Vorstoß aus Berliner Ministerium

Brucker Brauer verteidigen den Haustrunk

Am Sonntag war der Tag des Bieres. In normalen Jahren denkt man da ans Reinheitsgebot, an Geselligkeit und andere positive Dinge. Derzeit schwingt in Sachen Gerstensaft bei den Brauereien aber auch Ärger mit – wegen des drohenden Verbotes des so genannten Haustrunks.

Fürstenfeldbruck Der Haustrunk, auch Deputat genannt, hat eine lange Tradition vor allem bei den bayerischen Brauereien. Diese gratis an Mitarbeiter abgegebenen Getränke sind vielerorts Teil der Bezahlung. Die Mengen sind teils sogar tariflich festgelegt. Sprich: Angestellten einer Brauerei steht pro Monat eine bestimmte Menge ihres Lohnes in flüssiger Form zu. Damit soll jetzt Schluss sein. Das fordert die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU).

Wer sich mit alten Traditionen anlegt, hat es immer schwer. Wer an des Bayern liebstes Getränk heran will, muss sogar mit heftigem Gegenwind rechnen. Das hat wohl auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler unterschätzt. Denn ihre Idee, den Haustrunk der Brauereien abzuschaffen, trifft in der Branche auf wenig Gegenliebe. Doch die Drogenbeauftragte bleibt dabei, dass Alkohol nicht Bestandteil des Lohns sein darf und lieber durch Zusatzzahlungen ersetzt werden sollte.

Auch in den Brauereien im Landkreis Fürstenfeldbruck ist der Ärger über den Vorstoß der Ministerin groß. In der Brauerei Maisach beispielsweise ist der Haustrunk seit langem eine Selbstverständlichkeit. Die Mitarbeiter bekommen hier mit ihrer Gehaltsabrechnung Gutscheine ausgehändigt.

Diese können sie gegen Bier oder andere Getränke aus der Produktion eintauschen. Wichtig: Der Haustrunk ist nur für den persönlichen Gebrauch. Geschäftsführer Michael Schweinberger hält die Idee der Drogenbeauftragten für völlig wirkungslos.

„Durch die Abschaffung des Haustrunks wird man nicht erreichen, dass die Mitarbeiter weniger Alkohol konsumieren.“ Bereits jetzt würden viele Angestellte alkoholfreie Getränke mit nach Hause nehmen.

Auch bei der Schloßbrauerei Kaltenberg stößt der Vorschlag auf Unverständnis.

„Das ist ein totaler Schwachsinn“, kommentiert Reiner Bernhard die Pläne aus Berlin. „Es ist ja nicht so, dass die Mitarbeiter während der Arbeit trinken.“ In der Schloßbrauerei in Fürstenfeldbruck und seines Wissens nach auch in jeder anderen, herrsche während der Arbeit striktes Alkoholverbot. Auch bei der Brauerei Kaltenberg gibt es ein Gutscheinsystem, mit dessen Hilfe die Angestellten ihren Haustrunk in einem Getränkemarkt abholen können.

Die noch junge Olchinger Braumanufaktur produziert zwar im Augenblick noch nicht im Landkreis, dennoch hat Geschäftsführer Guido Amendt eine klare Meinung zum Thema Haustrunk: „Wir versuchen mit unseren Brauverfahren neue Wege zu gehen, aber Tradition in Sachen Bier ist uns sehr wichtig.“ Und gerade der Haustrunk diene ja schon immer auch der Wertschätzung der Arbeit der Angestellten und deren Identifikation mit dem jeweiligen Unternehmen. Auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen sei dieses Konzept sinnvoll. „Es dient zur Bindung der Mitarbeiter an den Betrieb und die Marke“, sagt Amendt. (tel)

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