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An diesem Baum haben die Apfeldiebe noch nicht zugeschlagen. Hans Langbauer kümmert sich seit Jahren um die rund 80 Bäume des Vereins für Gartenbau und Landschaftspflege Puch. Weggekommen seien auch bisher schon einzelne Früchte. „Dass Leute mit dem Auto kommen und einen ganzen Baum abräumen, dass ist aber eine neue Dimension.“

Gartler sind stinksauer

Diebe im Obst-Paradies werden immer dreister

Äpfel, Birnen, Mirabellen: Immer wieder verschwinden Früchte von privaten Streuobstwiesen im Landkreis. Besonders hart hat es jetzt den Verein für Gartenbau und Landschaftspflege in Puch erwischt.

Puch – Es ist ein wahres Paradies. Auf rund 8000 Quadratmetern recken am Ortsrand von Puch Apfel-, Birnen,- Mirabellen- oder Zwetschgenbäume ihre Zweige in die Höhe. In der Luft liegt der süße Duft von reifen Äpfeln. Doch mit der Idylle im Garten Eden ist es vorbei. Mehrmals haben dreiste Diebe dem Areal einen Besuch abgestattet. „Alleine an einem unserer Bäume fehlen rund 50 Kilo“, sagt Hans Langbauer, zweiter Vorsitzender des Vereins für Gartenbau und Landschaftspflege Puch. Noch härter hat es eine Familie mit ihrem Mirabellenbaum getroffen. „Den haben Diebe komplett abgeräumt“, sagt Langbauer.

Rund 80 Bäume stehen auf dem Areal direkt hinter dem Grünen Zentrum. Jeder von ihnen hat einen Paten, der sich um die Pflege kümmert – und dafür die jeweilige Ernte einfahren darf. Bei Hans Langbauer fällt die heuer um einiges schlechter aus als erwartet. „Man macht sich das ganze Jahr Arbeit und dann werden die Äpfel einfach runtergerissen“, sagt der 76-Jährige. „Da wird man stinksauer.“

Bei einem Routine-Kontrollgang hat Langbauer einen Dieb auf frischer Tat ertappt

Den dreisten Diebstahl der Äpfel hat der Rentner jetzt bei der Polizei angezeigt. Viel Hoffnung hat er aber nicht, dass die Diebe noch gefasst werden. Andere Baumpaten versuchen es mit Appellen an die Langfinger. Ob die sich davon abschrecken lassen, bleibt allerdings abzuwarten.

Rund 250 Stunden verbringt der Fernmelder im Ruhestand pro Jahr ehrenamtlich auf der Streuobstwiese. Bäume zuschneiden, Schnittgut entsorgen, Fallobst einsammeln, Bäume abstützen: Wer denkt, Obst muss man bloß ernten, liegt gründlich daneben.

Momentan ist Langbauer fast jeden Tag unter den Obstbäumen zugange. Diesem Umstand ist es wohl auch zu verdanken, dass der Verlust des 76-Jährigen nicht noch höher ausgefallen ist. Bei einem seiner Routine-Kontrollgänge hat er einen der Diebe auf frischer Tat ertappt. Beim Anblick des Rentners habe der Langfinger sofort das Weite gesucht. Langbauer ist sicher: Der Dieb muss sich in der Gegend um Puch auskennen. Denn den Feldweg, über den der Täter mit seinem Auto in Richtung Aich davon brauste, würden nicht viele kennen.

Das Phänomen, dass Äpfel und Birnen auf mysteriöse Weise verschwinden, kennen auch die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Kottgeisering. Betroffen sind laut Vereins-Chef Albert Tibudd gut zwei Dutzend Bäume an der Jesenwanger Straße sowie an einem Feldweg Richtung Ammersee. „Etliche Doppelzentner kommen immer wieder weg“, sagt Tibudd. Doch damit kann der Verein offenbar leben. Weil viele Bäume nahe der Straße stünden, würden deren Früchte von den Mitgliedern oft verschmäht. Tibudd sieht es pragmatisch: „So werden sie wenigstens sinnvoll genutzt.“

Auch das Gemüse von Brucker Land steht bei den Langfingern hoch im Kurs

Wie es ist, wenn die erhoffte Ernte plötzlich weg ist, wissen auch die Baumpaten vom Obst- und Gartenbauverein Puchheim-Ort. Deren Bäume stehen am Laurenzer Weg zwischen Puchheim-Ort und Puchheim-Bahnhof und sind für die Öffentlichkeit eigentlich tabu. Nur einen Steinwurf entfernt strecken auf städtischem Grund ebenfalls Bäume ihre Äste in die Luft – die sind zum Pflücken freigegeben. Vor wenigen Jahren waren plötzlich alle Äpfel weg. „Ein Missverständnis“, sagt der Vorsitzende des Vereins, Michael Hahn. Seitdem man eindeutige Schilder aufgestellt habe, halte sich der Verlust in Grenzen.

Dass auch Gemüse bei Dieben offenbar hoch im Kurs steht, müssen die Pächter der Sonnenäcker der Solidargemeinschaft Brucker Land regelmäßig erleben. „Es kommt immer wieder vor, dass etwas gestohlen wird“, sagt Christine Andermann, die das Projekt seit Jahren mitorganisiert. Es sei schon vorgekommen, dass ganze Zwiebelfelder abgeernteten worden seien. Auch stünden einlagerungsfähige Gemüsesorten wie Rote Beete bei Langfingern hoch im Kurs. Generell komme an Standorten, die gut erreichbar sind, am meisten abhanden. Andermann: „Wir raten den Leuten deshalb, fremde Personen auf dem Sonnenacker immer anzusprechen.“

von Tobias Gehre

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