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Die Sichtachse Bruck-Puch vom Hagebaumarkt aus betrachtet in einer Simulation des Brucker Landratsamtes vom Februar 2014.

Nach Kehrtwende im Landesamt

Denkmalschutz: Aus für Puchs Windrad

Fürstenfeldbruck - In Puch werden die Sektkorken geknallt haben, bei den Stadtwerken herrscht Katerstimmung: Das geplante Windrad bei Puch wird nicht gebaut.

Der Verwaltungsgerichtshof hat den Antrag der Brucker Stadtwerke auf Zulassung der Berufung in Sachen Windrad Puch abgelehnt. Das heißt: Es wird nicht neu verhandelt, das Urteil des Verwaltungsgerichts aus erster Instanz vom Oktober 2014 ist rechtskräftig. Damals hatten die Richter die vom Landratsamt ausgesprochene Genehmigung der geplanten, 1,8 Kilometer von Puch entfernten Windkraft-Anlage gekippt. Sie hatten der örtlichen Kuratiestiftung recht gegeben, die aus Denkmalschutzgründen gegen das Windrad geklagt hatte. Hatte das Landesamt für Denkmalpflege dem Windrad zunächst noch zugestimmt, so vollführten die Denkmalwächter nach der Klage der katholischen Kirchenstiftung eine Kehrtwende.

Ein 180 Meter hohes Windrad, so die zentrale Aussage, der sich der VGH jetzt anschloss, beeinträchtige die Pucher Kirche St. Sebastian und die Sichtachse Bruck-Puch erheblich. Der VGH führt aus, dass die Kirche als Grabstätte der Seligen Edigna neben ihrer religiösen Bedeutung auch geschichtliche, künstlerische, städtebauliche und volkstümliche Relevanz habe. Der VGH räumt zwar ein, dass sich das Vorhandensein eines historischen Pilgerwegs aus der Aktenlage heraus nicht eindeutig ableiten lasse. Das sei aber nicht entscheidungserheblich. Denn: Die typische Annäherungsrichtung aus dem Tal nach Westen zur Anhöhe mit der Kirche hin entspreche der historisch gewachsenen, volkstümlichen, religiösen und touristischen Zugangsrichtung zum Denkmal – die Kirche werde so konzipiert worden sein, dass der Blick der Gläubigen beim Zugang zu ihr auf die Kirche falle und eben nicht auf eine Windkraftanlage.

Der Kirchturm von St. Sebastian hat über die geplante Windkraft-Anlage obsiegt.

 Die Stadtwerke hätten, so der VGH, keine Anhaltspunkte geliefert, warum diese Sichtweise falsch sein sollte. Die Kehrtwende der Denkmalschützer hält der VGH „durch die nachträgliche Berücksichtigung der historischen Blickbeziehung Bruck-Puch“ für rechtfertigbar. Kehrtwenden im Zuge einer hausinternen Diskussion im Landesamt für Denkmalpflege seien dem VGH auch aus anderen Verfahren bekannt, „ohne dass es Anhaltspunkte für den Einfluss irgendeiner ,Lobby‘ gegeben habe, heißt es in der Entscheidungsbegründung, die dem Tagblatt vorliegt.

Der VGH weiter: „Dass eine solche ,Kehrtwende´ Unternehmer und Behörden in – in der Regel vermeidbare – Schwierigkeiten bringt, steht auf einem anderen Blatt.“ Im Landratsamt reagierte man enttäuscht. „Wir hatten gehofft, dass man erkennt, dass der Pilgerweg nur ein Vorwand ist und dass Windrad und Kirchturm ja nur von einer Seite gemeinsam zu sehen sind“, sagte eine Sprecherin. Es sei schade, dass trotz der Kehrtwende der Denkmalschützer die höhere Instanz keine Prüfungsnotwendigkeit sehe.

Kreisbaumeister inReinlinde Leitz fand es besonders ärgerlich, dass das Denkmalamt zunächst nichts gegen das Rad hatte und dann doch. Die Stadtwerke wollen die Niederlage akzeptieren. Alle ordentlichen Rechtsmittel seien erschöpft, sagte Geschäftsführer Enno Steffens. „Ich bin traurig, enttäuscht und nehme es mit Kopfschütteln zur Kenntnis.“ Die Stadtwerke wollen nun prüfen, ob sie ihre Ausgaben für die Planungen im hohen fünfstelligen Bereich beim Denkmalamt geltend machen können. (Siehe Kommentar und Kasten).

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