Hier ist sein neuer Arbeitsplatz: Ingbert Hoffmann ist der neue Leiter der Brucker Polizeihochschule. Früher hat er hochkarätige Gauner gejagt. foto: peter weber

In Fürstenfeldbruck

Chefermittler leitet jetzt Polizeischule

Fürstenfeldbruck - Zum ersten Mal steht an der Spitze der Polizeihochschule ein Polizist. Ingbert Hoffmann hat vor kurzem die Nachfolge von Hermann Vogelgsang angetreten, der in Pension ging. Hoffmann hat Jura studiert – wie alle seine Vorgänger auch. Doch dann zog es ihn in die praktische Polizeiarbeit.

Er jagte organisierte Gangster, Geldfälscher und Waffenschieber, ermittelte gegen Verantwortliche der Bayern LB und der Hypo Real Estate. Nun will er als Leiter der Brucker Polizeihochschule die Ausbildung noch stärker als bisher an der Praxis ausrichten.

Sein erster Tag im neuen Dienst begann kurios. Hoffmann – randlose Brille, Lachfältchen, durchtrainierte Statur und bei der Arbeit stets in Uniform – stieg am Münchner Ostbahnhof in die S4 und schnappte zufällig auf, wie sich drei Mitreisende über die Polizeihochschule unterhielten. Sie waren offensichtlich Studierende. Am Stachus sprach Hoffmann das Grüppchen an und gab sich zu erkennen. Eine Situation mit hohem Peinlichkeits-Potenzial, doch der 52-Jährige versichert, dass er kein böses Wort mitgehört hat. „Ich habe den Dreien gesagt, sie können mich gleich mal an die Hand nehmen, weil heute mein erster Arbeitstag als ihr neuer Fachbereichsleiter ist“, erzählt er augenzwinkernd.

In der Schule angekommen, bat Hoffmann die rund 60 Mitarbeiter zum zwanglosen Kennenlernen in die Aula – von den Dozenten bis zum Küchen- und Reinigungspersonal. „Es war ein richtig schöner Start.“ 100 Tage will der neue Leiter sich nun Zeit geben, den Betrieb kennenzulernen. Danach wird er damit beginnen, sein wichtigstes Anliegen zu verwirklichen: das Schließen der Lücke zwischen Theorie und Praxis.

„Mein Hauptbestreben ist es, die aktuelle Polizeiarbeit noch besser in den Fächern abzubilden und Anregungen aus der Praxis gemeinsam mit den Dozenten in den Lehrplan einzuarbeiten.“ Davon profitieren mehr als 800 Studierende, die an der Polizeihochschule auf den mittleren und oberen Führungsdienst vorbereitet werden.

Hoffmann ist Idealist. „Ich wollte immer Polizist werden“, sagt der Eisenbahnersohn aus Greding in Mittelfranken. Der Beruf fasziniert ihn, weil er mit Gerechtigkeit und Sicherheit zu tun hat und weil er das Ziel verfolgt, für eine bessere Welt zu sorgen. Der Gerechtigkeitssinn war es auch, der Hoffmann zunächst ins Jurastudium zog. Erste berufliche Station war das bayerische Innenministerium. Danach wechselte er in verschiedene Führungspositionen im Polizeipräsidium von München und Oberbayern und im Jahr 2000 in den Polizeivollzugsdienst. Als hochrangiger Ermittler leitete er unter anderem Verfahren gegen internationale Einbrecherbanden, gegen Kunstfälscher und Geldwäscher.

Nun sitzt der dreifache Familienvater in seinem noch kahlen Büro im ehemaligen Kloster Fürstenfeld. Ein Schrank, ein Schreibtisch und ein Besprechungstisch sind die einzigen Möbelstücke. Dafür, ein paar Bilder an die Wände zu hängen und den ein oder anderen persönlichen Gegenstand aufzustellen, war noch keine Zeit. Denn neben Bruck muss sich Hoffmann auch um den zweiten Standort der Fachhochschule in Sulzbach-Rosenberg kümmern.

Seine Freizeit verbringt der begeisterte Sportler am liebsten auf dem Fahrrad, auf dem Fußballfeld oder dem Volleyballplatz, beim Badminton oder auf Langlaufskiern. Besonderen Spaß bereitet ihm der Sport gemeinsam mit seinen Kindern, einer 19-jährigen Tochter und einem 17-jährigen Zwillingspärchen.

Für seinen Arbeitsweg nutzt er neben dem Fahrrad momentan noch die S-Bahn. Doch wenn das Wetter besser wird, will er den Heimweg am liebsten komplett im Sattel zurücklegen – die ganze Strecke von Bruck in den Münchner Osten. (os)

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