Die Westseite des Büchlerstadls ist seit einigen Monaten gesichert. Nun muss ringsum ein Absperrgerüst aufgestellt werden.

In Unterschweinbach

Büchlerstadl: Ein Stück  Ortsgeschichte wird abgerissen

Seit Jahren schiebt der Gemeinderat das Thema vor sich her – jetzt ging es ruckzuck: Der Abriss des Büchlerstadls in der Unterschweinbacher Ortsmitte ist beschlossene Sache.

Egenhofen – So voll war der Sitzungssaal in den vergangenen Jahren noch nie: Rund 50 Bürger drängelten sich auf den Besucherplätzen. Der Anlass: Auf der Tagesordnung stand der Abbruch des Büchlerstadls, eines traditionsreichen Gebäudes. Es wurde vielfältig genutzt im Laufe der vergangenen 100 Jahre – erbaut wurde es mutmaßlich 1910. Unter anderem diente es als Rathaus der damals noch selbstständigen Gemeinde Unterschweinbach. In der jüngeren Vergangenheit wurde es vornehmlich von der Unterschweinbacher Feuerwehr und Vereinen wie dem Schützenverein genutzt.

Fehlende Schindeln, moderndes Holz – der Nordost-Giebel des Büchlerstadls.

Seit Jahren weist Bürgermeister Josef Nefele (BGE) immer wieder darauf hin, dass das Gebäude eine Gefahrenquelle darstellt, zum Beispiel durch herunterfallende Ziegel. Seit Monaten ist das Haus teilweise von einem Absperrgerüst umgeben. Doch zu einem Abriss konnten sich bis dato weder der Ortsvorsteher noch die Ortsvertreter durchringen. Nicht zuletzt, weil das Ende des Büchlerstadls mit der Neugestaltung der Dorfmitte und mit dem Bau eines neuen Rathauses zusammenhängt.

Kein Einzelfall: verschobene und lockere Schindeln auf der Ostseite des Dachs. Fotos: Kramer

Zuletzt hatte ein Baufachmann den Zustand des Stadls untersucht. Das Urteil von Ingenieur Gerhard Stenzel fällt vernichtend aus. Er hat verfaulende Dachlatten und Sparren entdeckt. Sein Fazit: „Auch ohne Windeinwirkung können einzelne Ziegel herabfallen. Bei Sturm besteht die Gefahr, dass größere Teile des Daches abgedeckt werden.“ Um das gesamte Gebäude sei ein Sicherheitsbereich von zehn Metern zu schaffen, für die weitere Nutzung des südlichen Erdgeschosses sei ein „Fußgänger-Schutztunnel“ oder Gerüst zu errichten. Stenzel folgert: „Falls keine baldige Instandsetzung erfolgt, sollte das Gebäude innerhalb eines Jahres abgerissen werden.“

Nefele hatte den Stadl zudem mit dem Dach-Experten Konrad Schräfl besichtigt. Nefele zitierte den Egenhofener mit den Worten: So ein schlechtes Dach hätte er noch nie gesehen.

Peter Kiser (CSU) war über das kurzfristige Verfahren nicht glücklich: „Warum geht das jetzt so schnell? Wir haben keine Möglichkeit mehr, darüber zu reden.“ Hans Kappelmeir (BGE) wandte ein: „Wir wissen seit Jahren, dass der Stadl abgerissen werden muss.“ Toni Schräfl (WGE) schlug vor, die Zeit bis zum Abbruch für Gespräche mit den Vereinen zu nutzen.

Nefele wies auf das Haftungsrisiko hin, dass er zu tragen habe. Nichtsdestotrotz sagte er zu, dass der Schützenverein seine Saison zu Ende bestreiten könne. Zudem stehe den Schützen ein Ausgleich für ihre einst erbrachten Leistungen beim Umbau des Gebäudes zu. Das Ortsparlament stimmte dem mit großer Mehrheit zu, nur die CSU votierte dagegen.

Bis der Büchlerstadl vom Erdboden verschwindet, wird allerdings noch eine Zeit vergehen. Erst muss eine Abrissgenehmigung vom Landratsamt her, anschließend muss die Maßnahme ausgeschrieben und der Auftrag vergeben werden. (kra)

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