Hans Friedlist heute der Frontmannder Dorfgemeinschaft.

In Alling

Als die Dorfgemeinschaft nur ein Name war

Alling – Niemand machte Fotos an diesem 1. März 1956. Und wenn doch, sind sie verschollen. Aber kurz vor der Kommunalwahl war es damals auch ein Wagnis, eine Wählergruppe zu gründen, die anders als viele Allinger nichts mehr von einem Boykott der Gemeinderatswahl wie vier Jahre zuvor wissen wollte.

 „Dorfgemeinschaft“ nannten die Initiatoren ihren Zusammenschluss – ein deutliches Signal, dass es an der Gemeinschaft im Ort ziemlich haperte. Der neuen Gruppe gelang es jedenfalls, die Abspaltung von Eichenau durchzusetzen, sie stellte den ersten Bürgermeister nach der Trennung – und es gibt sie 60 Jahre später immer noch. Am Freitag feiert die Dorfgemeinschaft Alling ihren runden Geburtstag.

Die Kleinhäusler

Heutigen Allingern ist kaum mehr vermittelbar, wie es damals um den Dorffrieden bestellt war. Nachdem das Untere Moos am Starzelbach entwässert worden war, siedelten sich mehr und mehr Menschen in der Eichen-Aue an. „Kleinhäusler“ aus Sicht der Allinger und nicht nur der dortigen Großbauern. Durch das rasante Bevölkerungswachstum starzelabwärts gerieten die Alteingesessenen schon ab 1924 in die Minderheit. Nach dem Krieg wurde das Verhältnis noch unversöhnlicher, allerdings jetzt auch zwischen den Allingern, die noch im Gesamt-Gemeinderat saßen. 1952 entschied man sich für einen Wahlboykott, wer trotzdem seine Stimme abgab, galt als „Verräter an der Allinger Sache“. Dem Altdorf brachte das nichts – Straßen, Schule, Lehrerwohnhaus verkamen zusehends. Mehrere Allinger Landwirte, allen voran Mathias Friedl und Michael Reischl, lehnten dann auch bei der Wahl von 1956 einen erneuten Boykott ab.

Der einzige Allinger im Gemeinderat

Die daraufhin gegründete „Dorfgemeinschaft“ überzeugte noch wenige Allinger. Die Wahlbeteiligung war so gering, dass Friedl einziger Allinger im Gemeinderat war. Laut Chronik der Wählergruppe, vom damaligen Einzelkämpfer verfasst, gelang es ihm aber, die Eichenauer zu überzeugen, getrennte Wege zu gehen. Im Juli 1956 beschloss der Gemeinderat einstimmig die Neubildung von Eichenau, im April des nächstens Jahres war es soweit.

So musste 1957 wieder gewählt werden. Friedl hatte jetzt drei Mitstreiter im rein Allinger Gemeinderat, aber immer noch nicht die Mehrheit. Per Losentscheid wurde er zum Bürgermeister. 1972 verlor er die Wahl gegen die – von der neuen CSU – unterstützte Lieselotte Zehetmair.

Festabend am Freitag

Seitdem gelang es der Dorfgemeinschaft nicht mehr, die Macht im Rathaus zurückzuerobern. Heute führt Friedls Sohn Hans die vierköpfige Fraktion im Gemeinderat. Und das mit einer – vielleicht vom Vater vererbten – Bestimmtheit, die vom politischen Gegner aber oft als Verbissenheit ausgelegt wird. Für Friedl dagegen steht die rund 50 Mitglieder zählende Dorfgemeinschaft noch heute „für ein Miteinander, das den anderen auch den Anderen sein lässt“. Nur sehe man das „überproportionale Wachstum“ der Gemeinde mit Sorge. Seit 1989 ist die Wählergruppe bei den Freien Wählern. Dieses überörtliche Engagement wurde noch nicht mit einem Kreistagsmandat belohnt. Aber der FW-Kreisvorsitzende kommt erstmals aus Alling: Hans Friedl.  op

Der Festabend

findet am Freitag ab 19.30 Uhr im Bürgerhaus statt. Zu Gast ist unter anderem der FW-Landesvorsitzende Hubert Aiwanger.

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