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„Es gibt nur eine Lösung: Kriege und Rüstungsexporte beenden“, sagte Redner Andrej Hunko, der für die Linke im Bundestag sitzt.

Demo am Hauptplatz

Brucker gehen für Frieden auf die Straße

Fürstenfeldbruck - Syrien, Irak, Ostukraine: Am Samstag sind die Brucker auf die Straße gegangen, um gegen Krieg in diesen Ländern zu demonstrieren und um ein Zeichen für den Frieden zu setzen. Wegen der Kälte fiel der geplante Marsch durch die Stadt aber aus.

Lokale und überregionale Politiker schauten bei frostigen Temperaturen vor der Sparkasse vorbei. Etwa zwei Drittel der Brucker Stadtspitze folgten den Reden von Bundestagsabgeordnetem Andrej Hunko und dem Münchner Stadtrat Cetin Oraner (beide Die Linke). Auch der im Krankenstand befindliche OB Klaus Pleil (BBV) mischte sich unter die Demonstranten.

Insgesamt seien wohl vor allem Mitglieder der beteiligten Organisationen – wie beispielsweise der ÖDP und des Bündnisses „bunt statt braun“ – anwesend. Das meinte zumindest die Grünen-Stadträtin Ingrid Jaschke (61) aus Olching, die schon seit ihrer Jugend auf Friedensdemos geht. Passanten schlossen sich dem Pulk auf dem Hauptplatz jedenfalls nicht an. Trotzdem fanden rund 70 Personen den Weg nach Bruck, eine deutliche Steigerung im Vergleich zur Dezember-Versammlung, die sowohl Jaschke als auch die Organisatorin und Gründerin der Initiative, Renate Schiefer, erfreulich fand.

Zwar meinte Schiefer scherzhaft, sie wünsche sich das Zehnfache an Besuchern. Doch sie sei zufrieden. „Die Leute müssen noch merken, dass es uns gibt.“ Immerhin besteht die Initiative erst seit Dezember. Nun sollen weitere Veranstaltungen wie Vorträge und Demos noch mehr Anhänger locken. Thematisiert werden soll dabei laut Schiefer in Zukunft auch die Situation der Kurden.

Über die Verfolgung seiner Volksgruppe in der Türkei sprach deswegen Cetin Oraner, der für die Linke im Münchner Stadtrat sitzt. Er sagte, der türkische Präsident Recep Erdogan habe im Rahmen des Kampfes gegen den IS einen regelrechten „Bürgerkrieg“ gegen die Kurden vom Zaun gebrochen. Kurdische Städte im Osten des Landes würden von der Armee belagert, es herrsche Ausgangssperre und gebe täglich Tote.

Der erste Hauptredner Andrej Hunko, extra eingeflogen aus Aachen, sprach über die Krisenherde Syrien und Ostukraine. Er sagte: „Wenn man eine Lösung möchte, dann gibt es nur einen Weg: Kriege und Rüstungsexporte beenden.“ Denn Kriege und eine ungerechte Weltwirtschaftsordnung seien die Hauptursachen für die vielen Fluchtbewegungen.

Die Politiker müssten sofort einschreiten. „Das ist eine tagespolitische Aufgabe, das darf man nicht auf die lange Bank schieben.“ Er ging auch auf den mittlerweile in den Hintergrund gerückten Konflikt in der Ostukraine ein. Hunko, der selbst schon vor Ort war, warb für einen Dialog.

In punkto Flüchtlingspolitik lag er damit voll auf einer Linie mit Gunter Senf (47), dem anwesenden Kreisvorsitzenden der ÖDP. Diese fordere schon seit einem halben Jahr, nicht nur die Flüchtlings-, sondern die Rüstungspolitik näher zu betrachten. „Es kann nicht sein, dass wir Ländern, in denen Bürgerkrieg herrscht, Waffen liefern.“ Die ÖDP ist eine der Organisationen, die sich der Friedensinitiative mittlerweile angeschlossen haben. „Wer klar denken kann, muss hinter dieser Initiative stehen“, so Senf. Auch gegen rechtspopulistische Bewegungen wie Pegida oder AfD wolle man ein Zeichen setzen.

Das sieht auch Martin Feller (63) aus Jesenwang so. Er war ganz alleine zu der Demo gekommen. Feller, der schon in den 1980er Jahren und 2003 gegen den Irakkrieg auf die Straße gegangen ist, wollte damit öffentlich zeigen, dass er sich vehement gegen Krieg ausspricht. „Nicht, dass ich wieder hören muss, Deutschland wird am Hindukusch verteidigt“, erklärte er mit Verweis auf das berühmte Zitat des SPD-Politikers Peter Struck.

Am Ende wurde der Marsch durch die Innenstadt dann aber abgesagt. Einige Demonstranten waren nach den ersten Reden gegangen. Auch wegen der Kälte entschieden die Organisatoren, den Zug ausfallen zu lassen. (Fabian Dilger)

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