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Der Halt Eschenauer Straße wird nun zur Hauptwache verlegt. Anwohner hatten über Belästigungen geklagt

Anwohner der Aslyunterkunft auf Fursty äußern Ängste

Damit das Zusammenleben besser klappt

Fürstenfeldbruck - Die Anwohner rund um die Asyl-Erstaufnahmeeinrichtung am Fliegerhorst schlagen Alarm. Sie beklagen, dass die Flüchtlinge trinken, Müll hinterlassen, Frauen und Kinder belästigen. Um die Lage zu entschärfen, wird jetzt eine Bushaltestelle verlegt. Schilder mit Piktogrammen sollen Asylbewerber von Privatgrund fernhalten.

Seit Oktober sind 600 Asylbewerber in der Dependance des Münchner Erstaufnahmelagers auf Fursty untergebracht. Die Anwohner im Gebiet rund um die Eschenauer-, Kögel- und Günther-von-Maltzahn-Straße haben inzwischen die Nase voll. Bei einer Anliegerversammlung, zu der Landrat Thomas Karmasin geladen hatte, machten sie ihrem Ärger Luft – in einem Ausmaß, das Florian Schlämmer, bei der Regierung von Oberbayern zuständig für die Asyl-Erstaufnahmen, nach eigener Aussage noch nicht gehört hat. Angst um die Sicherheit.

Angst um die Sicherheit

Viele fühlen sich durch die Präsenz der Flüchtlinge aus Afrika und dem Osten bedroht. Sie sprechen von einer Völkerwanderung zu den Supermärkten in der Maisacher Straße. Flüchtlinge würden Frauen und Kinder ansprechen und belästigen. „Mir sind zwei Männer hinterhergelaufen, ich traue mich abends nicht mehr aus dem Haus“, sagt eine Frau unter Tränen. Andere Anwohnerinnen berichten, sie würden nicht mehr in den umliegenden Geschäften einkaufen und ihre Kinder zum Bus begleiten. Ein Mann erzählt von einer Schlägerei vor seinem Haus. „Die Polizei hat 25 Minuten gebraucht, bis sie da war.“

Walter Müller, Leiter der Brucker Inspektion, zeigt Verständnis. Durch die Polizeipräsenz leide das subjektive Sicherheitsempfinden. Aber: „90 Prozent der Taten finden in der Unterkunft statt.“ Körperverletzungen, Alkoholdelikte, Familienfehden und Konflikte zwischen den Nationalitäten. Vieles regle der Sicherheitsdienst, der 24 Stunden mit zwölf Mann vor Ort sei. Die Polizei wird nur in gravierenden Fällen gerufen. „Wenn die auftaucht heißt es nicht, dass die Bevölkerung bedroht ist.“ Gerüchte über Vergewaltigungen, Mord, Totschlag und Prostitution weist Polizeichef Walter Müller zurück. Laut Schlämmer gab es nur einen Vergewaltigungsfall – aber nicht auf Fursty. Außerhalb der Unterkunft werden vor allem Ladendiebstähle angezeigt. Die Geschäfte haben Sicherheitsdienste und Ladendetektive eingestellt. „Dadurch wurden mehr Asylbewerber erwischt, aber auch mehr Deutsche“, sagt der Polizeichef.

Aus dem Wohngebiet um Fursty sind seit Oktober nur drei Anrufe bei der Inspektion eingegangen. „Wir haben eine große Hemmschwelle, bei der Polizei anzurufen“, meinte eine Frau. Müller appellierte an Zuhörer, sich auch bei kleinen Vorfällen an die Beamten zu wenden – selbst wenn daraus keine Anzeige werde. Allerdings könne man nicht überall und immer gleich präsent sein.

Ärger an der Bushaltestelle

Ärger an der Bushaltestelle Als Gefahrenpunkt sehen die Anwohner die Bushaltestelle an der Eschenauer Straße. Die wartenden Flüchtlinge, die laut telefonieren, ratschen und auch Anwohner ansprechen, stören die Fürstenfeldbrucker. Hermann Seifert, Experte für den öffentlichen Personennahverkehr im Landratsamt, kündigt unter Beifall an, dass die Haltestelle an die Parkbucht vor der Hauptwache verlegt wird. „Bitte möglichst bald, wir halten es nicht mehr lange aus“, ruft eine Frau.

Ein Anwohner will die Haltestelle gleich an den Eingang der Unterkunft legen. Dann komme der Fahrplan durcheinander, erklärt Seifert. Weitere Fahrer und Busse würden eine sechsstellige Summe kosten. Das sei nur mittelfristig eine Option. Denn der Landkreis plant eine Expressbuslinie zwischen den Bahnhöfen Bruck und Gernlinden, die dann über die Von-Gravenreuth-Straße durch den Fliegerhorst führt. „Wir haben das Signal, dass die Durchfahrt in absehbarer Zeit möglich ist, wenn wir drinnen nicht halten.“ Landrat Karmasin will erst einmal die Verlegung an die Hauptwache testen. „Die Haltestelle ist auch am einfachsten und schnellsten umsetzbar“, sagt Brucks OB Klaus Pleil.

Müll und Scherben bleiben liegen

Müll und Scherben bleiben liegen Das ändere aber nichts an der Tatsache, dass sich Asylbewerber im Wohngebiet aufhalten – und einige sich auch daneben benähmen, gab ein Anwohner zu bedenken. „Sie trinken auf dem Spielplatz Bier, zerschlagen die Flaschen und pinkeln in den Sandkasten“, klagt eine Frau. Überall würden Müll und Scherben liegen. Auch Fahrräder würden geklaut. „Wir sind dorthin gezogen, weil es der ruhigste Platz war“, sagt eine Frau. „Jetzt sperrt jeder alles weg, unser geliebter Wohnort wird zum sozialen Brennpunkt.“

Die Anwohner fordern, dass Neuankömmlinge über Verhaltensregeln aufgeklärt werden. Bei Willkommens-Veranstaltungen weise man bereits auf den Umgang mit Frauen, Mülltrennung, Verkehrsregeln und mehr hin, erklärt eine Caritas-Mitarbeiterin. „Wir versuchen, viele zu erreichen.“ Schlämmer will das Thema noch einmal mit den Migrationsberatern besprechen.

Ein Zuhörer berichtet, er habe bei sich Schilder aufgestellt, mit dem Hinweis, hier habe niemand etwas zu suchen. „Danach ist es etwas besser geworden.“ Gudrun Velthuis von der Bima, die die Wohnanlage betreut, sichert zu, Schilder mit Piktogrammen aufzustellen. Von einer Einzäunung hält sie wenig. „Wer rein will, steigt auch über einen Zaun.“ Landrat Karmasin versichert: „Wir tun, was wir können.“ Sollte sich die Lage nicht bessern, will er sich in einem halben Jahr wieder mit den Anwohnern treffen. Einige von denen legen Wert auf die Feststellung, dass nur eine Minderheit der Asylbewerber unangenehm auffällt. (imu)

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