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Ein Moment, den viele Flüchtlinge mit ihrem Smartphone festhalten: Bei dem Fest in der Erstaufnahme-Einrichtung filmten die Asylbewerber die Bands auf der Bühne.

Dependance auf Fursty: Abwechslung vom tristen Heim-Alltag

Fürstenfeldbruck – Ein paar Stunden lang die Sorgen vergessen und feiern – das konnten die Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Fliegerhorst bei einer von der Stadt organisierten Feier zu Weihnachten. Fünf Live-Bands, 100 Helfer und 1400 gespendete Lebkuchen trugen dazu bei, dass es eine überschäumend fröhliche Party wurde.

Schon kurz nach Beginn geht es hoch her in der Kantine des ehemaligen Unteroffizierheims. Es ist rappelvoll, obwohl die Hälfte der vorübergehenden Fursty-Bewohner vergangene Woche verlegt wurden und zur Zeit nur etwa 600 Flüchtlinge dort leben. Vorne spielen The Deadful Greats ihre originellen Cover-Versionen von bekannten Hits, begleitet von Jubel und begeisterten Pfiffen. Junge Männer stehen auf Tischen und Stühlen, tanzen, klatschen in die Hände. „Die haben so viel Energie, das muss einfach mal raus“, sagt Integrationsreferent Willi Dräxler, der den Abend federführend organisiert hat.

Weiter hinten im Saal sitzen andere, deren erschöpfte Gesichter erahnen lassen, was sie in den letzten Monaten durchgemacht haben. Dazwischen tragen Helfer Tabletts mit Getränken und Plätzchen ins Getümmel. Irgendwann kommt es, wie es kommen muss – durch einen unabsichtlichen Rempler kippt ein Tablett, eine Flut von Apfelschorle und Cola ergießt sich vor Dräxler und seinen Dolmetschern, die die Gäste gerade mehrsprachig begrüßen. Zum Glück wird keiner nass.

Krisen auffangen ist eben an der Tagesordnung für all die, die freiwillig oder hauptberuflich auf Fursty arbeiten, erzählt Tanja Fees. Als Asylberaterin der Caritas ist sie jeden Tag hier. „Ängste nehmen, für die Leute da sein, gute Laune verbreiten“, nennt die 32-Jährige als ihre Hauptaufgaben. Viele Neuankömmlinge seien verzweifelt, weil sie auf der Flucht zum Beispiel von Ehepartnern getrennt wurden. Bei Sprachschwierigkeiten zwischen Helfern und Neuankömmlingen würden oft Flüchtlinge mit Englischkenntnissen als Dolmetscher einspringen. „Die Leute sind total hilfsbereit.“

Als „den Umständen entsprechend gut“ beschreibt Willi Dräxler die Lage in der Erstaufnahmeeinrichtung. Er hat ein paar Tage Marathon-Einsatz hinter sich, um die Feier zu organisieren. „Das Schwierigste war, die Genehmigung von der Regierung von Oberbayern zu bekommen.“

Danach musste alles ganz schnell gehen. Dankbar ist Dräxler den örtlichen Firmen, die Getränke und Leckereien spendierten. „Ohne die wär’s nicht gegangen.“ Außerdem spendeten sie auch Geld. Für ein abwechslungsreiches Musikprogramm sorgten neben den Deadful Greats die Grupo de dancas Cusiraymi, die junge Brucker Sängerin Lisa Rubin, die Trommelgruppe Diappo und das Hattenhofer Blech. Eine weitere Weihnachtsfeier organisiert die Stadt heute für die Security-Mitarbeiter. „Wir geben allen eine Pizza aus“, sagt Dräxler. „Das ist wichtig für die gute Zusammenarbeit und die Stimmung." (Ulrike Osman)

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