„Lockerungsübung statt Sitzthrombose“, befiehlt Hans-Jürgen Buchner und bittet, gelegentlich aufzustehen. Foto: vox

Dorf-Liebhaber Haindling feiert mit Dorf

Nassenhausen - Ob Haindling tatsächlich beim Jubiläum 1200 Jahre Nassenhausen auftritt? Nach monatelangem Warten kam kurz vor knapp die Zusage von Hans-Jürgen Buchner und Band. Das Konzert war der perfekte Auftakt für die Feierlichkeiten am Wochenende.

Der Festausschuss-Vorsitzende Hans Gistl gesteht: „Schnell Alternativen zu finden, wäre nicht einfach gewesen.“ Gut, dass er nicht suchen musste. Denn für Buchner war’s ein Heimspiel. Und das Publikum im rappelvollen Zelt war begeistert. Für Buchner hieß es quasi „Vom Dorf ins Dorf“. Obwohl Nassenhausen den Geiselhöringer Ortsteil Haindling, wo er lebt, einwohnermäßig übertrumpft. „Das Beinandersein auf dem Land findet viel exzessiver statt als in der Stadt“, begründete der Niederbayer seine Vorliebe für Konzerte in Dörfern.

Auch wenn es durch das im wahrsten Sinne des Wortes gesetzte Publikum (auf Bierbänken) etwas gediegener zugeht. Überhaupt, das Alter: Die Insel inmitten Buchners etwas zu dunkel gefärbten Haaren weitet sich aus, das T-Shirt steckt lieber nicht in der Hose und das Straubinger Auto hinter dem Zelt ist auch schon ein Mercedes. Und dass ein fast 70-Jähriger seine Tanzeinlagen nicht mehr wie der junge Hupfer in seinen Anfangsjahren choreografiert, ist in Ordnung. Denn er gesteht das Alter auch seinem Publikum zu und nimmt Rücksicht. „Lockerungsübung statt Sitzthrombose“, befiehlt er und bittet, gelegentlich aufzustehen. „Vor 33 Jahren sind sie noch alle gestanden, aber die Fans der ersten Stunde sind auch älter geworden“, stellt er beim Blick in die Menge fest.

Auch in seinen Liedern räsoniert er über das Alter und fragt sich, ob das Leben schneller zu Ende ist oder der Rotwein-Vorrat im Keller seines Freundes. Haindling ist nicht der Versuchung erlegen, sein Publikum mit musikalischen Merkwürdigkeiten zu konfrontieren, die andere Künstler von esoterischen Selbstfindungs-Trips in ferne Ohmmmm-Länder üblicherweise mitbringen. Ganz im Gegenteil: Die Paula hat er lang scho nimmer g’seng, sie schaut aber irgendwie und sowieso immer no guad aus.

Freilich gibt’s auch ein paar Seitenhiebe auf EU-Bürokraten im Brüsseler Gnadenhof und Lobbyisten der Lebensmittelchemie. Und ganz zum Schluss legt Buchner die bayerische Rautenfahne unter den Beinkleidern seiner kopfstehenden Musiker frei: Bayern, des samma mir! Das Bierzelt feiert ihn.

(Max-Joseph Kronenbitter)

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