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Dr. Christoph Maier und Norbert Seidl in Grüner‘s kleinem Einkaufsmarkt in Puchheim-Ort: Bürgergespräch.

SPD Fürstenfeldbruck

Dr. Christoph Maier: Bezahlbares Wohnen ist machbar

Bauanwalt und Landratskandidat Dr. Christoph Maier im Gespräch mit Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl über kommunalen Wohnungsbau für die Mitte der Gesellschaft.

Bürgermeister Norbert Seidl: "Alle reden von bezahlbarem Wohnen. Was meint denn eigentlich bezahlbar?"

Dr. Christoph Maier: "Bezahlbar bedeutet, nicht mehr als ein Viertel des Haushaltseinkommens für die Miete ausgeben zu müssen. Viele im Landkreis müssen heute bereits 50 % und mehr für die Miete aufwenden. In Sachen Wohnungsmiete ist der Landkreis der drittteuerste in ganz Deutschland. Die Mieterinnen brauchen endlich wieder Luft zum Atmen."

Seidl: "Wir müssen dringend für die Mitte der Gesellschaft etwas tun. Ich erlebe es beinahe täglich, dass verdiente Ehrenamtler, aber auch Menschen, die in sozialen Berufen arbeiten, bei mir sitzen und nach einer Wohnung fragen, weil der Markt nichts hergibt. Insbesondere nichts, was sie sich leisten könnten. Ganz zu schweigen von unseren Erzieherinnen und Verwaltungsangestellten. Da geht ohne kommunale Wohnung gar nichts mehr. Und wir brauchen diese Menschen vor Ort."

Dr. Maier: "Es gibt gute Beispiele, wie man das hinkriegen kann. Wien könnte unser Leitbild sein. Das könnte unser Leitbild sein. Dort leben rund 60 % der Stadtbevölkerung im geförderten und kommunalen Wohnungsbau. Das breite öffentliche Angebot hat eine massiv preisdämpfende Wirkung für den Gesamtmarkt. Die Durchschnittsnettomiete lag 2018 in Wien bei 8 €/m², im Landkreis bei ca. 15 €/m², in München sogar bei 17 €/m²."

Der hohe Anteil kommunaler und geförderter Wohnungen sorgt in Wien nachweislich für niedrige Mieten.

Seidl: "Wien baut aber auch seit 100 Jahren kommunal und hat nie Bestand verkauft. Wie können wir aufholen?"

3.000 neue kommunale Wohnungen in den nächsten 6 Jahren für 10 € pro Quadratmeter

Dr. Maier: "Wir wollen in einer gemeinsamen Anstrengung von Landkreis und Kommunen 3.000 neue kommunale Wohnungen in den nächsten 6 Jahren bauen, mit einer Miete von 10 € pro Quadratmeter (ohne Nebenkosten). Bezahlbarer Wohnraum für 9.000 Menschen. Für alle, die im regulären Markt keine Chance mehr haben. Gerade auch für Ältere, Alleinerziehende und junge Familien."

Seidl: "Und die Belegung läuft dann mit Wohnberechtigungsschein übers Amt?"

Dr. Maier: "Nein, die Kommunen können selbst entscheiden, wer in die Wohnungen einzieht. So kann sichergestellt werden, dass der stellvertretende Feuerwehrkommandant oder die Helferin bei der Tafel eine bezahlbare Wohnung im Ort bekommt. Wir müssen schauen, dass gerade die Menschen, die unser gesellschaftliches Zusammenleben in Haupt- oder Ehrenamt organisieren, weiter hier wohnen können."

Seidl: "3.000 Wohnungen zu finanzieren, ist eine Menge Geld!"

Dr. Maier: "Das Finanzierungsmodell steht über das kommunale Wohnungsbauförderprogramm des Freistaates (KommWFP). 30 % Förderung, 60 % sehr günstig finanziert über Darlehen der BayernLabo. 10 % Eigenanteil, die über ein Baugrundstück eingebracht werden können. Die Gelder liegen bereit."

Seidl: "Der Flaschenhals sind aber doch die Grundstücke?"

Dr. Maier: "Also zuallererst mal: Öffentliche Grundstücke werden nicht mehr verkauft. Die verfügbaren Flächen des Bundes und des Freistaates müssen vorrangig und günstig an die Kommunen abgegeben werden.

Wir können Bestandsgrundstücke um- und mehrnutzen (z.B. Bauhöfe oder Parkplätze). Konversionsflächen wie der Fliegerhorst bieten Chancen. Und natürlich müssen wir konsequent die sozial gerechte Bodennutzung (SoBoN) vorantreiben. In vertraglicher Kooperation mit den Grundstückseigentümern kommt so die - durch die kommunale Planung bei der Ausweisung neuer Baugebiete bewirkte - Bodenwertsteigerung auch dem Gemeinwohl zu. Für Planungskosten, öffentliche Infrastruktur und eben kommunalen Wohnungsbau."

Seidl: "In Puchheim haben wir zu diesem Zweck bereits vor Jahren die Städtische Wohnraumentwicklungsgesellschaft Puchheim gegründet. Wir haben in Puchheim-Ort bereits ein erstes Projekt verwirklicht. Weitere werden in den nächsten Jahren folgen. So sollen z.B. an der Alpenstraße 100 kommunale Wohnungen entstehen. Durch eine geschickte Kombination mit genossenschaftlichen Wohnangeboten können wir für eine gute soziale Durchmischung auf städtischen Grundstücken sorgen."

Dr. Maier: "Das klingt super. Ihr macht halt was. Anders als der Landkreis. 10 Jahre mussten wir gegen den Widerstand des Landrates ankämpfen, ehe die Wohnungsbaugesellschaft durchgesetzt war. Und jetzt dümpelt das Ganze konzeptlos vor sich hin. Ich habe eine genaue Idee für diese Gesellschaft, nämlich als Dienstleister für die Kommunen, bei Entwicklung, Bau und Verwaltung der Wohnprojekte."

Seidl: "Der politische Wille dieses Projekt anzupacken, ist entscheidend. Ich hoffe, Du sorgst dann auch für effektivere und schnellere Genehmigungsverfahren. Auf jeden Fall brauchen wir einen kräftigen Schub in diese Richtung und da bist du genau der Richtige. Also: Landrat Dr. Maier – hört sich gut an!"

Dr. Maier: "Lieber Norbert, vielen Dank für das Gespräch. Wir bauen Wohnheimat, gemeinsam für die Mitte der Gesellschaft. Packen wir's an."

Dr. Christoph Maier: Impressionen

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