Florian Drechsler ist verärgert. Seitdem ein Funkmast in Mammendorf abgebrannt ist, kann er keine Anrufe mehr empfangen. Als Chef eines Taxiunternehmens ist das problematisch.

Immer noch keine Lösung nach Brand

Kampf mit O2: Brucker Taxiunternehmer seit Wochen ohne Telefon

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Anfang Juni brannte in Mammendorf ein Funkmast ab. Seitdem hat Taxiunternehmer Florian Drechsler keinen Empfang mehr. Seine Telefonrechnung muss er dennoch bezahlen - und nicht nur ihm geht das so. 

Aich/Mammendorf - Für Florian Drechsler ist es eine wahre Katastrophe. Der 33-Jährige lebt in dem Fürstenfeldbrucker Ortsteil Aich, führt sein eigenes Taxiunternehmen. Doch seit acht Wochen ist an einen normalen Arbeitsablauf nicht mehr zu denken. Der Grund: Nach dem Brand eines Funkmastens ist der ganze Ortsteil vom O2-Netz abgeschnitten.

Als Chef der Firma ist der 33-Jährige beruflich auf sein Telefon angewiesen, sagt er. Einen Festnetzanschluss hat er nicht. „Morgens, wenn ich in die Arbeit fahre, bekomme ich einen Haufen SMS, in denen steht, dass man versucht hat, mich zu erreichen.“ Ein unhaltbarer Zustand, findet Drechsler. Auf der Facebookseite von O2 hat er seinem Ärger vor kurzem Luft gemacht: „Hallo o2! Seit nunmehr über 8(!!!) Wochen ist unser kompletter Ortsteil vom O2-Netz abgeschnitten! Trotz etlicher Beschwerden und Anrufen bei der Hotline tut sich einfach nichts!“

Klar, für einen Brand könne der Mobilfunkanbieter nichts. Aber Drechsler fragt sich, wieso selbst acht Wochen danach gar nichts passiert. Immerhin hat der Taxiunternehmer bereits etliche Male beim Kundenservice von O2 angerufen. „Was für mich katastrophal ist, ist nicht zu wissen, wann es sich wieder ändert.“ Und absolut unverständlich sei, warum die Konkurrenz von O2 die Situation sehr wohl gelöst bekommt. 

Vodafone und Telekom waren bereits kurze Zeit nach dem Brand wieder ans Netz angeschlossen. Die Firmen hatten einen provisorischen Funkmasten aufstellen lassen. „Und wir O2-Kunden schauen mit dem Ofenrohr ins Gebirge?“ schreibt Drexler auf Facebook. Seine Wut lässt sich aus diesen Zeilen herauslesen - und nicht nur ihm geht es so.

„Es ist eine Unverschämtheit“

Andere Betroffene haben sich mittlerweile unter dem Facebookpost gemeldet. Eine Nutzerin schreibt: „Seit dieser Nacht (des Brandes, Anm. d. Red.) kann ich nicht telefonieren. Es ist eine Unverschämtheit, die Rechnung muss trotzdem vollständig bezahlt werden. Wir leben doch nicht im Mittelalter.“

Eine Bewohnerin aus dem benachbarten Mammendorf ist wegen des Netzausfalls besorgt: „Gerade weil mein Mann und ich uns um unser Neugeborenes kümmern und die Ärzte haben nur unsere Handynummer.“ Die Betroffene nutzt eine Prepaidkarte eines Tochterunternehmens von O2. Auch sie habe seit sechs Wochen nur wenig Empfang, klagt sie. Viele Kunden haben mittlerweile keine Geduld mehr, der O2-Shop in der Buchenau wird regelrecht belagert: „Manche sind sehr verärgert“, berichtet einer der Mitarbeiter.

Gegenüber unserer Online Redaktion bestätigte O2 das Problem. Ein Sprecher des Unternehmens teilte mit, dass die notwendigen Maßnahmen eingeleitet seien, um schnellstmöglich einen Ersatzstandort in Betrieb nehmen zu können. Einen genauen Zeitpunkt nannte das Unternehmen jedoch nicht: „Die Umbauarbeiten werden leider noch etwas Zeit in Anspruch nehmen“, so ein Sprecher des Unternehmens. 

Ein Sprecher der Deutschen Funkturm wird da konkreter: Zwar soll der Bauantrag für den neuen Funkmast Anfang August im Mammendorfer Gemeinderat behandelt werden, wann der Turm steht, ist aber unklar. „Wir hoffen, dass der Funkmast - je nach Wetter - Ende des Jahres steht“, so der Sprecher.

Das wären dann noch etwa sieben Monate. 

Haben die Kunden Anspruch auf Entschädigung?

Für die Unannehmlichkeiten entschuldigt sich das Unternehmen. Ob die betroffenen Kunden einen Anspruch auf Entschädigung haben, konnte der Pressesprecher nicht sagen: „Sollten Kunden vereinzelt längere Service-Einschränkungen verzeichnen, schauen wir uns gerne die individuelle Situation dieser Kunden an und versuchen, gemeinsam eine Lösung zu finden.“ Konkreter wird es nicht. 

Taxiunternehmer Florian Drechsler hat bisher lediglich zugesichert bekommen, dass ihm 50 Prozent seines Grundbeitrages erstattet werden. Er will am liebsten raus aus dem Vertrag. Die Frage ist nur: Geht das überhaupt?

Einfach kündigen? Gar nicht so einfach

Laut der Verbraucherzentrale Hamburg ist das nicht so einfach. Denn anders als beim Festnetz, sei die Erreichbarkeit beim Mobilfunk nicht vertraglich vereinbart, erklärt die Juristin Julia Rehberg. „Wann Leistungen nicht erbracht werden, das ist im Mobilfunkbereich strittig.“ Trotzdem rät Rehberg den Kunden, sich zu wehren: „Am besten schreibt man dem Mobilfunkanbieter, schildert die Lage und setzt eine Frist, wann das Problem behoben sein soll.“ Wer dennoch eine außerordentliche Kündigung in Betracht zieht, der muss viel Geduld mitbringen. Denn zahlt man als Kunde seine Rechnungen nicht mehr, kann der Mobilfunkanbieter vor Gericht ziehen und den Restbetrag einklagen. Das kann gerade bei strittigen Themen auch nach hinten losgehen, betont die Juristin. 

Ursache des Brandes unbekannt

Warum der Funkmast in Mammendorf in Brand geraten war, ist bisher nicht vollständig geklärt. Die Polizei geht aber von Brandstiftung aus. Einen technischen Defekt schließt sie aus. In Berlin kam es vor zwei Jahren zu einem ähnlichen Fall, bei dem Unbekannte einen Brandanschlag auf einen Funkmast verübt hatten. Erst Anfang des Jahres brannte auch in Leipzig ein von Vodafone als Sendemast genutzter Schornstein ab.

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