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Immer öfter rauchen Jugendliche sogenannte Kräutermischungen. Diese Drogen werden sind brandgefährlich.

Badesalz, Spice und Co.

Kräutermischungen: Die unterschätzte Gefahr

Fürstenfeldbruck - Sie tragen verharmlosende Namen wie Badesalz, Lufterfrischer oder Spice, doch sie sind brandgefährlich. Immer wieder rauchen Jugendliche obskure Kräutermischungen - mit unabsehbaren Folgen.  

Vier Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren treffen sich zu einer Raucherrunde. Einer von ihnen hat zum Haschisch ein Papiertütchen geschenkt bekommen, dessen Inhalt er nicht ansatzweise kennt. Die vier Jugendlichen stopfen den Stoff trotzdem in ihre Joints und rauchen sie. Kurz darauf brechen alle vier mehr oder minder bewusstlos zusammen. Wie durch ein Wunder gelingt es dennoch, Hilfe zu holen.

Am schlimmsten trifft es den Veranstalter der Raucher-Party: Er muss mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht werden – er steht kurz vor dem Herzstillstand. Auch die anderen drei kommen in Krankenhäuser. Später stellt die Polizei fest, was die vier geraucht haben. Es war ein synthetisches Cannabinoid, das zu diesem Zeitpunkt noch nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fiel, wie Brucks Polizeisprecher Michael Fischer erklärt – und genau das ist ein Teil des Problems. Die Hersteller der sogenannten Kräutermischungen erfinden ständig neue Mixturen, die den Jugendlichen den Eindruck vermitteln, der Stoff sei legal – so ging es auch einer 14-Jährigen im Januar dieses Jahres in Bruck. Vor der Schule rauchte sie eine dieser Mischungen und landete mit einer Vergiftung im Krankenhaus.

Kräutermischungen erleben Boom

Das Problem mit den Kräutermischungen gibt es schon länger. Zurzeit erlebt die Polizei aber einen regelrechten Boom. Die Substanzen – sie sind in bunten Tütchen mit witzigen Bildchen verpackt – werden übers Internet vertrieben. Sie wirken harmlos. Die Inhaltsstoffe, neue psychoaktive Substanzen, aber sind kaum berechenbar. Oft wissen die Hersteller selbst nicht genau, was sie da anbieten

Zusammengemischt werden die Stoffe wohl im asiatischen Raum. Bei der Herstellung in abenteuerlichen Garagenlabors werden auch – man kann es sich kaum vorstellen – Betonmischer verwendet. Die Hersteller schaufeln alles mögliche in das Gerät, durchmischen und verkaufen die Substanzen. Sie sind teils vollsynthetisch – sprich sie bestehen nur aus chemisch erzeugten Stoffen, nicht aus den suggerierten Kräutern.

"Nicht zu Schaden zu kommen, ist reine Glückssache"

Immer häufiger werde von regelrechten Horrortripps, Wahnvorstellungen und massiven Depressionen infolge des Konsums der Drogen berichtet, erzählt Polizeisprecher Fischer. Jugendliche landen immer häufiger mit massiven Herz-Kreislaufstörungen in Kliniken. Sogar mehrere Todesfälle habe es in Deutschland in diesem Zusammenhang schon gegeben. Fischer betont: Auch wenn die Hersteller durch immer neue Mischungen versuchen, das Betäubungsmittelgesetz zu umgehen, so seien die Mixturen doch illegal. „Der unbedarfte Umgang vieler Jugendlicher sowie die unberechenbare und verheerende Wirkung der Stoffe bereitet der Polizei allergrößte Sorge.“

Teil des Problems: Die Jagd nach den Händlern sei wie das alte Hase-und Igel-Spiel: Internet- und Emailadressen lassen sich leicht ändern, die Polizei ist immer einen Schritt hinterher. So hilft im Prinzip nur Prävention und Aufklärung. Fischer bittet daher auch die Eltern um erhöhte Aufmerksamkeit. Sie sollten darauf achten, ob Kinder bunte Tütchen besitzen. Und sie sollten hellhörig werden, wenn sie Wesensveränderungen bei ihnen feststellen. „Der Konsum dieser angeblich legalen Mischungen ist wie Russisch Roulette. Nicht zu Schaden zu kommen, ist reine Glückssache.“

Dabei ist auch klar: Den Herstellern ist es völlig egal, was den Konsumenten passiert. Ihnen geht es nur darum, eine möglichst billig produzierte Droge mit möglichst viel Gewinn an den Mann und an die Frau zu bringen. Weitere Informationen gibt die Polizei, die Caritas oder der Verein Prop.e.V.. (st)

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