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Die Wunderpyramide: Erfinder Bruno Gruber, 71, mit einer seiner Schöpfungen. Die Kugeln ordnen sich rasterförmig selbst bis zur Spitze an – nur durchs Drüberschütten.

Saughandschuh für Hunde, duftender Kuli und Co

Bruno Gruber – der vogelwilde Erfinder

Olching - Bruno Gruber ist Erfinder. Und was für einer: Die Denk-Kanone aus Olching hat hunderte Patente angemeldet. Einige sind absurd, andere genial. Ein Besuch in seinem Erfinder-Hauptquartier.

Kürzlich hat Bruno Grubers Hirnkastl mal wieder Purzelbäume geschlagen. Das passiert öfter, aber diesmal war es besonders schlimm. Er ist zufällig an einem mordsmäßigen Gerüst vorbeigegangen, darauf Maler beim Fassadenstreichen. Sein erster Gedanke: viel zu kompliziert. Das muss doch auch ohne Gerüst gehen. „Man könnte ja Farbbeutel an die Wand schleudern, am besten mit einer Luftkanone.“ Schwuppdiwupp, Wand fertig wie von Zauberhand. Das wär’s doch.

Erfinder-Hauptquartier: der Olchinger in seinem Keller. Im Erdgeschoss ist der Wohnbereich.

Eine Farbbeutel-Luftkanone: Oh mein Gott, der spinnt, oder? Ehrliche Antwort: Ja, kann man so sagen, dieser Bruno Gruber, 71, aus Olching im Kreis Fürstenfeldbruck spinnt rum. Schon sein halbes Leben macht er das. Von früh bis spät. Manchmal sogar sonntags. Das ist sein Beruf. Gruber ist Erfinder. Oder wie er sagt: technischer Entwickler. Oder wie die Leute sagen: der Düsentrieb von Olching.

350 oder 400 Patente, genau weiß er’s nicht, hat er schon angemeldet. Aus der Farb-Schleuder-Apparatur ist zwar bis jetzt nichts geworden, dafür hat er andere unglaubliche Dinge konstruiert. Den duftenden Kugelschreiber zum Beispiel, die antibakterielle Türklinke, ein Blechbiegegerät, eine Teichbelüftung, den Fahrradsattel mit Schenkelstützen, den Ein-Ei-Eierkocher – und natürlich die Salzstangen-Lebendmaus-Mausefalle. Das ist ein durchtriebener Verhau aus Sperrholzbrettern, der von einer einzigen Salzstange getragen wird. Knabbert die Maus die Salzstange an, senkt sich schlagartig eine Falltüre. Dann ist Aus die Maus. Aber natürlich nicht so richtig Aus die Maus, also Todesfall, sondern, was Gruber mit seiner Erfindung im Sinn hat, ist eher eine liebevolle Gefangennahme. „Die angeknabberte Salzstange ist auch als Proviant bis zur Befreiung der Maus gedacht.“ So steht es in seiner Patent-Erläuterung. Eine Maus töten, das kann jeder. Aber eine Maus fangen und sie verköstigen, das können nur Genies. Anstelle von Salzstangen, so Gruber, kann man auch mit Käsewürfeln und Holzstäbchen arbeiten. Das ist die Gourmet-Variante.

Grubers Erfindung: die antibakterielle Türklinke.

Gelernt hat Bruno Gruber Rundfunk- und Fernsehmechaniker, er war ein paar Jahre in Australien und Kalifornien, aber sein Glück gefunden hat er in seinem Bastlerkeller, seinem oberbayerischen Ein-Mann-Erfinder-Hauptquartier. Besucht man ihn dort unten, zwischen all seinen Werkzeugen, Kisten, Kabeln, Schrauben und was weiß der Teufel noch, dann taucht man ein in die Welt der vogelwilden Kreativität.

Gruber geht voran und fischt plötzlich einen Regenschirm aus dem Regal, einen umgedrehten Regenschirm, der sich falsch rum aufspannt. Damit sich das Wasser nicht im Schirm sammelt, hat Gruber Abtropflöcher ausgeschnitten. Man könnte jetzt sagen: so ein Schmarrn. Ein umgedrehter Schirm – ist ja wohl das Letzte, was diese Welt braucht. Aber wer so denkt, der hat die ganze Erfinderei nicht verstanden. Gruber sagt: „Erfinden läuft chaotisch.“ Da kommt am Ende schon mal eine Verrücktheit raus, das ist ja das Spannende. Und: „Mit diesem Schirm sticht man keinem mehr ins Auge.“ Außerdem werde man weniger nass als vorher und könne bei Gegenwind besser laufen. Glasklare Vorteile. Findet zumindest Gruber.

Nun ja, bisher hat sein umgedrehter Schirm die Kaufhäuser nicht erobert. Kann ja noch kommen. Aber so richtig wahrscheinlich ist es nicht. „Das meiste ist für die Katz“, sagt er. „Eine von 50 Ideen wird vielleicht verwirklicht.“ Sprich: Es findet sich eine Firma, die ihm seine Idee abkauft – mit der Absicht, daraus ein marktreifes Produkt zu machen. So eine patentierte Idee ist auch immer eine Wette auf die Zukunft. Man weiß nie, wann ihre Zeit kommt. Vielleicht morgen, vielleicht nie. Erfinderroulette.

Pro Jahr zahlt Gruber 30 000 Euro, nur um seine Patente aufrechtzuerhalten. Nach 20 Jahren läuft ein Patent aus. So lange hat er Zeit, aus Geistesblitzen Geld zu machen. „Danach habe ich Entwicklungshilfe für die ganze Welt geleistet“, sagt er. Dann darf jeder die wundersamen Erfindungen aus dem Olchinger Bastelkeller verwenden. Das sind die Spielregeln.

Gruber hat inzwischen eine seiner Lieblings-Erfindungen in der Hand, die hat er kürzlich auf der Nürnberger Erfindermesse vorgestellt: den Saughandschuh für Hunde, für Katzen, für alles, was haart. Der Saughandschuh wird an den Staubsauger angeschlossen – und schon kann die Tier-Generalreinigung beginnen. Gruber sagt: „Der Hund denkt, er wird gestreichelt – in Wirklichkeit wird er gesäubert.“ Genial.

Grubers Leben ist ein ewiges Problem-Sehen, Problem-Beackern und dann hoffentlich Problem-Lösen. Klar, vieles, was er in seinem Keller erschafft, gehört ins Absurditäten-Kabinett. Soll es ja auch. Wichtig ist nur eins: keine Denkverbote. „Die meisten Erfindungen kommen von Laien“, sagt er. Laien wie ihm. Denn: „Ein Fachmann hat auf seinem Gebiet die wenigsten guten Ideen.“ Weil er sie nicht haben muss. Ein Maurer muss die Wand hochziehen, auch wenn’s mal kompliziert ist. Und: Er muss fertig werden. Auf der Baustelle wird improvisiert, nicht getüftelt. Der Erfinder hingegen hebt, wenn es sein muss, die Welt aus den Angeln.

„Man muss spinnen – und dann auf was Normales kommen“, sagt Gruber und hat bereits die nächste Erfindung in der Hand. Seine sagenhafte Wunder-Pyramide, bestehend aus tausenden winzigen Stahlkügelchen. Grundlage ist eine Rasterplatte mit kleinen Vertiefungen. Schüttet man die Stahlkugeln über die Platte, dann ordnen sie sich rasterförmig bis zur Spitze an. Bis die Pyramide – ganz ohne Kleber oder Magnet – steht. Gruber lächelt, als er sein Zauberstück vorführt. Es klappt auch diesmal, natürlich. Bis zu 15 000 Kugeln hat er so schon gestapelt.

Erfinder-Hexhex, manchmal gibt’s nichts Magischeres auf diesem Planeten.

Stefan Sessler

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