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Auf der Honda:  Seinen Polit-Ruhestand will Josef Nefele auch im Sattel seiner Honda F6C, ein 16 Jahre altes Liebhaberstück, genießen.

Nach der Wahl

Egenhofens Bürgermeister nimmt Abschied: „Ich will jetzt leben und genießen“

 In der Gemeinde ist eine Ära zu Ende gegangen: Nach 24 Jahren als Bürgermeister hat sich Josef Nefele (70) heuer nicht mehr zur Wahl gestellt.

Egenhofen – Zusammen mit Adelshofens Rathauschef Michael Raith war er der dienstälteste Bürgermeister im Landkreis. Insgesamt kann Nefele auf 51 Jahre ehrenamtlicher Tätigkeit zurückblicken – 36 davon in der Kommunalpolitik.

Seit 1. Mai ist er nun sozusagen in Polit-Rente. Wie hat er diese Zeit bisher verbracht? „Ich habe mein Arbeitszimmer aufgeräumt, Papiere geordnet, meine Motorräder geölt, bin mit meiner Frau geradelt. Außerdem haben wir im Garten gewerkelt“, erzählt Nefele. „Mir wird nicht langweilig.“

Nefeles ehrenamtliche und letztendlich auch politische Karriere begann beim SC Oberweikertshofen. Kurz nach dessen Gründung trat der jugendliche Nefele dem Verein bei. „Das war so 1962.“ Schon ab 1969 – als Zwanzigjähriger – fungierte er als Technischer Leiter. Nebenbei war er als Ringer beim TSV Gernlinden aktiv.

Alternative zur CSU

1984 zog er in den Egenhofener Gemeinderat ein. Zusammen mit Lorenz Binn hatte er zuvor die Bürgervereinigung Gesamtgemeinde Egenhofen (BGE) gegründet. Nach der Gebietsreform 1978 stellten sich ausschließlich Gruppierungen aus den einzelnen Ortsteilen zur Wahl, und die CSU. „Wir wollten den Wählern eine Alternative bieten“, erzählt Nefele. Vor allem eine Alternative zur CSU, daran lässt er keinen Zweifel.

Das mag auch einer der Hauptgründe für seine Bürgermeisterkandidatur im Jahr 1996 gewesen sein. Nefele hatte sich einen Ruf als tatkräftiger Macher erworben, durch den Bau der SCO-Anlage mit Sportheim und Halle. „Fast alles in Eigenleistung“, wie er betont. Sein Gegenspieler war Hans Langwieder junior, Landratsamtsbeamter und Sohn des ehemaligen Unterschweinbacher CSU-Ortsoberhaupts. Nefele gewann deutlich mit 55,4 Prozent, bei einer Wahlbeteiligung von mehr als 75 Prozent.

Die Infrastruktur in allen Ortsteilen, das Seniorenheim in Egenhofen, die Schule in Aufkirchen und die Kindergärten: Das waren Nefeles Kernanliegen als Bürgermeister, wie er sagt. Er zählt die zahlreichen Straßen-, Rad- und Gehwegprojekte auf, zudem den Anschluss an die Adelburggruppe.

Die Schule im Ort

Emotional wird der ehemalige Rathauschef, wenn er auf das Seniorenheim und die Grundschule zu sprechen kommt. „Wir mussten unbedingt unsere Grundschule wettbewerbsfähig machen. Die Schule bei uns im Ort zu halten, das war mir einfach wichtig.“ So kam es zum Ausbau des Schulgebäudes und schließlich zur Einführung der Mittagsbetreuung.

Vor einigen Jahren initiierte Nefele ein Begegnungsprojekt zwischen den Seniorenheim-Bewohnern und Siebtklässlern der Maisacher Mittelschule. „Wie Alt und Jung miteinander umgingen, dabei ging mir das Herz auf.“

Grundstückskauf

Eine weitere wichtige Konstante seiner Arbeit: das Vermögen der Gemeinde Egenhofen durch Grundstückserwerb zu mehren. Das ist ihm gelungen. Er übergab die Kommune an seinen Nachfolger Martin Obermeier (NLE) nicht nur schuldenfrei und mit einem dickem Finanzpolster von 2,3 Millionen Euro, sondern auch mit einem Bestand von rund 40 Grundstücken. Teilweise sind diese voll erschlossen. Deswegen ist Nefele um die Zukunft des Ortes nicht bange. Trotz Corona. „Wir werden uns schnell erholen“, ist er sich sicher.

Klar, dass der ehemalige Rathauschef das politische Geschehen in der Gemeinde, im Landkreis und der Welt weiter verfolgen wird. Allerdings nur noch als Zuschauer. Zum Beispiel vom Sattel seines Sechs-Zylinder-Motorrads aus, eine mächtige Honda F6C, oder auf Wohnmobiltour durch Deutschland mit seiner Frau Eleonore. Josef Nefele sagt über den neuen Abschnitt: „Ich will jetzt leben und genießen.“

Gelernter Maurer

Josef Nefele ist gelernter Maurer und unterrichtete drei Jahrzehnte lang am Bauindustrie-Zentrum in Stockdorf, als Ausbildungsleiter für Hoch- und Tiefbauberufe, Spezialgebiet Pflasterbau. Ende der 1990er-Jahre war er in Stockdorf sogar zwei Jahre kommissarischer Leiter. „Wenn ich gewusst hätte, dass ich eine derartige Karrierechance erhalte, wäre ich nie als Bürgermeister angetreten“, gesteht Nefele. „Lehren, das ist eigentlich mein Traumberuf.“ Die Industrie- und Handelskammer zeichnete ihn bei seinem Ausscheiden mit dem Goldenen Ehrenring aus. (Horst Kramer)

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