshebel

Unterwegs mit der Luftrettungsstaffel

Brandbeobachter gehen in die Luft

Die Hitzewelle ebbt nicht ab – und damit auch nicht die Gefahr von Waldbränden. Aus der Vogelperspektive beobachtet die Brucker Luftrettungsstaffel die Region, um Brände frühzeitig zu erkennen. Tagblatt-Autor Max-Joseph Kronenbitter war mit an Bord.

Die Piloten Norbert Trenker und Martin Schifferer schieben das ehemals von der Luftwaffe genutzte Propellerflugzeug Do 27 aus dem kühlen Hangar im Brucker Fliegerhorst auf die vor Hitze flimmernde Rollbahn Alpha. In der Zwischenzeit checkt Kreisbrandmeister Sergius Ruppaner seine Funkgeräte, mit denen er Kontakt zu den verschiedenen Integrierten Leitstellen (ILS) entlang der Flugroute halten wird. Zusammen mit der ebenfalls ehrenamtlich agierenden Bodencrew haben sie den immer noch flugbereiten Oldtimer aus dem Jahr 1959 gründlich gecheckt und aufgetankt. „Sechs Insassen und eine Temperatur von über 50 Grad auf der Startbahn bedeuten einen wahren Kraftakt für den Motor, der rein theoretisch über 270 PS verfügt“, erklärt Martin Schifferer. Er wird heute das Flugzeug steuern.

Früher Tornado-Pilot

Die Gegend kennt er wie seine Westentasche, da er schon zu Zeiten des Jagdbombergeschwaders 49 mit seinem Alpha-Jet in Fursty abhob. In Lechfeld war er als Tornadopilot stationiert. Die Flugroute Charlie, die den Brucker Fliegern zugewiesen ist, führt uns zunächst Richtung Norden nach Altomünster im Kreis Dachau. Dann drehen wir nach Mering ab und fliegen dem Lech entlang bis nach Penzberg. Nicht nur der Fluß erleichtert das Navigieren, auch die an diesem Tag geschlossenen Militärflugplätze Penzing und Lechfeld, deren Startbahnen wir im Tiefflug überfliegen. Auf den Autobahnen nach Stuttgart und Lindau ist bei dieser Hitze nicht viel los.

Geheimtipps für lauschige Badegäste

An den in verschiedenen Farben schimmernden Badeseen dafür um so mehr. Die Flughöhe von 300 Metern über Grund ist gerade recht, um ganz nebenbei Geheimtipps für lauschige Badestrände ausfindig zu machen – nämlich da, wo wenig bunte Schirme, Handtücher und Liegestühle zu sehen sind. Gleich zwei Treffen von Modellfliegern umkreisen wir. So zeigen wir den in die Luft Starrenden, wie ein richtiger Flieger aussieht. Aufmerksam geworden waren wir auf die Treffen nicht nur wegen der Flieger. Sondern auch wegen der etwas arg rauchenden Grillfeuer. „Luftbeobachter zu sein ist eine interessante Abwechslung und macht Spaß“, sagt Kreisbrandmeister Sergius Ruppaner.

Zugspitze im Dunst

Er schaut zufrieden aus dem übersichtlichen Cockpit. Ganz spannend findet er die sich wandelnde Landschaft, wenn zum Beispiel ein See völlig ausgetrocknet ist oder wieder eine neue Freiflächen-Fotovoltaikanlage entstanden ist. Heute hat der Feuerwehrler aus dem Bereich Digitalfunk nicht viel zu tun, außer die Leitstellen zu informieren dass wir da sind. Denn neben einer Früherkennung von jeglichen Feuern können die Luftbeobachter auch direkt in Kontakt zu Einsatzfahrzeugen treten und zu Brandstellen lotsen, die man sonst schlecht findet. „Nach den jüngsten Sturmschäden hatten wir auch Förster an Bord, um denen einen Überblick zu geben oder wir unterstützen durch den Abwurf von Impfködern die Tollwutbekämpfung“, berichtet Stützpunktleiter Norbert Trenker.

Als wir dann am Hohenpeißenberg vorbei wieder Richtung Norden fliegen, sehen wir die Zugspitze. Sie liegt etwas im Dunst. Zwischen Pilsensee und Weßlinger See drehen wir ab Richtung Fursty, wo der Flugleiter Andreas Gärtner diesmal den Anflug vom Osten festgelegt hat und wir wieder weich auf dem heißen Asphalt aufsetzen. Diesmal haben wir keinen Brand gefunden – schon beim nächsten Mal kann es anders sein. (mjk)

Wieder Flüge angeordnet

Nach der Tropenhitze am vergangenen Wochenende gab es für die Luftbeobachter am Montag eine ganz kurze Verschnaufpause. Am heutigen Dienstag aber herrscht schon wieder Waldbrand-Warnstufe 4. Das heißt: Es besteht hohe Gefahr. Südlich vom Ammersee gilt die Gefahr sogar als sehr hoch – die Regierung hat daher für heute wieder Flüge der Luftretter angeordnet

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