Bürgerversammlung 

Bürgermeister kritisiert Heimatminister

Josef Nefele hat bei der Bürgerversammlung in Oberweikertshofen eine positive Bilanz vorgelegt. Gleichzeitig stichelte Egenhofens Rathauschef gegen die Landes- und Landkreisregierung.

Oberweikertshofen – Der brechend volle Saal im Sportheim ließ einen spannenden Ablauf erwarten. Doch bis auf bei einem Thema – der Abbruch einer Brücke über den Freigraben südlich von Egenhofen (siehe Kasten) – blieb die Stimmung entspannt. Bürgermeister Josef Nefele (BGE) und sein Amtsleiter Robert Köll hatten schon einen großen Aufreger im Vorfeld der Bürgerversammlung besprochen: die Unterbringung der Unterschweinbacher Vereine nach dem anstehenden Abriss des Büchlerstadls.

Im Vorfeld der Bürgerversammlung hatte Nefele die Vereinsvorstände ins Rathaus geladen und die geplante Gemeinderatssitzung ins Wasser fallen lassen. Stattdessen hörte er sich die Sorgen, Nöte und Ideen der Unterschweinbacher an. Dabei unterbreitete er erneut seinen Vorschlag, das jetzige Rathaus zu einem Bürger- und Vereinshaus umzufunktionieren. „Die Stimmung hat sich danach beruhigt“, berichteten die Unterschweinbacher übereinstimmend.

Nefele spulte sein Bürgerversammlungsprogramm routiniert ab. Er nannte die aktuellen Wachstumszahlen (Bevölkerung: plus 1,8 Prozent auf 3534 Einwohner zum 31. Dezember, Haushalt: plus 26 Prozent auf 9,2 Millionen Euro), um schließlich bei der wichtigsten Erfolgsziffer zu landen: „Die Gemeinde Egenhofen war zum 31. Dezember schuldenfrei und ist es natürlich auch weiterhin.“

Bürgermeister Nefele stichelte trotzdem gegen die ständig wachsenden Kosten der Kreisumlage (plus zehn Prozent auf 1,6 Millionen Euro). „Früher wurde im Kreistag um jeden Bruchteil eines Prozentpunktes gestritten, das ist inzwischen nicht mehr so.“ Wobei die Umlage 2016 bei 49,9 Punkten lag – heuer sind es nur 0,1 Punkte mehr.

Der Bürgermeister stellte den Stand der Dinge bei vielen laufenden Maßnahmen dar, wie die brandschutztechnische Ertüchtigung der Grundschule, die Ortsdurchfahrt in Wenigmünchen oder die Restaurierung der Nepomuk-Kapelle. Er mokierte sich zwar über die vielen Denkmalschutzauflagen für die kleine Kirche, meinte aber auch: „Ich bin sicher, die Kapelle wird einmal ein Schmuckstück werden.“

Beim Blick in die Zukunft kam der Bürgermeister auf den geplanten Rathaus-Neubau samt Unterschweinbacher Dorferneuerung zu sprechen. Erst werde es ein 3D-Modell geben, dann über den Bau und die Finanzierung im Gemeinderat beraten. Als Nefele auf die Erweiterung des Gewerbegebiets an der Unterschweinbacher Boschstraße zu sprechen kam – die Kommune hat dort 26 000 Quadratmeter Grund erworben – schoss er gegen die von CSU-Minister Markus Söder propagierte Aufweichung des so genannten Anbindungsgebots, das die Ansiedlung von Gewerbe auf der „grünen Wiese“ erschwere: „Damit werden die Grundstückspreise weiter steigen.“ Was nicht nur zu einem Problem für Landwirte werde, sondern auch für die Umwelt. „Jedes Jahr wird in Bayern eine Fläche so groß wie der Starnberger See zubetoniert.“

Hinsichtlich des geplanten neuen Wertstoffhofes betonte der Rathaus-Chef: „Der Landkreis baut diesen Hof ohne sich um die Abwasserentsorgung zu kümmern. Das ist wie im Mittelalter!“ Außerdem monierte er die geringe Zahl der Pkw-Stellplätze und die Kollision der Zufahrtswege mit dem Fahrradweg-Projekt „Ring der Regionen“, der ausgerechnet am Wertstoffhof vorbeiführt. „Ich habe den Landrat gebeten, die Planungen zu überdenken.“

Für Bürger, die genervt sind vom Verkehr in der Gemeinde, hatte Bürgermeister Nefele auch noch ein Zuckerl dabei: Die Gemeinde hat ein hochmodernes Geschwindigkeitsmessgerät gekauft, mit dem auch Verkehrszählungen durchgeführt werden können; zum Beispiel am Gartenfeld in Aufkirchen.

Nach rund 90 Minuten beendete Rathauschef Josef Nefele seine Ausführungen, bei den anschließenden Fragen stand die Brücke über den Freigraben im Mittelpunkt der Versammlung. (kra)

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