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Für den 13-jährigen Florian Gramsch gibt es in seinen zwei Wochen auf dem Bauernhof viel zu tun.

In Dürabuch bei Egenhofen

Ferien auf dem Bauernhof mal anders

Damit Stadtkinder lernen wie das Leben auf einem Bauernhof abläuft, gibt es das Projekt „Landleben-live“. Der 13-jährige Florian Gramsch verbringt deshalb nun zwei Wochen auf einem Hof in Dürabuch bei Egenhofen. Doch Ferien zum Ausspannen sind das nicht.

Egenhofen – Sommerferien einmal anders. Das Projekt „Landleben-live“ des Evangelischen Bauernwerks bietet Teenagern und Jugendlichen die Möglichkeit, in landwirtschaftliche Betriebe zu schnuppern. Es soll unter anderem als Brückenbauer zwischen Stadt- und Landgesellschaft fungieren.

Gastkind auf dem Hof

Für den 13-jährigen Florian Gramsch aus Baden-Württemberg sieht ein Teil seiner großen Ferien heuer so aus: morgens Gartenarbeit und nachmittags bis teilweise spät in die Nacht Feldarbeit. Der Schüler aus Sinzheim (Landkreis Rastatt) lebt für zwei Wochen bei und mit der Familie Grill aus Dürabuch. Sie besitzen einen Hof, auf dem sie ausschließlich Ackerbau betreiben. Auf ihren Feldern wachsen Weizen, Raps, Mais, Rüben, Sojabohnen und Triticale (eine Kreuzung aus Weizen und Roggen). Dafür ist überwiegend Vater Gregor (46) zuständig.

Die Mutter Martina arbeitet als systemische Organisationsberaterin und hilft beispielsweise anderen Bauern bei der Hofübergabe. Sie ist quasi eine Unternehmensberaterin für Landwirte. Die 48-Jährige und ihr Mann haben drei Kinder im Alter von zwölf bis 14 Jahren. Florian ist das sechste Gastkind, das die Familie über „Landleben-live“ bereits aufgenommen hat.

Das Projekt ist für beide Seiten gewinnbringend. „Die Familie muss sich aber auf andere Gewohnheiten einstellen“, erklärt die Gastmutter. Da sie ihre Kinder offen erzogen habe, sei dies jedoch kein Problem. Die Teilnehmer des Projekts kommen nicht aus der Landwirtschaft, zumeist sogar aus der Stadt.

Einblick hinter die Kulissen

Martina Grill und ihr Mann sehen eine Notwendigkeit darin, die städtische Bevölkerung zu erreichen und ein Stück weit über die Vielfältigkeit und Arbeit in der Landwirtschaft aufzuklären. „Sie kennen den Bauernhof oftmals nur aus Bilderbüchern. Diese Ansicht ist veraltet“, erklärt die Mutter. Deshalb hat es sich die Familie zur Aufgabe gemacht, der jungen Generation einen Einblick hinter die Kulissen der Landwirtschaft zu verschaffen. Bis dato hat das bei den Grills auch immer gut funktioniert. Und auch dieses Mal scheint das Zusammenleben wieder prima zu laufen. „Florian ist total motiviert und hilft toll mit“, so die 48-Jährige.

Und auch der 13-Jährige zeigt sich begeistert von seinem Aufenthalt in Dürabuch: „Ich habe eine super Zeit und bin wunschlos glücklich.“ Im Gegenteil zu den meisten anderen Teilnehmern, hatte der 13-Jährige schon Berührungspunkte mit der Landwirtschaft. Donnerstags hilft der Waldorfschüler auf einem Demeter-Hof in seiner Heimat mit. Außerdem hat er die vergangenen sechs Jahre seine Ferien zusammen mit den Eltern auf einem Milchviehbetrieb an der Nordsee verbracht. Dort gab es allerdings bei weitem nicht so viel zu tun wie bei den Grills.

Er hilft sowohl in Haus und Garten mit, aber er packt dazu auch noch auf dem Feld an. Beispielsweise hat er Getreideabfälle in Säcke abgefüllt oder mit einer speziellen Methode die Feuchtigkeit im Raps gemessen. Außerdem hat Florian geholfen die Ernte einzufahren. Einmal sogar bis nach Mitternacht. Das sei ein ganz besonderes Erlebnis gewesen.

Auch ein eigenes Projekt hat er von seiner Gastmutter bekommen. Im Garten hat der Teenager neun Steinkreise aus Pflastersteinen errichtet, um weiße Schmucksteine von dem drumherum liegenden Rindenmulch zu trennen. Florian ist begeistert von den vielfältigen Aufgaben auf dem Hof. „Mich interessieren die Maschinen und das Leben mit dem Ackerbau“, erklärt der Schüler, der sich in seiner schwäbischen Heimat bei der Freiwilligen Feuerwehr engagiert. Außerdem möchte er auch in seinen Ferien etwas tun und nicht bloß rumsitzen.

Die Hofkatze

Nach getaner Arbeit gesellt sich Florian gern zu seinen Gastgeschwistern in den Pool oder spielt mit der Hofkatze. „Die hat er am ersten Tag aus Versehen noch fallen gelassen.“ Jetzt würden sie sich aber wieder vertragen, sagt seine Gastmutter mit einem Augenzwinkern. Die Freizeit soll trotz der vielen Arbeit nicht zu kurz kommen. Geplant sind ein Ausflug in die Berge, ins Sommerkino und zu den Karl-May-Festspielen.

Seine Erfahrungen auf dem Hof der Grills würde der 13-Jährige definitiv weiterempfehlen und auch eine berufliche Zukunft im Bereich der Landwirtschaft kann er sich vorstellen: „Entweder will ich haupt- oder freiberuflich bei der Feuerwehr arbeiten oder auf einem Hof.“ (chr)

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