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Eine Masche rechts, eine links: Beim Brucker Stricktreff kommen (v.l.) Silke Bender, Nicole Ulbricht, Annette Kosciessa, Michaela Kiltz und Liane Hierl ins Fachsimpeln. Ihre Ideen für neue Muster und Arten des Strickens holen sie sich auch aus dem Internet.

Zu Besuch am Sulzbogen

Die Frauen vom Stricktreff

Fürstenfeldbruck - Wenn sich diese Frauen zum gemeinsamen Stricken treffen, klappern nicht nur die Nadeln – sondern auch die Mundwerke. Das sagen die Mitglieder über sich selbst. Und erzählen, warum sie wollsüchtig sind.

Wenn im Mehrgenerationenhaus am Sulzbogen wieder die Stricknadeln durch die Luft sausen und wenn Garn in Windeseile zu kunstvollen Gebilden verwoben wird, dann sind sie da: Die Frauen vom Stricktreff. „Ich hänge leidenschaftlich an der Nadel“, sagt Leiterin Michaela Kiltz und lacht.

Wolle selbst spinnen

Bei ihrem Hobby lässt sie sich nicht lumpen. Wolle kaufen? Zu langweilig. Kiltz spinnt selbst. Vorzugsweise Wolle vom Merinoschaf. Doch immer nur mit weißem Garn stricken? Auch zu langweilig. Also wird auch selbst gefärbt. Schon im Rohzustand sind ihre Produkte wahre Raritäten, die so nicht im Laden gekauft werden können. Am Ende strickt die Woll-Virtuosin dann Socken, Mützen, Schals oder Eierwärmer. Und was ihr halt sonst noch so einfällt.

Seit einigen Jahren frönt Kiltz ihrem Hobby aber nicht mehr alleine. „Es ist mir einfach zu langweilig geworden, immer vor mich hinzustricken“, sagt sie. Bis heute hat sich der Stricktreff, den Kiltz vor etwa fünf Jahren gegründet hat, gehalten. Trotzdem sind die Frauen mit dem Faible für buntes Garn immer auf der Suche nach neuen Mitstreiterinnen – und natürlich neuen Ideen. „Wir freuen uns, wenn wir noch mehr Frauen begeistern können. Sie sollen einfach mal bei uns vorbeischauen.“

Wolle vom Steinschaf macht Blasen

Denn während die Hände beschäftigt sind, kommen die Strickbegeisterten schnell ins Fachsimpeln: „Wolle vom Steinschaf oder vom Waldschaf ist ja recht grob und kratzig, da bekommt man beim Spinnen schnell Blasen an den Fingern“, sagt eine von ihnen. Doch wunde Hände können sich diese Frauen nicht leisten. Denn es wird gestrickt, was das Zeug hält und das bei jeder Gelegenheit. Am Abend, wenn der Fernseher läuft, oder einfach mal so zwischendurch beim S-Bahnfahren.

Nicole Ulbrich etwa gibt Nadel und Garn auch im Sommerurlaub nicht aus der Hand. „Ich habe am Strand in Kroatien schon eine Trachtenjacke gestrickt“, erzählt sie. Bikini und dicker Janker? Bei der Vorstellung müssen ihre Mitstrickerinnen unweigerlich schmunzeln.

Sohn schwört auf Wollsocken

Und von wegen junge Leut’ würden Selbstgemachtes verschmähen. „Mein 16-jähriger Sohn schwört auf meine Socken“, sagt die 45-Jährige und schaut auf den Strumpf, den sie gerade in der Mache hat. Ganz herkömmlich mit Nadelspiel – also fünf gleichen Nadeln, die kreisförmig angeordnet werden – strickt sie vor sich hin.

Aber das geht auch noch ganz anders: Silke Bender schwört auf die so genannte Spiralsocke. Denn da braucht man die Ferse nicht einzeln stricken. Durch die spezielle Technik dreht sich der Strumpf quasi auf Fuß und Wade und schmiegt sich ganz automatisch an.

Perfekt für Bender. Denn sie ist eher von der schnellen Sorte. Deshalb arbeitet sie am liebsten mit dicker Wolle. „Dann bin ich mit einem Teil schneller fertig“, sagt sie und lacht. Auch überschaubare Wollreste sind kein Problem für die Frauen vom Stricktreff. Hier wird bis auf den letzten Wollzipfel alles verwertet und wenn am Ende bloß ein Lesezeichen für Bücherwürmer dabei rausschaut – natürlich mit einer Mini-Socke am Ende der Schnur. (Angi Kiener)

Kontakt:

Die Strickerinnen treffen sich jeden zweiten und vierten Freitag im Monat von 15 bis 18 Uhr im Mehrgenerationenhaus am Sulzbogen 56. Mehr Infos bei Michaela Kiltz unter Telefon (0176) 34 19 91 35

 

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