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Lebt seit 2015 in Germering: Der aus dem Irak geflüchtete Jalal A.

Spendenaktion

E-Rollstuhl soll ihm das Helfen erleichtern

Germering - Jalal A. lebt seit August 2015 in Germering. In der Gemeinschaftsunterkunft Don Bosco ist er ein unverzichtbarer Mittler zwischen den Kulturen. Er hilft, wo er nur kann – obwohl er im Rollstuhl sitzt. Ein neuer elektrischer wäre eine Erleichterung, von dem er bisher gar nicht wagte, auch nur zu träumen.

Der 45-jährige Iraker ist seit einem Terroranschlag in seiner ehemaligen Heimat querschnittsgelähmt. Zehn Jahre ist es her, dass er auf den Rollstuhl angewiesen ist. Bei dem Attentat wurde seine Schwester getötet, Jalal A. ist seither durch eine Schussverletzung auf den Rollstuhl angewiesen. Er musste sein altes Leben im Irak zurücklassen, musste flüchten.

Seit kurzem wird Jalal durch den ambulanten Dienst „Kultursensible Pflege“ in der Gemeinschaftsunterkunft in Don Bosco durch geschulte Kräfte versorgt. „Zuvor lebte er bereits eineinhalb Jahre dort, ohne pflegerische Versorgung und ohne dringend nötige Hilfsmittel“, erzählt Robert Gruber von der „Interessen Fairtretung Gesundheit, Pflege und Soziales“ (Igeps). Der Pflegedienst hat in den eigenen Reihen schon für Jalal Spenden gesammelt, denn: Mit seinem alten Rollstuhl kommt der 45-Jährige nur mühsam voran.

„Durch das private Engagement der Mitarbeiter wurde schon viel erreicht“, sagt Gruber. Neben der täglichen Pflege, wurde Jalal vom Landratsamt eine Wechseldruckmatratze und ein Toilettenstuhl genehmigt. Der Pflegedienst ließ dem Amt dafür eine ausführliche Stellungnahme zukommen. „Seine Gesamtsituation hat sich seither wesentlich verbessert“, freut sich Robert Gruber.

Wegen seines ehrenamtlichen Engagements muss Jalal A. viele Behördengänge und damit oft auch weite Strecken zurücklegen. Nicht für sich wohlgemerkt, sondern für andere, die seiner Hilfe bedürfen um sich in der neuen Heimat zurecht zu finden. Sein alter, damals ebenfalls gespendeter gebrauchter Rolli, ist längst nicht mehr intakt. „Wir würden Jalal so gerne eine Freude machen und ihm einen elektrischen Rollstuhl zukommen lassen“, sagen die Vertreter der Igeps. Sie wissen um die Bescheidenheit ihres Schützlings. Doch selbst für einen gebrauchten Elektro-Rolli fehlen ihnen noch rund 2000 Euro.

Seit Jalal in Germering wohnt, ist er täglich als Mittler zwischen den Kulturen in der Gemeinschaftsunterkunft gefragt und unterwegs. Er spricht vier Sprachen (Arabisch, Kurdisch, Farsi/Dari und Englisch) und nach einem Integrations-Kurs bei Mukule, mittlerweile auch sehr gut Deutsch.

„Neben seinen sprachlichen Fähigkeiten kann er die allgemeine Stimmung und die Bedürfnisse der Bewohner der Unterkunft sehr gut einschätzen“, berichtet der städtische Integrationsbeauftragte Manuel Leupold.

Für Jalal ist sein ehrenamtliches Engagement trotz seines körperlichen Handicaps völlig selbstverständlich. Er sagt: „Ich bin so dankbar hier sein zu dürfen; in Germering kann ich endlich wieder ruhig schlafen und muss keine Angst mehr um mein Leben haben.“

Mit seinem Handicap hatte Jalal in seiner Heimat trotz Hochschulabschluss keine Zukunft, denn: „Behinderte Menschen werden im Irak nicht in die Gemeinschaft integriert, sondern eher verspottet – es ist für uns kaum möglich, Arbeit zu finden“, berichtet er. Umso dankbarer hilft er als Minijobber in seiner neuen Heimat mit: Bei der Essensausgabe der Tafel, bei der Germeringer Insel, in der Kleiderkammer und natürlich als Übersetzer. Und immer dort, wo ein Gespür für Zwischenmenschlichkeit gefragt ist, oder Leidensgenossen aus aller Herren Länder über das „ganz normale“ Leben in Deutschland informierte werden müssen.

„Da kommt es schon vor, dass ich mitten in der Nacht von Bewohnern der Unterkunft um Unterstützung gebeten werde – aber ich helfe immer gern“, sagt Jalal mit einem Lächeln. Durch sein aufrichtiges Zutun hilft er: Er weiß, wie es ist, wenn man seine Heimat verlassen und anderswo neu und bei Null anfangen muss. Und er hat eines nicht verlernt oder vergessen: „Ich möchte Danke sagen: Danke Deutschland, Danke Germering, dass ich hier eine offene Tür fand; ich werde mein Bestes tun für dieses Land, das zu meiner neuen Familie, zu meiner zweiten Heimat geworden ist.“ Wenn man ihm in die Augen schaut, sieht man, dass er es von Herzen ehrlich meint.

Angi Kiener

Die Spendenkonten:

Sparkasse Bruck IBAN: DE23700530700008128126 BIC: BYLADEM1FFB

VR-Bank Bruck IBAN: DE93701633700000037788 BIC: GENODEF1FFB

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