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Mammendorfer schlagen in Obermühlhausen zu

Burschen stehlen Maibaum - und brechen Schloss auf

Mammendorf - Nacht-und-Nebelaktion im Nachbarlandkreis: Die Mammendorfer Burschen haben in der Nacht auf Freitag den Obermühlhausener Maibaum entführt. Problem: Dabei haben sie ein Schloss aufgebrochen. Heute wird über die Auslöse verhandelt – und das dürfte spannend werden.

Für die Mammendorfer Burschen ist es ein grandioser Coup. Ein Mitglied habe den Baum „mehr oder weniger zufällig“ in der Lagerhalle entdeckt, erklärt Schriftführer Rainer Giggenbach. „Allerdings befindet sich die Halle neben einem Wohnhaus. Für so einen Coup benötigt es viel Geschick und einige Männer.“

Die Burschen schlichen sich nachts in die Obermühlhausener (Kreis Landsberg am Lech) Lagerstätte des noch nicht bemalten Maibaums und packten ihn auf ihr Maibaumwagerl. Wache sei keine da gewesen, sagt Giggenbach. Früh morgens kam der Trupp mit der 26 Meter langen Beute zurück nach Mammendorf. Dort passen die Burschen nun gut auf ihr Diebesgut auf, bis heute über die Auslöse gesprochen wird.

Norbert Göttler

Was nach einer runden Sache klingt, stößt den Obermühlhausenern aber sauer auf. Denn offenbar war der Maibaum keineswegs gänzlich ungesichert. „Der Baum war gut verwahrt, bis jemand mit einem Bolzenschneider gekommen ist und das Vorhängeschloss durchgeschnitten hat“, sagt Klaus Stedele vom Skiclub Obermühlhausen. Der Verein ist heuer für das Aufstellen zuständig und hatte keine Nachtwachen eingeplant, weil die Lagerhalle ja zugesperrt war. Für die Mammendorfer war das Schloss aber kein Hindernis. Sie zwickten das Vorhängeschloss auf und holten den Maibaum heraus. Wie Rainer Giggenbach betont, sei das Schloss danach selbstverständlich durch ein nagelneues ersetzt worden, sodass kein Schaden entstanden sei.

"Ganz in Ordnung ist das nicht"

Trotzdem sind die Obermühlhausener mit der Aktion nicht einverstanden. „Ganz in Ordnung ist das nicht“, findet Klaus Stedele aus der Ammersee-Gemeinde. Denn wie er sagt, sei es Brauch unter den Vereinen in der Gegend, dass beim Maibaumklau nichts beschädigt werden darf, weder am Stamm noch am Aufbewahrungsort. Das bestätigt der Brucker Kreisheimatpfleger Toni Drexler: „Sachbeschädigungen sind tabu. Auf keinen Fall darf man etwas aufbrechen – das Einsperren rechtfertigt das nicht.“ Durch das Brauchtum sei so ein Vorgehen nicht gedeckt.

Der Mammendorfer Burschenschriftführer Giggenbach kontert: „Eigentlich sollte man den Baum nicht einsperren, sondern bewachen.“ Er bedauert, dass heute immer mehr Vereine Alarmanlagen oder Bewegungsmelder installieren. „Man muss ein paar Tricks anwenden, sonst kann man ja gar keinen Baum mehr klauen.“

Das sagen die Heimatpfleger

Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler betont, dass die Regeln für den Maibaumklau nirgendwo festgeschrieben sind. Früher habe es sich um einen Alltagsbrauch gehandelt, dass der Baum in den ohnehin nicht besonders langen landwirtschaftlichen Hallen untergebracht wurde, wo er an den Enden sichtbar herausragte. Die Burschen hätten dann den Baum nächtelang bewacht. Ihn dagegen einfach nur einzuschließen, wie es heute oft der Fall ist, findet der Bezirksheimatpfleger „phantasielos“. Gewaltanwendung sei aber natürlich trotzdem verboten. Dem Brauchtum widersprächen das Anschließen wie das Aufbrechen gleichermaßen. Deshalb sagt der Experte: „Hier geht das Brauchtum dem Ende zu.“

Toni Drexler

So eine große Sache wollen die Mammendorfer daraus nicht machen. Weil sie ein neues Schloss zurückließen, sieht Rainer Giggenbach in der Aktion kein Problem. Auf die Verhandlungen zur Auslöse heute freut er sich schon. „Die Obermühlhausener machen einen sehr netten Eindruck, deshalb wird das Treffen wohl eher entspannt.“

Für die Obermühlhausener steht hingegen fest: Das aufgebrochene Schloss wird sicherlich bei den Gesprächen thematisiert. „Ein Schuss vor den Bug muss schon sein“, so Klaus Stedele vom Skiclub. Natürlich würden sich die Obermühlhausener die Vorschläge aus Mammendorf anhören. „Aber ihr Vorgehen war nicht in Ordnung.“ Das könnte nun auch die Höhe der Auslöse beeinträchtigen.

Die Coups der Mammendorfer

Im Jahr 2006 fiel der Maibaum aus Riederau (Landkreis Landsberg am Lech) den Mammendorfer Burschen zum Opfer. Den 28 Meter langen Stamm fanden sie unbewacht in einer Halle, daraufhin kam er per Maibaumwagerl nach Mammendorf. Eine Schlappe erlitten die Mammendorfer Burschen im Jahr2011: Zwar gelang es ihnen, den Baum zur Mittagszeit aus einer Halle zu holen. Dabei wurden sie aber entdeckt. Die Hattenhofener Burschen stellten die Diebe noch vor der Ortsgrenze. Um Streit zu vermeiden, durften die Mammendorfer den Baum für einen Tag mitnehmen, später gab es gegenseitige Einladungen zur Brotzeit. Zuletzt gelang den Mammendorfern im Jahr 2013 ein Diebstahl. Der Baum stammte aus Hausen bei Geltendorf. Weil die Mammendorfer selbst nur jedes zweite Jahr einen Baum aufstellen, wurden sie damals von den Hausenern zu deren Feier am ersten Mai eingeladen.

Das darf man beim Maibaum-Klau

Die Regeln zum Maibaumklau sind nicht offiziell. Aus der Tradition überliefert sind aber einige Angaben. So darf ein Baum erst dann gestohlen werden, wenn er sich schon in einem Ort befindet. Ihn aus dem Wald zu nehmen, ist verboten. Genauso darf der Baum nicht mehr entwendet werden, wenn er einmal aufgestellt wurde – also nach dem 1. Mai. Der Diebstahl gilt erst als geglückt, wenn der Baum über die Ortsgrenze gebracht worden ist. Wenn davor einer der Bewacher die Hand auf den Stamm legt, gilt die Aktion als gescheitert. Der Stamm darf gestohlen werden, Baumschmuck hingegen nicht. Am Maibaum darf nichts beschädigt werden. Wenn ein Baum gestohlen wird, setzen sich Diebe und Bestohlene für Verhandlungen über die Auslöse zusammen. Wenn diese nicht zustande kommt, stellen die Diebe den geklauten Baum als „Schandbaum“ im eigenen Ort auf.

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