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Nicht nur für viele Männer ein Buch mit sieben Siegeln: Das Laufen auf hohen Schuhen ist für viele Damen eine Herausforderung. Trainerin Edeltraud Breitenberger erklärt, dass die High Heels etwas beweglich sein sollten, damit sie auch nach längerem Laufen noch bequem sind

Selbstversuch Catwalk-Training

Schritt für Schritt zum eleganten Gang

Fürstenfleldbruck - Füße, Hüfte, Rücken, Kopf – wer sich auf hohen Schuhen feminin bewegen möchte, muss seinen Körper gut unter Kontrolle haben. Wie das schmerz- und unfallfrei funktioniert, will Edeltraud Breitenberger mit ihren High-Heel-Kursen vermitteln.

Ordentlich aufgereiht warten sechs Paar High Heels auf interessierte Trägerinnen. Auf der Bühne der Hochzeitsmesse „Glücksmomente“ im Veranstaltungsforum haben sich sechs Damen zusammengefunden, für die das Gehen auf hohen Absätzen mehr oder weniger ungewohnt ist. Einige treten etwas ungelenk auf der Stelle, während andere sich um Pfennig- und Keilabsatz gar nicht scheren.

„Wir stehen fünf vor eins“, rät Edeltraud Breitenberger (58) zuallererst. Wer den Winkel der Uhrzeiger mit den Füßen nachahmt, steht sicher und ruhig auf zehn Zentimeter hohen Absätzen. Folgsam bringen die Kursteilnehmerinnen ihre Füße in die richtige Position. Das ist zwar erst einmal ungewohnt, fühlt sich aber tatsächlich weniger wackelig an, als wenn die Schuhe parallel zueinander stehen. „Außerdem sieht es weiblicher aus, je näher die Knöchel einander sind“, verrät Edeltraud Breitenberger.

Seit 2009 gibt die hauptberufliche Chefstewardess die High-Heel-Workshops. Sie war schon immer fasziniert davon, wie unterschiedlich sich Menschen beim Gehen bewegen. Schon lange schwört sie auf die Trager-Methode, eine Körper- und Bewegungsarbeit, mit der der Bezug zum Körper hergestellt werden soll.

Tagblatt-Mitarbeiterin Maria-Mercedes Hering lernte auf geliehen Absätzen Schritt für Schritt, wie sich eine Dame auf High Heels sicher und gelenkig bewegt.

Initialzündung für ihre Lauftrainings war allerdings ihr Erlebnis bei einer Hochzeit: Als die wunderschöne Braut sich in Bewegung setzte und sich nur mit Mühe auf den hohen Schuhen halten konnte, war für Edeltraud Breitenberger das Bild zerstört. „Ich wusste, dass ich anderen ein besseres Gefühl für ihre Bewegungen vermitteln will“, sagt die Münchnerin, die Abiturientinnen, Geschäftsfrauen, Müttern und auch älteren Damen Stunden gibt.

Seither vermittelt sie unter dem Motto „b-edel – gehen auf hohem Niveau“, was andere beim Laufen besser machen können – egal ob in Turnschuhen oder auf hohen Hacken. Mit ihrer selbst entwickelten „Typologie des Gehens“ will Breitenberger ganz normalen Frauen zeigen, wie sie mit ihrem Körper gut umgehen und dabei weiblich wirken. „Denn ich liebe meine Weiblichkeit und will dieses Bewusstsein weitergeben“, meint Breitenberger .

Sehr wichtig für einen femininen Gang sind die Hüften, an deren Schwung die Kursteilnehmerinnen nun arbeiten sollen. Im Stehen kreisen sie das Becken, einige stemmen selbstsicher die Hände in die Seiten. Bei einer ersten Runde auf dem Laufsteg sieht das aber noch sehr unsicher aus. „Ich bin eher der Turnschuhtyp“, sagt Sabine Gögelein lächelnd. Die 33-Jährige trägt normal nur flaches Schuhwerk und muss sich erst an das Gefühl der höhergelegten Fersen gewöhnen.

Edeltraud Breitenberger hat Geduld mit ihren Schülerinnen und gibt den nächsten Tipp: „Die Brust betritt zuerst den Raum.“ Das bedeutet, dass der alte Grundsatz „Bauch rein, Brust raus“ gar nicht so falsch ist. Denn nur wer die Brust vorstreckt, bringt seinen Rücken in die ideale Position für das Gehen auf Absätzen.

Als dann auch noch an der Kopfhaltung gearbeitet wird, sind einige Teilnehmerinnen erst einmal überfordert – Füße, Knie, Hüften, Rücken, Brust und Kopf sollen alle so bewegt werden, wie Edeltraud Breitenberger es schrittweise vormacht. Einen Fuß vor den anderen zu setzen, kann da schon schwierig werden. Breitenberger nimmt sich Zeit für jede Dame, rückt den Kopf gerade, legt die Hände auf die Schultern ihrer Schützlinge und macht die richtige Bewegung vor, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden ist.

„Mir war gar nicht bewusst, dass es bei der Körpersprache und -haltung so viel zu beachten gibt“, sagt Jasmin Röming, als sie schließlich aus ihren golden glitzernden High Heels schlüpft. Die 28-Jährige hat bereits auf der Modenschau der Glücksmomente-Messe gearbeitet und kannte deswegen auch vor dem Kurs schon viele Tipps. Wenn sie aber selbst heiratet, möchte sie ein pompöses Kleid – dass sie dann noch einmal üben muss, kann sie sich gut vorstellen. Auch Sabine Gögelein ist froh, wieder in ihre flachen Stiefel zu schlüpfen. „Mir ist durch den Kurs wieder bewusst geworden, was man auf hohen Schuhen alles beachten muss“, meint die 33-Jährige. Besonders den Tipp mit der Fußhaltung wird sie sich merken.

Maria-Mercedes Hering

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