Horrorunfall in Bruck: Auch der Beifahrer stirbt

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Fürstenfeldbruck - Nach dem er die Wagen von zwei Freunden überholt hatte, prallte ein 18-Jähriger mit seinem BMW gegen eine Baum. Er war sofort tot. Ein gleichaltriger Beifahrer erlag später seinen Verletzungen, ein 16-Jähriger schwebt weiter in Lebensgefahr. Nun pilgern Trauernde in Scharen zur Unfallstelle.

Im Jugendzentrum und im Vereinsheim des TSV-West schauen die Burschen türkischer und deutscher Abstammung am Freitag das Spiel Deutschland-Türkei an. Danach steigen sie in zwei BMW und einen Renault. Auf der Schöngeisinger Straße fahren sie Richtung Stadtzentrum. Kein Fahrer ist älter als 18 Jahre, Bünyamin K., genannt "Büny" erst seit drei Wochen volljährig.

Ist es jugendlicher Übermut? Jedenfalls überholt Bäckerlehrling Büny um 22.30 Uhr nach der Kreuzung Fürstenfelder Straße kurz vorm Zebrastreifen in einer Rechtskurve mit seinem roten BMW 316 die anderen Wagen der kleinen Kolonne. Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei fuhr er viel zu schnell.

Etwa 120 Stundenkilometer schätzen Freunde in den hinteren Autos. Voller Entsetzen sehen sie einen dunklen Wagen entgegenommen. Fahranfänger Büny. bremst zu scharf. Auf der nassen Straße gerät er ins Schleudern. Der BMW rutscht über den Radweg und prallte gegen einen Ahornbaum. Der 30 Zentimeter dicke Stamm frisst sich in die Fahrerseite.

Bilder vom Unfallort

Unfall in FFB: 18-Jähriger stirbt

An der Unfallstelle: Bünyamin J. (links, Bruder des zuletzt Verstorbenen) und Marcin P.

Büny ist sofort tot. "Ich sah ihm in die Augen. Da war kein Leben mehr", sagt Bünyamin J. (19). Der Bruder des Beifahrers saß in einem der nachfolgenden Wagen. Die Feuerwehr birgt Bünys Leiche später mit Rettungsspreizern. Die beiden Mitfahrer finden Polizei und Feuerwehr im Freien. Die Freunde haben sie aus den BMW gezogen. Aus Angst, der Wagen würde anfangen zu brennen. Der 18-jährige Wirtschaftsschüler Hüseyin J. hat grauenvolle Kopf-, Firat K. (16) schlimmste Wirbelsäulenverletzungen. Lange brauchen die Ärzte, um sie soweit zu stabilisieren, dass Hubschrauber sie ins Münchner Klinikum Großhadern fliegen können. Mit einer Wand aus Tüchern müssen die Patienten abgeschirmt werden. Denn zwischenzeitlich sind über 50 Angehörige und Freunde herbeigeeilt.

Viele junge Leute brechen zusammen. Sie werfen sich nieder, weinen und schlagen mit Fäusten auf den Boden. Andere versuchen die Opfer zu sehen, klopfen gegen Rettungswagen. Absperrbänder, drei Streifenwagen-Besatzungen und zwei Krisenintervetionsteams sind nötig, um die Situation wieder in den Griff zu bekommen. Bis 1.30 Uhr ist die Straße gesperrt. Ein Gutachter muss auch klären, ob es Berührungen zwischen den drei Autos gab.

Schon am Sonntagmorgen liegen am Fuß des Baumes Blumen und Kerzen. Immer neue kommen dazu. Der Grünstreifen in der Nähe des SCF-Sportgeländes ist zu einer wahren Pilgerstätte geworden. Oft stehen die Grüppchen bis auf die Fahrbahn. Freunde, Bekannte und Verwandte treffen sich, um gemeinsam zu trauern. Es wird viel erzählt. Zum Beispiel, dass der Verstorbene seine Mutter wochenlang angefleht hatte, ihm Geld für ein Auto zu geben, oder dass doch alles nur eine Gaudi sein sollte. Auch Bünyamin J. und Marcin P., der auch in einem der überholten Wagen saß legen am Sonntag eine Rose nieder und stellen eine Kerze auf. Bünyamin weiß noch nicht, dass Hüseyin inzwischen den Kampf um sein Leben verloren hat.

wi

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