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Wohnzimmer-Idylle im Deutschland der Nachkriegszeit: Besonders wichtig war damals das Radio. TV-Geräte hatten nur die wenigsten.

Ausstellung in der Furthmühle 

So lebte man in den 1950er-Jahren

In der Furthmühle zeigt eine Ausstellung, wie die Menschen in unserer Region in den 1950er-Jahren gelebt haben. Ein Besuch noch vor dem Corona-Shutdown.

Egenhofen– Ein röhrender Hirsch begrüßt die Besucher. Ein typisches Motiv vieler Gemälde, die Mitte des vorigen Jahrhunderts in bayerischen Wohnzimmern hingen. Er thront über einer riesigen Radiotruhe von Grundig. Davor stehen zwei unbequeme Polstersessel und ein echter Nierentisch. Wir sind in den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts angekommen – den Jugendjahren der Bundesrepublik Deutschland. Das Ensemble ist Teil einer aktuellen Ausstellung in der Furthmühle, deren Eröffnung eigentlich für den 26. März vorgesehen war. Ihr Titel: „Die 50er-Jahre – Wirtschaftswunder und Verdrängung“.

Bis zum 19. März legten Ehrenamtliche des Furthmühlen-Fördervereins Hand an den Exponaten an. Einen Tag später verkündete Ministerpräsident Markus Söder die Ausgangsbeschränkungen für den Freistaat. „Die Einladungen zur Eröffnung waren schon vorher gedruckt“, berichtet Korinna Konietschke, die Vorsitzende des Furthmühlenvereins. „Wir sind gespannt, wann wir die ersten Besucher begrüßen dürfen.“

Dem Verein ist es mit der Ausstellung gelungen, eine vergangene Epoche in der Furthmühle lebendig werden zu lassen. Wesentlichen Anteil hat dabei die Geschichtswerkstatt im Landkreis Dachau, die unter der Leitung der Sulzemooser Historikerin Annegret Braun die Schau konzipierte. Das FurthmühlenTeam hat es um Informationen aus dem Brucker Land und zahlreiche Ausstellungsstücke ergänzt.

Besonders ins Auge fällt die Mode der 1950er-Jahre. Etwa ein luftiges Sommerkleid mit roten Punkten, wie es Liselotte Pulver in der Kalten-Kriegskomödie „1, 2, 3“ von Billy Wilder getragen hat. Oder ein Glockenrock, den Sängerin und Schauspielerin Conny Froboess getragen haben könnte. Gemeinsam mit Peter Kraus, dem „deutschen Elvis“, drehte sie Filme für die große Leinwand. Beide waren damals Kino-Stars. TV-Geräte waren auch noch eine Seltenheit: Im Jahre 1955 waren in ganz Bayern gerade einmal 3041 Geräte angemeldet.

Ging man in den Städten ins Kino, in Cafés oder zum Tanzen, lebte man auf dem Land deutlich einfacher. Der Alltag war hart. So begann der Arbeitstag einer Bauernfamilie um vier Uhr morgens – wie es auf einer der Egenhofener Tafeln heißt. Traktoren konnten sich die wenigsten Landwirte leisten. Frauen waren meilenweit von Gleichberechtigung entfernt: Bis 1957 hatte allein der Ehemann das Sagen über Wohnort, Kindererziehung und Berufstätigkeit der Ehefrau. Bis 1953 galt sogar eine Zölibatspflicht für Lehrerinnen und Beamtinnen. Wer dagegen verstieß, wurde entlassen und verlor die Pensionsansprüche.

Die Ausstellung ist keine Nostalgieschau, die Macher betreiben keine Verklärung des ersten Jahrzehnts der jungen Bundesrepublik. Dennoch muss man immer wieder schmunzeln. Über die Käthe-Kruse-Puppen und Kinderbücher wie „Petzi trifft Ursula“, über die Sissi-Filmplakate und die vielen Fotos aus dem Brucker Land. Und auch über Werbesprüche wie: „Das neue Suwa wäscht noch weißer als das alte Suwa“.

Für Fußballfans gibt es zudem ein besonderes Schmankerl: Ein Schwarz-Weiß-Heft über die „Helden von Bern“, das Weltmeisterteam von 1954. Mit Porträts der Kicker und bebilderten Spielberichten zu den Partien, in dem genau die 2-3-5-Formationen von Bundestrainer Sepp Herberger erklärt werden. Die Zahlen stehen für zwei Verteidiger, drei Läufer und fünf Angreifer, die sich aus zwei Außenstürmern, dem Mittelstürmer und zwei „Halbstürmern“ addieren.

Die Ausstellung kann derzeit wegen der Corona-Krise nicht besucht werden. „Sobald es aber möglich ist, holen wir die Eröffnung nach“, so Konietschke. Geplant ist, dass die Schau bis 22. November zu sehen sein soll. Weitere Informationen gibt es im Internet auf www.foerderverein-furthmuehle.de

von Horst Kramer 

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