Ein erfahrener Schmied könnte damit sofort loslegen. Albert Aumüller
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Ein erfahrener Schmied könnte damit sofort loslegen. Albert Aumüller

Furthmühle

Dieser Schmiede-Raum atmet Geschichte

Geht man durch einen engen Durchgang in einen kleinem Raum im Erdgeschoss der Furthmühle, dann entdeckt man etwas Besonderes: eine Feldschmiede aus dem Ersten Weltkrieg, die auch noch voll funktionsfähig ist. Doch auch der Raum selbst atmet Geschichte.

Zuerst befand sich dort eine Rußküche, in der über offenen Feuer gekocht und geräuchert wurde. Noch heute zeugen Rußspuren an der Decke davon. Nachdem die Mühle Mitte des 19. Jahrhunderts umgebaut worden war, wurde ein Backofen eingebaut. „Diesen hat noch meine Oma zum Brotbacken verwendet“, erzählt Albert Aumüller, dem die Mühle gehört. Sein Großvater entfernte den Ofen wieder und richtete in dem feuerfesten Raum die Schmiede ein. „Das war wohl in den 1950er-Jahren“, schätzt Aumüller.

Noch heute ist dort der 64 Kilogramm schwere, transportable Feldschmiedeamboss und der per Fußpedal betriebene Blasebalg aus dem Ersten Weltkrieg zu sehen. Dieser wurde von dem Müllermeister bereits 1920 bei einer Versteigerung von Heeresbeständen in München gekauft. Noch heute ist an der immer noch voll funktionsfähigen Schmiedeausrüstung Tarnfarbe aus dem Heereseinsatz zu erkennen.

„Auf diesem Amboss hat mein Großvater über die Jahre viele Maschinenteile geschmiedet, die noch heute in der Mühle verbaut sind,“, erzählt Albert Aumüller. Die dafür nötigen Fähigkeiten habe sein Großvater auf Wanderungen in der Schweiz erworben. „Die traditionelle Wanderschaft war bei Müllern für die Aus- und Weiterbildung sehr wichtig“, erklärt Aumüller. Bevor der Amboss in die kleine Rußkammer kam, sei er vermutlich jahrzehntelang im Freien genutzt worden. Und trotz allem sei der mehr als 100 Jahre alte Blasebalg auch heute noch voll funktionsfähig. „Ein erfahrener Schmied könnte damit sofort loslegen,“ so Aumüller.

Besucher des Mühlenmuseums können den Schmiede-Raum nur von Außen betrachten. „Er ist leider zu klein, eine Gruppe passt da einfach nicht hinein“, erklärt Aumüller. SVEN BEHRENS

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