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Eigentlich wollten sie ihn nicht gehen lassen, ihren Ampelmann: Viele Kinder sind am letzten Arbeitstag von Hermann Pientka gekommen, um ihn zu verabschieden

Kinder malen Plakat

Danke, lieber Ampelmann

Fürstenfeldbruck - Er ist der lustige Opa, der den Schülern tagein tagaus über die Straße hilft. Alle Kinder lieben ihn. Jetzt hört der Ampelmann – so nennen ihn seine Schützlinge – auf. Doch davor gab es noch eine Überraschung.

Hermann Pientka (70) ist Schülerlotse. Doch für die Kinder, die ihn jeden Tag besuchen, ist er viel mehr als das. Er hilft ihnen sicher über die Straße, bringt sie zum Lachen, wenn sie mal traurig sind und fragt nach, wie es ihnen geht. Deshalb wird ihnen der Ampelmann sehr fehlen. Nach zehn Jahren geht der Brucker sozusagen in Rente.

Weil sie ihn so gern haben, haben die Kinder für Hermann Pientkas Abschied etwas ganz Besonderes geplant. Sie malten ihrem Ampelmann ein Plakat und überraschten ihn an seinem angestammten Platz zwischen der Emmeringer- und der Enzianstraße.

Von Montag bis Freitag stand der ehemalige Lagerist an der Straße. Die erste Schicht begann um viertel nach sieben, die letzte endete nachmittags um halb zwei Uhr. Dazwischen ließ er unzählige Kinder über die Straße, grüßte, witzelte und ratschte mit ihnen. „Er kennt jeden einzelnen Namen“, erzählt eine Mutter, die extra zur Verabschiedung gekommen ist. „Er ist eine Institution“, sagt ein Vater.

Kinder malen Plakat

Pientka selbst umarmt währenddessen Kinder, nimmt Geschenke an und ermuntert die vorbeiradelnden Kids, auch auf dem Transparent zu unterschreiben, das extra für ihn aufgestellt wurde. „Danke, lieber Ampelmann“, steht darauf.

Angefangen mit dem ehrenamtlichen Job, der ihm so viel Spaß bereitet hat, hat der Brucker, als er in Rente ging. Da sah er in der Zeitung zufällig eine Anzeige. „Jetzt hab ich frei, jetzt kann ich was für die Kinder tun“, dachte er sich und stellte sich beim Rathaus vor. Die Mitarbeiter wiesen ihm einen Platz an der Theodor-Heuss-Straße zu. Dort stand er zwei Jahre lang. „Dann wurde die Fußgängerbrücke an der Amper gebaut und ich kam hierher“, erzählt der Vater von vier erwachsenen Kindern und zeigt auf den Platz an der Emmeringer Straße. In diesen acht Jahren gab es viele positive Erlebnisse. Das schönste, an das sich der Pensionär erinnert, war sein 70. Geburtstag. „Da haben alle für mich gesammelt und mir Geschenke gemacht“, erzählt er strahlend.

Ohne Furcht für die Sicherheit

Brenzlige Situationen habe es keine gegeben, sagt er. „Bis auf einmal“, wirft Andrea Heintze ein, die Mutter von drei Schulkindern. „Da wäre dir fast mal einer über den Fuß gefahren“, erzählt sie aufgeregt. Die Autos seien einfach bei Rot über die Straße gefahren. Da habe sich der Brucker heldenhaft vor die Fahrzeuge gestellt. Die hielten zum Glück an. Passiert ist nichts.

Pientka lächelt, wenn er von all den Erlebnissen hört. Es fällt ihm nicht leicht, seine neongelbe Jacke an den Nagel zu hängen. „Aber jetzt bin ich 70“, sagt er. „Da wird’s langsam Zeit.“ Doch auch im Ruhestand wird er von Kindern umgeben sein. Elf Enkel hat Pientka, die er jetzt noch öfter besuchen will. Außerdem möchte sich der Brucker einen Traum erfüllen und auch mal was für sich selbst tun: „Mal ein bisschen rauskommen – das habe ich sonst nie gemacht." (ew)

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