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Ein Gebälk aus Tannen und Fichten aus dem 18. Jahrhundert: Der Pfarrstadl ist aufwändig renoviert worden. Pfarrer Josef Heiß blickt vom Dachgeschoss durch die Glasdecke hinab.

An Silvester ist die Einweihung

Der Aufkirchener Pfarrstadl – ein Juwel aus Holz und Glas

Es war eines der größten Projekte im Gemeindegebiet Egenhofens: der fünf Millionen Euro teure Um- und Ausbau des Aufkirchner Pfarrstadls. Das Ergebnis ist ein grandioses architektonisches Kleinod, das die Pfarrgemeinde prägen wird.

Dr. Josua Käshammer zeigt einen alten Pfosten. Untersuchungen haben ergeben, dass der Trakt um 1834 errichtet worden ist.

Aufkirchen – Es ist ein großes Wort und doch war es selten so angebracht: Der neue Aufkirchner Pfarrstadl ist ein Jahrhundertwerk. Eigentlich sogar ein Vierteljahrtausendwerk. Denn sein Gebälk besteht aus dem Holz von Fichten und Tannen, die Mitte des 18. Jahrhunderts gepflanzt wurden. Ihr modernes Gegenstück ist eine filigrane Hightech-Glas- und Stahlkonstruktion, die das Innere durchzieht und von allen Seiten Licht in das rund 8000 Kubikmeter umschließende Gebäude fallen lässt. Von außen wirkt es solide-altbayerisch, jedoch keineswegs protzig.

Von innen wirkt es leicht, beschwingt fast, mit vielen sakralen Elementen, die aber nicht Ehrfurcht einflößen, sondern zum Leben und Erleben in dem barrierefreien Bauwerk einladen. Sein Herzstück ist der helle Pfarrsaal, ein 114 Quadratmeter großer Raum im Erdgeschoss, der problemlos mit einem Rollstuhl zu erreichen ist. An der Nordwand ist ein bescheiden wirkendes Kruzifix angebracht, ein sakrales Kunstwerk, wie sich bei näherer Betrachtung herausstellt, geschaffen vom renommierten Ebersberger Bildhauer Matthias Larasser-Bergmeister: Es ist kein leidender Christus am Kreuz, sondern ein gekrönter König, der seine Mitmenschen mit ausgebreiteten Armen zu segnen scheint.

Das Spiel mit Werkstoffen, Licht und Blick in die Welt ist gestaltendes Element

Im heutigen Pfarrstadl waren früher Pferde, Rinder und Schweine untergebracht. Er diente auch als Lager für Heu, Getreide und Kartoffeln. Ein Teil wurde als Remise für die Fuhrwagen der Pfarrökonomie genutzt.

Spektakulär ist der Luftraum über dem Saal: Der Blick führt durch eine Glasdecke hinauf in den Dachstuhl, und durch eingelassene Glasscheiben bis in den Himmel – die menschliche Kunstfertigkeit wird sinnbildlich transzendiert durch die Größe der Schöpfung. Dieses Spiel mit Werkstoffen, Licht und Blick in die Welt ist auf allen Stockwerken und vielen Räumen das gestaltende Element. Ob im Sitzungszimmer (48 Quadratmeter), im Chorübungsraum (69 Quadratmeter) oder im Jugendraum (44 Quadratmeter).

Einzigartig ist die 40 Quadratmeter große Empore, von der man in den Pfarrsaal blicken kann. Noch beeindruckender ist der (noch) nicht ausgebaute Speicher direkt unter dem offenen Dachstuhl. „Ein Ausbau wäre kostspielig wegen der erforderlichen Wärmedämmungsmaßnahmen“, berichtet Dr. Josua Käshammer, der das Projekt von Seiten der Kirchenverwaltung Aufkirchen betreute. „Außerdem brauchen wir den Raum nicht“, ergänzt Pfarrer Josef Heiß.

Errichtet wurde der dreiflügelige Trakt wohl um 1834, wie Untersuchungen des verwendeten Bauholzes ergeben haben. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten gezeigt, dass die verwendeten Fichtenstämme zwischen 1750 und 1834 gewachsen wären, berichtet Dr. Käshammer. Im Gebäude waren Pferde, Rinder und Schweine untergebracht. Zudem wurden Heu, Getreide und Kartoffeln gelagert, ein Teil diente als Remise für die Fuhrwagen der Pfarrökonomie – einer der größten regionalen landwirtschaftlichen Betriebe gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Der Pfarrstadl steht der Pfarrgemeinde und für kirchliche Zwecke zur Verfügung

Von der Empore aus bietet sich ein beeindruckender Blick in die Tiefe hinab. Alle Räume des Pfarrstadls sind behindertengerecht ausgebaut und ohne Schwierigkeiten mit dem Rollstuhl zu erreichen.

Vor 33 Jahren war der Abbruch schon beschlossene Sache, als die Brucker Denkmalschutzbehörde im letzten Moment eingriff und das Bauwerk unter Denkmalschutz stellte. 1995 wurde der Kindergarten im Westflügel eingeweiht, ab 2007 intensiv an einem Nutzungskonzept des Restgebäudes als Pfarrheim gearbeitet. Es folgten jahrelange Diskussionen, bis das Landesamt für Denkmalpflege im Jahre 2012 die Pläne des Münchner Architekten Benno Bauer absegnete. Als die Finanzierung feststand, ging es in die Detailplanung.

Der erste Spatenstich erfolgte im Mai 2015, der ursprünglich avisierte Eröffnungstermin wurde nur um wenige Wochen verfehlt. „Viele öffentliche Bauherren würden sich über solch eine Terminierung freuen“, sagt Pfarrer Heiß und lacht. In erster Linie würden die Räumlichkeiten der Pfarrgemeinde zur Verfügung stehen und für „kirchliche Zwecke“ genutzt, betont der Seelsorger. Vielleicht, um anderweitigen Begehrlichkeiten entgegenzuwirken. Er betont außerdem: „Wir wollen und werden nicht zu den lokalen gastronomischen Betrieben in Konkurrenz treten.“

Am Silvester-Sonntag wird aber erst einmal gefeiert. Dr. Käshammer kündigt an: „Bevor nicht der Letzte geht, sperren wir nicht zu.“

Alles rund um den Um- und Ausbau des Aufkirchner Pfarrstadls

  • Umbaute Fläche (ohne Garagengebäude): 1230 Quadratmeter
  • Garagengebäude (mit öffentlichem WC): 63 Quadratmeter
  • Freiflächen: 1040 Quadratmeter (darunter Parkplatz Nordseite für 32 Fahrzeuge)
  • Planungszeit: zehn Jahre
  • Bauzeit: Mai 2015 bis Dezember 2017
  • Gesamtkosten: 5,05 Millionen Euro (geplant: 3,7 Millionen Euro)
  • Zuschuss Erzdiözese: 4,84 Millionen Euro
  • Eigenbeteiligung Kirchenstiftung St. Georg Aufkirchen 210 000 Euro
  • Zuschuss Gemeinde: 100 000 Euro
  • Zuschuss Bezirk von Oberbayern: 50 000 Euro
  • Zuschuss Landkreis: 30 000 Euro
  • Zuschuss Bayerische Landesstiftung: 10 000 Euro
  • Zuschuss Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: 5000 Euro

Das Programm am Silvestertag im Aufkirchner Pfarrstadl

  • 10 Uhr bis 11 Uhr: Gottesdienst St. Georg
  • 11 Uhr bis 12 Uhr: kleiner Festakt im neuen Pfarrsaal; musikalische Begleitung: Bläsergruppe, Liederkranz Aufkirchen
  • 12 Uhr Mittagessen
  • ab 13 Uhr: stündliche Führungen durch das Gebäude vom Keller bis zum Dachgeschoss
  • parallel: durchlaufende Diashow im Pfarrsaal

von Horst Kramer

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