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Mutig: Wenige Tage nach einem Workshop in der Schule zum Thema Dichten entschied sich Christina Nietschke (15) ganz spontan dazu, selbst am Poetry-Slam im Gröbenzeller Bürgerhaus mitzumachen.

Im Bürgerhaus Gröbenzell

So war der Wettstreit der jungen Dichter

Gröbenzell - Heimweh, Glück und die erste Prügelei – beim Poetry Slam für Jugendliche im Gröbenzeller Bürgerhaus standen sowohl witzige als auch ernste Themen im Zentrum. Eben alles, was junge Menschen so beschäftigt. Mit dem Dichterwettstreit wurde eine unterbrochene Tradition fortgesetzt.

Im großen, hellen Bürgersaal wird es still, als Ko Bylanzky und Carmen Wegge die Bühne betreten. Hinter den beiden Moderatoren leuchtet pink, grün und weiß das Logo des Poetry Slams für Jugendliche. Vor drei Jahren hat Carmen Wegge das letzte mal den Poesie-Wettbewerb in der „Hexe“ moderiert, doch weil kaum mehr Besucher kamen, wurde die Veranstaltung eingestellt.

Doch wie Agnès Leroux von der Gemeinde Gröbenzell betont, seien die unkonventionellen Dichterwettbewerbe durchaus beliebt. Hobbykünstler, Schüler, Schriftsteller tragen dabei selbstgeschriebene kurze Texte vor und werden vom Publikum bewertet: Wer den lautesten Applaus bekommt, zieht ins Finale ein, wer dort am meisten beklatscht wird, gewinnt. Eine solche Veranstaltung wollte die Gemeinde den Jugendlichen wieder anbieten.

Das Publikum, das dieses Mal neugierig auf die jungen Hobbydichter ist, kennt die alten Slams aus der Hexe meist gar nicht mehr. Auch die Teilnehmer sind nicht älter als 20 und oft noch Anfänger im Slammen. Einige Schüler sind gekommen, weil sie bei einem Slam-Kurs im Gröbenzeller Gymnasium mitgemacht haben, andere kommen aus dem Viscardi-Gymnasium, wo es einen Wahlkurs zum Dichterwettstreit gibt.

Die Teilnehmer sind aus der Mittel- oder Oberstufe, kennen die Slams oft nur aus dem Fernsehen, wollen mit ihren Texten aber zeigen, was sie können. Eine von ihnen ist Christina Nietschke. Die 15-Jährige hatte nach dem Schul-Workshop spontan entschieden, auch am Slam teilzunehmen. Beim Kurs konnte sie viel Neues ausprobieren, mit Carmen Wegge und Ko Bylanzky schrieben die Schüler Texte und übten, wie man sie richtig präsentiert. Mit dem richtigen Handwerkszeug traut sich die Gröbenzellerin nun auf die Bühne.

Als sie ihren Text über drei verschiedenen Arten von Einkäufern – eine äußerst langsame alte Dame, ein verwöhntes Kind und eine reiche Gattin mit zu vielen Kreditkarten – berichtet, bleibt ihre Stimme ruhig, aber die richtigen Stellen betont sie. Das Publikum lacht und am Ende gibt es Applaus für Christinas Erstling. Für den Einzug ins Finale reicht es aber nicht.

Großen Applaus erntet Philipp Gewalt aus Vierkirchen im Kreis Dachau, als er die „Probleme dreier Lebensalter“ beschreibt: Beim Kauf einer Ananas wird die kleine Anna nass, obwohl Rainer die Anrainer warnen, fährt er mit dem Floß den Rhein hinab, und Klaus kann sich nach einem Unfall keine neuen Leisten leisten und muss deshalb Geld stehlen, und zwar auf den Befehl eines Freundes hin: „Klau’s, Klaus!“ Mit seinem einfühlsamen Text über Leika, den ersten Hund im All, setzt er sich schließlich im Finale durch.

 Von Maria-Mercedes Hering

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