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Hohes Niveau: Die Brucker Chorgemeinschaft besteht zwar ausschließlich aus Laien-Sängern, legt aber unter der Leitung ihres Dirigenten großartige Auftritte hin

Chorgemeinschaft

Dirigent hat Hörsturz: Konzerte abgesagt

Fürstenfeldbruck - Supergau bei der Brucker Chorgemeinschaft: Dirigent Klaus Linkel, 68, erlitt einen Hörsturz – und zwar auf beiden Ohren. In einer Krisensitzung entschied die Vorstandschaft nun, die Neujahrskonzerte in der Stadthalle und in Freising abzusagen – Über 1500 Karten waren bereits verkauft.

„Es ist eine Katastrophe, eine einzige Katastrophe.“ Vorsitzende Helga Lindner ist verzweifelt. Nur langsam realisiert sie, was da eigentlich gerade passiert: Bereits zum 21. Mal hätte die Brucker Chorgemeinschaft ein Neujahrskonzert auf die Bühne gebracht. „Wir machen das seit 1995. Und zwar lückenlos“, sagt Lindner. Für die Sänger sei dieser Auftritt der bedeutendste und schönste im ganzen Jahr. Und auch die Vorfreude des Publikums ist immer riesengroß.

„Vor 15 Jahren etwa haben wir ein zweites Konzert am 2. Januar eingeführt. Wir haben die vielen Zuhörer nicht mehr an einem Abend untergebracht“, sagt Lindner. Auch heuer waren bereits viele Karten verkauft. „Das Konzert am 2. Januar war fast voll, der Auftritt an Neujahr ebenso begehrt.“ Jetzt müssen die Vorsitzenden den Verkauf stoppen und sämtliche Karten zurücknehmen. Auch die für das zusätzliche Benefizkonzert in Freising. Ein Riesenberg Arbeit liegt vor der Chorgemeinschaft. Doch Lindners größte Sorge gilt Dirigent Klaus Linkel.

Klaus Linkel ist seit 33 Jahren Dirigent der Chorgemeinschaft Fürstenfeldbruck – nun ist er schwer krank.

„Wir hatten gehofft, er erholt sich schnell wieder“, sagt Lindner. Bereits vor einigen Tagen habe Linkel den Hörsturz erlitten. Diese Erkrankung tritt plötzlich und ohne erkennbare Ursache auf. Es gibt schlimme und weniger schlimme Fälle. Linkel habe es heftig erwischt, befürchtet Lindner. Bei dem Berufsmusiker seien beide Ohren betroffen – das ist ungewöhnlich. Und: „Momentan hört er überhaupt nichts“, sagt die Vorsitzende. Oft kommt die Hörfähigkeit nach Einsatz von Medikamenten zumindest bis zu einem gewissen Grad schnell zurück. Nicht so bei Linkel. Er liegt noch immer im Krankenhaus.

Keiner will den Dirigenten vertreten

Laut Probenplan hätte Linkel in dieser Woche regelmäßig mit den externen Profi-Solisten für das Konzert geübt. „Am Montag wäre er dann nach Tschechien gereist“, sagt Lindner. Dort sitzt das Westböhmische Sinfonieorchester Marienbad, das die Chorgemeinschaft seit Jahren bei ihren Auftritten musikalisch begleitet. Mehrere Tage hätte Linkel noch vor Weihnachten mit den Instrumentalisten dort geübt, bevor er wieder daheim letzte Proben mit den Chorsängern durchgeführt hätte. Erst am Neujahrsnachmittag, also wenige Stunden vor dem Konzert, spielen und singen alle Beteiligten jedes Jahr erstmals zusammen, erzählt Lindner.

Das sei der Grund, warum sich kein Ersatzdirigent gefunden hat, obwohl sich die Vorstandschaft um einen bemüht hat. „Diesen straffen Zeitplan, diese Arbeit und dieses Risiko tut sich niemand an“, erklärt Lindner. Außer Klaus Linkel. „Er ist einfach einmalig.“ Seit 33 Jahren leitet der geborene Oberpfälzer den gemischten Chor in Bruck. Zuvor hatte er das Studium zum Kapellmeister am Richard-Strauß-Konservatorium in München absolviert. Er lebt in der Nähe von Freising und ist verheiratet.

Dirigent hat Neujahrskonzerte aufgebaut

Das Neujahrskonzert der Chorgemeinschaft hat Linkel selbst eingeführt. „Das ist sein Baby“, sagt Lindner. Für dieses Jahr hatten die Sänger und Instrumentalisten wieder zwei völlig unterschiedliche Konzertteile vorbereitet. „Der erste Teil wäre ganz im Zeichen des Broadway gestanden“, erzählt Lindner. „Wir hätten Stücke aus den Musicals West-Side-Story, My Fair Lady und Titanic gesungen.“ Im zweiten Teil wäre die Operette „Der Graf von Luxemburg“ von Franz Lehár auf die Bühne gekommen.

Über ein halbes Jahr hat die Chorgemeinschaft diese Werke bereits einstudiert. Nun scheint alles umsonst. „Aber wir halten zusammen. Das können wir. Wir sind eine richtige Chorfamilie.“ Und die hofft nun, dass ihr Dirigent Klaus Linkel so schnell wie möglich wieder gesund wird. (Carolin Nuscheler)

Karten zurückgeben: 

Bereits gekaufte Karten für die Neujahrskonzert in der Stadthalle am 1. und 2. Januar können an den jeweiligen Vorverkaufsstellen, an denen sie erworben wurden, wieder zurück gegeben werden. 

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