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Bürgerversammlung

Eltern besorgt über Kinderhaus-Pläne

Egenhofen wächst deutlich langsamer als seine Nachbargemeinden. Der Bürgermeister will deshalb auf den Neubau eines Kinderhauses verzichten. Bei den Eltern haben die Alternativ-Pläne der Gemeinde offenbar Besorgnis ausgelöst.

Egenhofen – Zahlen zur Einwohnerentwicklung gehören zum Standardprogramm jeder Bürgerversammlung, und normalerweise sind sie nicht sehr spannend. Im Zusammenhang mit dem Thema Kinderbetreuung fand Bürgermeister Josef Nefele die Bevölkerungsstatistik der letzten Jahre jedoch „sehr, sehr interessant“. Sie zeigt nämlich nur ein geringes Wachstum und rückläufige Geburtenzahlen. Deshalb ist in seinen Augen der Neubau eines Kinderhauses nicht gerechtfertigt – auch wenn aktuell ein Engpass besteht.

Wie berichtet, müssen ab dem Herbst in Egenhofen zwei zusätzliche Kindergartengruppen eingerichtet werden. Sie sollen ins Bürgerhaus einziehen, das man zuvor durch eine Komplettrenovierung in einen „optimalen Zustand“ versetzen werde, wie Nefele versicherte. Vier Obdachlose, die derzeit dort wohnen, werden in Wohncontainern untergebracht – darunter eine Frau mit zwei Kindern und eine weitere Frau mit einem „nicht ganz kleinen Hund.“ Diese Lösung ist offenbar günstiger als das Aufstellen von Kindergarten-Containern und naturgemäß schneller umzusetzen als der Neubau eines weiteren Kinderhauses. „Dafür bräuchten wir drei Jahre Vorlauf“, winkte Nefele ab. Und der „Kinderboom“ sei womöglich schon vorbei.

2015 verzeichnete die Gemeinde 43 Geburten, 2016 waren es 37 und im vergangenen Jahr 29. Auch der Zuzug hält sich in Grenzen. Mit einem durchschnittlichen Bevölkerungszuwachs von 0,5 Prozent in den letzten zehn Jahren wachse Egenhofen wesentlich langsamer als die Nachbargemeinden. „Und die Zuzüge bringen nicht so viele Kinder mit.“

In der Elternschaft haben die Pläne der Gemeinde offenbar Besorgnis ausgelöst. „Die Eltern unserer jetzigen und kommenden Kinder sind sehr beunruhigt, wo und wie ihre Kinder die Kinderhauszeit verbringen werden“, heißt es in einem Schreiben von Einrichtungsleiterin Gitti Schünke an den Bürgermeister. Die Erzieherinnen haben jedoch keine Vorbehalte. Jede von ihnen würde gern wieder in den Räumen arbeiten, in denen der Kindergarten vor dem Neubau der „Krümelkiste“ sein Zuhause hatte, wie Schünke schreibt. Sie zeigt sich in ihrem Brief optimistisch, was die Einstellung der Eltern angeht. „Das ganz besondere Flair des Bürgerhauses, die großzügigen Räume und das Heimelige wird ganz sicher auch skeptische Eltern überzeugen.“

Weiterer Vorteil: Das Gebäude biete ausreichend Kapazitäten für Neuzugänge unterm Jahr, für die Aufnahme von Notfällen und für die Betreuung von Integrationskindern. Gerade von ihnen gibt es heuer offenbar viele. Auf die Frage eines Zuhörers, warum zwei zusätzliche Gruppen gebraucht würden, sprach Nefele von zehn Kindern, die von der Einschulung zurückgestellt worden seien. Für den Parallel-Betrieb in der Krümelkiste und im Bürgerhaus soll das pädagogische Konzept entsprechend erweitert werden. „Wir legen Wert auf ein gemeinsames Miteinander beider Häuser“, so Schünke. Es werde ein übergreifendes Programm sowie gemeinsame Aktionen und Feste geben. Auch die Vorbereitung auf die Schule werde einheitlich gestaltet.

In seinem rund eineinhalbstündigen Bericht ging der Bürgermeister vor der vollbesetzten Mehrzweckhalle in Aufkirchen auf zahlreiche weitere Themen ein. In Sachen Zugang in die Glonnau führe die Gemeinde Gespräche mit den Eigentümern der Wegegrundstücke und hoffe, diese ankaufen zu können. Bis Mitte Mai erwartet die Gemeinde die Rückmeldung der Eigentümer, eventuell werde man einen Anwalt einschalten. Neues Bauland entsteht in Poigern, wo die Gemeinde 12 300 Quadratmeter Grund für 18 Parzellen erworben hat. Hier soll unter Umständen auch ein Mehrfamilienhaus verwirklicht werden. Verkauft werden die Grundstücke aber erst nach der Erschließung, also frühestens Ende 2019, wie Nefele ankündigte. (Ulrike Osman)

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