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Kommunalwahl 2020

Egenhofen bekommt einen hauptamtlichen Bürgermeister

Ab 2020 wird es in Egenhofen einen hauptamtlichen Bürgermeister geben. Das beschloss der Gemeinderat. Amtsleiter Robert Köll könnte sich vorstellen, diese Stelle zu besetzen.

Egenhofen – Nach nur sechs Minuten Beratung beschloss der Gemeinderat am Montagabend, dass die Gemeinde Egenhofen ab dem 1. Mai des kommenden Jahres von einem hauptamtlichen Bürgermeister regiert wird, also von einem Rathauschef, der bei der Kommune als Beamter auf Zeit angestellt ist – zumindest bis zum Ende der Wahlperiode 2026. Das bedeutet wegen der dann geltenden Altersgrenze auch, dass Josef Nefele nicht mehr antreten kann.

Amtsleiter Robert Köll wird seit Wochen als ein potenzieller Kandidat für den Job gehandelt. Am Dienstag äußerte er sich gegenüber dem Tagblatt erstmals öffentlich zu der Frage, ob er überhaupt Interesse hätte: „Wenn mich eine Gruppierung fragen würde, dann Ja“, lautete Kölls eindeutige Antwort.

Bürgermeister Josef Nefele bekommt einen hauptamtlichen Nachfolger.

Welche Gruppierung das sein könnte, dazu will sich der Amtschef und Kämmerer nicht äußern. Doch es ist ein offenes Geheimnis, dass die Bürgervereinigung Gesamtgemeinde Egenhofen (BGE) mit dem Gedanken spielt, die rechte Hand von Amtsinhaber Josef Nefele (BGE) zu unterstützen. Andere Gruppierungen könnten folgen.

Bis dato waren und sind die Egenhofener Bürgermeister ehrenamtlich tätig, so auch Nefele. Die Professionalisierung der Stelle wird seit Jahren heftig diskutiert. Insofern kam die schnelle Einigung am Montag überraschend, hatten doch noch beim Februartreffen mehrere Mitglieder des Gremiums ernsthafte Bedenken vorgebracht. Der Einzige, der sich diesmal zu Wort meldete und gegen ein verbeamtetes Ortsoberhaupt argumentierte, war Hans Langwieder (CSU). „Wir haben nicht die Größe wie Alling oder Moorenweis, um einen hauptamtlichen Bürgermeister einzuführen“, meinte der Unterschweinbacher.

Beide Kommunen haben hauptamtliche Rathaus-Chefs: In Alling leben rund 4000 Menschen, in Moorenweis zirka 4100 – in Egenhofen dagegen nur 3500. Langwieder fuhr fort: Die digitalen Technologien erforderten nicht mehr die ständige Präsenz eines Bürgermeisters im Rathaus, dessen Stellvertreter könnten zudem das gewählte Oberhaupt entlasten. „Außerdem verfügen wir über eine hervorragende Verwaltung“, lobte Langwieder.

Eine Verwaltung, die sowieso verstärkt werden sollte. „Für den Fall, dass jemand aus der Verwaltung für das Amt kandidiert, muss ein Ersatz eingestellt werden“, gab der Unterschweinbacher zu bedenken. Er kalkulierte die Gesamtkosten für einen verbeamteten Bürgermeister, einen neuen Verwaltungsexperten sowie eine zusätzliche Assistentenstelle auf rund 840 000 Euro für die kompletten fünf Jahre. Eine Zahl, die Amtsleiter Robert Köll nicht nachvollziehen konnte. Vor vier Wochen war von rund 120 000 Euro jährlich (mit Versorgungsaufwendungen) für einen verbeamteten Bürgermeister die Rede, also 600 000 Euro für die Legislaturperiode.

Ein Amtsleiter wird nach dem Bayerischen Besoldungsgesetz bezahlt und verdient je nach Stufe zwischen 3500 Euro und 4500 Euro im Monat, also pro Jahr um die 52 000 Euro (ohne Versorgung). Eine weitere (nicht-verbeamtete) Expertenstelle würde laut Rathauschef Josef Nefele (BGE) wohl bei 70 000 Euro jährlich liegen.

Gegenüber dem Tagblatt stellte Köll klar: „Die Kosten für diese beiden Rathausstellen darf man bei der Berechnung der Kosten eines hauptamtlichen Bürgermeisters nicht miteinbeziehen, weil sie ja sowieso anfallen.“ Langwieder sprach den Amtschef in der Sitzung direkt an: „Wenn Du, Köll, kandidieren würdest“ – weiter kam der CSU-Mann nicht, denn Nefele fiel ihm ins Wort: „Wir machen hier keine Wahlveranstaltung, hier geht es nur um Zahlen.“

Uschi Hackl (BGE) widersprach: „Wir sollten nicht nur über Zahlen reden, schließlich geht es um die Zukunft der Gemeinde.“ Und für die bedürfe es eines Profis. Der Bürgermeister ließ schließlich über das Thema abstimmen: Elf Ratsmitglieder sprachen sich für ein hauptamtliches Rathausoberhaupt aus. Vier Gegenstimmten kamen von den beiden CSU-Vertretern Hans Langwieder und Georg Strasser sowie von Thomas Wieser (WGE) und vom fraktionslosen Martin Obermeier. (Horst Kramer)

Auch interessant: Die Kommunalwahl 2020 in der Region Fürstenfeldbruck

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