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Fußball aus vergangenen Zeiten: Anstoß bei einem Freundschaftsspiel gegen eine Elf der Polizeiinspektion mit (v.l.) dem damaligen Polizeidirektor Ralph Böhm, den Teamkapitänen Ayhan Tasdreli und Gerhard Fehr, dem mittlerweile verstorbenen Schöngeisinger Schiedsrichter Bernd Schädrich und BVTA-Gründungsmitglied Mehmet-Akif Nemutlu.

Bald Neuwahlen bei BVTA

Wie der türkische Verein zum Fußball kam

Fürstenfeldbruck - Vor 40 Jahren hat sich der Beistandsverein türkischer Arbeitnehmer (BVTA) in Bruck gegründet. Dass sich die Gruppe aber nicht von Anfang an mit Fußball beschäftigte, wissen die wenigsten. Jetzt soll sich wieder einiges ändern.

Viele Brucker bringen den BVTA hauptsächlich mit Fußball in Verbindung. Sicherlich hat sich die Gruppe dadurch einen Namen gemacht. Denn die Mannschaften jagen derzeit in der Kreis- und der A-Klasse dem runden Leder hinterher. Doch das Ziel des 1975 gegründeten Vereins war zunächst ein ganz anderes. Mehmet-Akif Nemutlu war 31 Jahre lang Präsident des BVTA. Er erinnert sich. „Gegründet wurde der Verein, um der ’ersten Generation’ vor allem Hilfestellung im Umgang mit den deutschen Behörden und in arbeitsrechtlichen Angelegenheiten zu geben.“

Als erste Generation bezeichnet Nemutlu Familien, die 1963 aus der Türkei nach Bruck kamen. Erst zwei Jahre nach der Gründung initiierte der fußballbegeisterte Türke neben einer Musik-, Folklore- und einer Frauengruppe auch eine Fußballfreizeitgruppe, die er 1984 beim Bayerischen Fußballverband zum Spielbetrieb anmeldete.

Einiges hat sich verändert

Die ursprünglichen Ziele von damals stehen heute nicht mehr im Mittelpunkt, sagt Duran Mizrak. Er ist seit fünf Jahren Vorsitzender des BVTA und war angetreten, weil sich Nemutlu nicht zur Wiederwahl gestellt hatte. Inzwischen sei die nächste Generation herangewachsen, die sich längst integriert habe und diese Art von Unterstützung nicht mehr brauche. Das Augenmerk des damals 48-Jährigen galt bei der Wahl im März 2010 vor allem den Kindern und Jugendlichen der im Landkreis zerstreut lebenden etwa 2500 passiven Mitglieder.

Immer noch keine sportliche Bleibe

Sie sollten in das Vereinsleben integriert werden. Mizrak wollte die Mitglieder, die keinen Beitrag zahlten, mit ins Boot holen – auch aus finanziellen Gründen. Dieser Wunsch ging allerdings nicht in Erfüllung. Mizrak sieht die Gründe dafür in der nach wie vor unbefriedigenden Situation, was die Trainingsmöglichkeiten angeht. „Sie wissen ja nicht, wo sie hingehen können.“ Man sei zwar im Sportzentrum an der Klosterstraße geduldet und dürfe die Spiele dort austragen. Aber letztlich habe der Verein nach wie vor keine eigenen Räume. „So gesehen haben wir auch nach 40 Jahren unseres Bestehens immer noch keine eigene sportliche Bleibe.“

Anders sieht es bei den weiteren Betätigungsfeldern des Vereins aus. Die Frauen und die Folkloregruppe treffen sich nach wie vor regelmäßig im Mehrgenerationenhaus und im Forum 31 an der Heimstättenstraße. Einmal in der Woche findet der vom Elternbeirat organisierte zweistündige türkische Unterricht in der Schule West statt.

Bald neuer Vorsitzender

Trotz dieser Erfolge legt Mizrak nun aber sein Amt nieder. Der beruflich als Kraftfahrer bei einem Entsorgungsunternehmen Angestellte hat im Juli am Brucker Bahnhof zusätzlich ein Lokal eröffnet. Für den BVTA bleibe da einfach keine Zeit mehr übrig, sagt er. Auf die fünf Jahre seiner Tätigkeit als Vorsitzender blickt Mizrak aber durchaus zufrieden zurück. Skandale der Fußballer gehören nicht zuletzt aufgrund seiner Besonnenheit und seines Einflusses der Vergangenheit an. „Ich möchte die Zeit nicht missen, denn ich habe viele neue Freunde gewonnen“, sagt er.

Am Sonntag wird er bei der Jahresversammlung des BVTA ein letztes Mal als Vorsitzender auftreten. Sein Nachfolger wird wie es aussieht Sercan Özmen. Der Inhaber einer Maler- und Lackiererfirma in Puchheim brachte sich selbst ins Gespräch. Er erklärte sich nach einigen Gesprächen mit Mizrak bereit, für das Amt des Vorsitzenden zu kandidieren. Özmen, der in Geiselbullach wohnt, hatte den Fußballern im Sommer bereits neue Trainingsanzüge gesponsert. Vielleicht wird er sie ab Sonntag auch in die Zukunft führen. (Dieter Metzler)

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