Synthetische Drogen: Damit handelte der Eichenauer.

Prozess am Landgericht

Drogen aus der Packstation

Olching/München – Blaue Geister, gelber Supermann – die Namen der euphorisierenden Pillen, die ein 33-jähriger aus Olching vertickt haben soll, klingen phantasievoll.

 Genauso erfinderisch gestaltete der Mann die Art und Weise, wie er sich Ecstasy, LSD und Kokain in großer Menge beschaffte und damit handelte. Jetzt musste sich der 33-Jährige vor dem Münchner Landgericht verantworten.

Der Staatsanwaltschaft sind gut ein Dutzend Fälle bekannt, in denen der Angeklagte als Zwischenhändler agierte und damit seinen Eigenkonsum finanzierte. Sein Geschäft funktionierte so: Bei Dealern, vorwiegend aus Holland, bestellte er Pillen und Pulver. Doch er ließ sich die Sendungen nicht heimschicken, sondern an Packstationen in Fürstenfeldbruck, Gröbenzell, Olching, Puchheim, Unterschleißheim und Prien.

Damit man ihm nicht auf die Schliche kommt, benutzte der 33-Jährige die Zugangsdaten von Postkunden. Die beschaffte er sich, indem er sich im Internet in die Accounts der Ahnungslosen hackte. Und wenn die Sendungen da waren, holte er sie mit gefälschten Abholscheinen und fremdem Namen ab. Dann konsumierte er die Drogen selbst oder verkaufte sie häppchenweise weiter. Irgendwann wurde die Post misstrauisch und informierte die Polizei.

Die Mengen, mit denen der Olchinger bis dahin jonglierte, waren alles andere als unerheblich: In einem Fall waren es eineinhalb Kilo Amphetamine. „Ja, ich habe bestellt und Drogen besessen“, gab er vor Gericht zu. „Ich schätze, ich habe mit dem Ganzen im Schnitt 600 bis 800 Euro monatlich verdient.“

Richter Oliver Ottmann legte dem Angeklagten nahe, sich im Bezug auf die Internetaktivitäten kooperativ zu zeigen. „Die verschlüsselten Daten sind wie ein Damoklesschwert. Werden die geknackt, sind weitere Verfahren möglich.“ Der Angeklagte, der für Computerfirmen gearbeitet hatte, wolle bald Passwörter nennen, sagte er.

Bereits als Schüler habe der Angeklagte Drogen konsumiert. Er habe ein hartes Leben gehabt: finanzielle Probleme, Beziehungskrisen und schließlich beging seine Mutter Selbstmord. Und jetzt, wo er seit einem Jahr in Untersuchungshaft ist, sei endgültig alles zusammengebrochen. „Ich hatte Angst um meine Zukunft“, sagte er. „Ich möchte mich bei allen entschuldigen, die ich enttäuscht habe.“

Das Urteil gegen den 33-Jährigen lässt aber noch auf sich warten. Weitere sechs Verhandlungstage sind angesetzt. Denn auch zwei Kollegen des Olchingers sind angeklagt. Ein 36-jähriger Unterschleißheimer und ein 24-Jähriger aus Prien stehen ebenfalls im Verdacht, mit Drogen gehandelt zu haben – in Zusammenarbeit mit dem Eichenauer. hans kürzl

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