Martin Obermeier Bürgermeister von Egenhofen
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In seinem Element: Martin Obermeier entspannt sich vom Bürgermeister-Sein mit Hilfe der Ortsgeschichte. Gerade arbeitet er an der nächsten Ausgabe der „Egenhofener Geschichten“.

INTERVIEW-SERIE - Martin Obermeier über seine ersten Monate als Bürgermeister

Egenhofens neuer Bürgermeister: „Das hatte ich mir anders vorgestellt“

  • Eva Strauß
    VonEva Strauß
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Mit seiner Neuen Liste Egenhofen hat er es auf Anhieb in den Chefsessel im Rathaus geschafft: Martin Obermeier, erster hauptamtlicher Bürgermeister Egenhofens.

Egenhofen – Im Interview spricht der 62-Jährige über seine Pläne für die Flächengemeinde und verrät, warum er so gerne ratscht.

Herr Obermeier, haben Sie sich schon eingelebt?

Ja, auch wenn es wegen Corona anders war als gedacht. Vor allem das Thema Kommunikation mit den Bürgern, das mir sehr wichtig ist, wurde beeinträchtigt. Die ganzen Veranstaltungen sind ja ausgefallen. Die Kontakte sind einfach nicht mehr so wie vorher.

Abgesehen von Corona. Ist Bürgermeister-Sein so wie Sie es sich vorgestellt haben?

In manchen Sachen ja, in manchen nein. Aufgrund der vielen offenen Stellen im Rathaus, war meine erste Priorität, Personal zu gewinnen. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Diese Lücken beim Personal machen vieles schwieriger. Es geht ja nicht nur Fachkenntnis ab, sondern es fehlen schlicht und einfach Stunden. Derzeit sind es 120 in der Woche.

Macht es Ihnen trotzdem Spaß?

Ja, auch wenn es mit viel Stress verbunden ist. Ich versuche einfach, das Ganze abzuarbeiten.

Ihr Vorgänger, Josef Nefele, war 24 Jahre lang Bürgermeister. Das sind große Fußstapfen, in die sie getreten sind. Was wollen Sie anders machen?

Die Kommunikation mit den Bürgern, dem Gemeinderat und auch die innerhalb der Verwaltung. Das ist mir leider aufgrund der Personalsituation und der Pandemie bis jetzt noch nicht gelungen. Im Spätherbst/Winter ist eine Klausurtagung des Gemeinderates geplant. Schön ist, dass das öffentliche, soziale Leben in der Gemeinde wieder langsam hochfährt. Die ersten Termine stehen schon im Mitteilungsblatt. Ich freue mich, dass wieder Veranstaltungen sind, bei denen ich vorbei schauen kann. Und ich möchte natürlich auch andere Schwerpunkte als mein Vorgänger setzen, zum Beispiel beim Thema Wohnen.

Konkret heißt das?

Bisher haben wir immer nur reine Einfamilienhaussiedlungen geplant und gebaut. Ich glaube aber, dass Egenhofen auch kleine Wohneinheiten braucht, so dass auch unsere jungen Bürger etwas finden und vor allem auch bezahlen können. Im Laufe des nächsten Halbjahres entscheidet der Gemeinderat, wie das Neubaugebiet Poigern bebaut werden soll. Das ist eine gute Gelegenheit, kleinere Wohneinheiten zu schaffen.

Haben Sie denn noch Kontakt zu Herrn Nefele?

Ja. Von Zeit zu Zeit schaut er im Rathaus vorbei.

Wie reagieren die Egenhofener auf den neuen Rathauschef?

Nicht nur wegen der coronabedingten Einschränkungen bin ich mit dem Radl durch die Gemeinde gefahren, habe Senioren, den Kindergarten und die Feuerwehren besucht, um in Kontakt mit den Leuten zu kommen. So konnte ich die Egenhofener auch auf der Straße treffen. Und da schreit dann schon mal jemand „Martin, ich hab‘ da was für di“. Oder die Leute rufen mich im Rathaus an. Ich radel auch immer ins Rathaus oder zu Terminen. Mittlerweile habe ich über 1000 Kilometer zurückgelegt.

Die viele Arbeit in der Verwaltung und die Radltouren. Wie haben Sie das zeitlich unter einen Hut gekriegt?

Also, dass ich irgendwo hingehe, das gehört einfach zu mir (lacht). Ich bin jemand der gerne ratscht. Die Leute gehen beim Ratschen aus sich heraus und sagen auch mal eher, wo der Schuh drückt. Manche Information bekommt man auch oft erst im Laufe des Gesprächs. Manchmal braucht es auch mehrere Anläufe.

Sie sind nach wie vor Seniorenreferent, weil sich kein Nachfolger gefunden hat. Finden Sie es schade, dass diesen Posten niemand aus dem Gemeinderat übernehmen wollte?

Inzwischen hat sich ein Bürger gemeldet, der es machen würde. Wir suchen noch nach einem Zweiten. Ich gehe davon aus, dass der Posten demnächst besetzt sein wird. Nichtsdestotrotz sind mir die Senioren nach wie vor sehr wichtig. Deshalb werde ich weiterhin beim Kaffeeratsch der Nachbarschaftshilfe mitmachen.

Was sind die größten Herausforderungen für Egenhofen?

Eine sehr große Rolle wird das Thema Wasser/Abwasser spielen. Hier sind wir sehr kleinräumig organisiert und es gibt unterschiedliche Zuständigkeiten in den Ortsteilen. Am Ende der sechs Jahre sollten wir diesbezüglich aufeinander zugegangen sein. Es ist ein schweres Unterfangen, aber die Zuständigkeiten müssen dringend geklärt werden. Zudem müssen wir uns die Kanäle anschauen, also wo was liegt. Wichtig ist auch der Ausbau der Radwege. Das wünschen sich immer mehr Bürger. Darüber hinaus müssen wir uns überlegen, wie es mit der Mehrzweckhalle Aufkirchen weitergehen soll. Die ist ja schon 30 Jahre alt. Und auch mit dem Neubau des Rathauses müssen wir uns beschäftigen. Der neue Gemeinderat möchte über die Pläne schauen, die ja derzeit beim Landratsamt liegen. Da gibt es noch Änderungswünsche, zum Beispiel bei der Raumaufteilung.

Wo steht Egenhofen am Ende Ihrer Amtszeit?

Ich hoffe, dass wir in sechs Jahren kommunikativ gut aufgestellt sind. Dass wir bei beim Wasser/Abwasser nicht mehr darüber rätseln, wer wo zuständig ist. Und dass, wenn man eine kleine Wohnung in Egenhofen sucht, diese auch finden kann.

Was machen Sie als Ausgleich zum Bürgermeister-Amt?

Ich gehe in den Garten. Allerdings passiert das gerade eher selten (lacht). Und ich beschäftige mich mit den Egenhofener Geschichten 2020 (Anm. d. Red. Ein Heft über die Geschichte von Egenhofen, dass einmal im Jahr erscheint). Geschichte interessiert mich einfach sehr. Für mich ist es Entspannung, wenn ich in der Historie herumkramen und mit Leuten darüber reden kann. Davon kann ich einfach nicht lassen.

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