Aus dem Gerichtssaal

Busfahrer kitzelt Siebenjährige:Geldstrafe und Bewährung

„Er ist mein Freund.“ Das sagte ein damals siebenjähriges Mädchen vor einem Jahr über den Mann, der sie jeden Nachmittag mit dem Bus nach der Schule von München nach Hause transportierte. Nun wurde der Mann, ein 58-jähriger Augsburger, am Brucker Amtsgericht wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes und vorsätzlicher Körperverletzung zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Zudem muss der Mann 2500 Euro bezahlen.

Östlicher Landkreis – Die Siebenjährige saß auf eigenen Wunsch immer vorne im Bus neben dem Fahrer, weil sie unter einer Reizblase litt und auch während der Fahrten immer wieder auf die Toilette musste. Die beiden hatten nach Aussage des Busfahrers, aber auch des Mädchens, viel Spaß miteinander. Sie kitzelte ihn am Oberschenkel, er kitzelte sie an ihrem Oberschenkel. Dass er dabei eines Tages, im Februar vergangenen Jahres, dem Mädchen an die Scheide gefasst habe, bestritt der Mann aber vehement.

An dem Februarabend im vergangenen Jahr hatte das kleine Mädchen über Schmerzen im Genitalbereich geklagt, hatte Vater und Großmutter eine gerötete Scheide offenbart und hatte berichtet, dass der Busfahrer ihr „in den Schritt gefasst“ habe, wie sie es später bei der Polizei formulierte.

Dass die Rötung von seinem Mandanten verursacht wurde, aber wies der Rechtsanwalt des 58-Jährigen weit zurück. Er konnte sich auch nicht vorstellen, dass eine Siebenjährige den Begriff „in den Schritt fassen“ verwendet. „Die Rötung muss andere Ursachen haben.“

Der Anwalt wollte aber nicht ausschließen, dass beim gegenseitigen Kitzeln am Oberschenkel und beim gleichzeitigen Achten auf den Verkehr die Hand des 58-Jährigen zu weit nach oben gerutscht war. Doch nichts lasse dabei auf eine sexuelle Motivation schließen. Er beantragte daher den Freispruch seines Mandanten.

Sexuell motiviert war nach Auffassung der Richterin aber bereits das Kitzeln des Oberschenkels der Siebenjährigen. Sie machte dem 58-Jährigen klar: „Das hat ein Busfahrer nicht zu machen.“ Sie hatte wie auch der Staatsanwalt keinerlei Zweifel an der Schuld des Angeklagten, zumal das Mädchen ja gesagt hatte, den Mann zu mögen. Seinen Arbeitsplatz hatte der 58-Jährige aufgrund des Vorfalls nicht verloren. Bis heute ist er bei der Firma tätig.  (sus)

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