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Hier wachsen die weißen Spargel: Manfred Wolf auf einem seiner Felder bei Aufkirchen.

Besuch bei Manfred Wolf

Ungewöhnliche Erntehelfer auf Spargelhof

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Der Winter war mild – gute Voraussetzungen für die jetzt beginnende Spargelzeit. Wegen der Corona-Krise fehlen aber viele Erntehelfer aus dem Ausland. Spargelbauer Manfred Wolf geht deshalb neue Wege. Und er bekommt unerwartete Unterstützung.

Fürstenfeldbruck – Es ist angerichtet. In den schier endlosen Erddämmen unter Folien schlummert der weiße Spargel und warten darauf, ans Tageslicht geholt zu werden. Es könnte eine gute Ernte werden – dem wärmeliebenden Spargel kam der ausgefallene Winter gerade recht. Doch Spargelbauer Manfred Wolf hat ein großes Problem. Wegen der Corona-Krise haben seine bewährten Erntehelfer aus Osteuropa große Schwierigkeiten, anzureisen. Mittlerweile ist es sogar fast unmöglich.

Veranstaltungstechniker helfen mit

Unterstützung bekommt er jetzt von ganz anderer Seite. Eine Gruppe selbstständiger Veranstaltungstechniker aus München hat sich bei Manfred Wolf gemeldet – außerdem ein Koch aus der Umgebung und Studenten. Sie alle wollen mithelfen bei der Spargelernte. Ihre richtigen Jobs liegen wegen der Corona-Krise auf Eis.

„Das wird gut hinhauen“, sagt Wolf. Ein Koch arbeite in der Regel hart. „Und auch die Veranstaltungstechniker können richtig anpacken.“ Jetzt bekommen die Neulinge auf dem Acker eine Einweisung, was es beim Spargelstechen zu beachten gilt. Denn das ist gar nicht so einfach. Und dann kann es schon losgehen.

Einer, der jetzt zum ersten Mal die begehrten weißen Stangen ans Tageslicht befördert, ist Stefan Junkes aus München. Normalerweise sorgt der 29-Jährige als Veranstaltungstechniker dafür, dass Musiker eine gute Show liefern und Künstler ihr Publikum verzaubern können. Doch normal ist in diesen Tagen nichts. Keine Konzerte, keine Festivals, keine Kultur: Dem Selbstständigen sind alle Aufträge bis September weggebrochen. „Das ist schon heftig“, sagt Junkes.

Und jetzt auf dem Spargelfeld

Doch unterkriegen lassen will er sich nicht. Über eine befreundete Firma kam der Kontakt zu Manfred Wolf zustande. Stefan Junkes überlegte kurz und entschied sich dann, vorübergehend ins Spargel-Geschäft einzusteigen. Ganz fassen kann er es aber immer noch nicht. „Noch vor ein paar Wochen hätte ich nicht im Traum gedacht, einmal auf dem Spargelfeld zu arbeiten.“ Aber jeder müsse eben schauen, wie er durch die Krise kommt.

Er und seine Kollegen – ebenfalls freiberufliche Veranstaltungstechniker – seien jedenfalls hoch motiviert. Aber die Männer wissen auch, dass Spargelstechen kein Zuckerschlecken ist. „Wir haben großen Respekt vor dieser Arbeit“, sagt Junkes. Doch an harte Plackerei seien sie gewohnt. Auch deshalb setzt Spargelbauer Manfred Wolf seine ganze Hoffnung in die neue Verstärkung.

Zwar hat er Arbeitern aus Polen eine Pendlerbescheinigung ausgestellt, damit sie die Grenze passieren können. Doch mittlerweile ist es eher unwahrscheinlich, dass sie kommen dürfen. Das Gleiche gilt auch für die Verstärkung, die der Landwirt versucht hat, aus Rumänien zu organisieren.

Doch die fehlenden Helfer sind nur ein Teil des Problems, mit dem sich der Landwirt in Zuge der Corona-Krise rumschlagen muss. Der Spargel muss ja schließlich nicht nur gestochen werden. Die Ernte muss ja auch an den Mann gebracht werden. Ein Viertel davon gehe in der Regel in die Gastronomie. Doch auch Restaurants haben derzeit zwangsweise geschlossen. Deshalb setzt Wolf auf seine Verkaufsstände im Landkreis und den Handel. Auch an die Einrichtung eines Spargel-Lieferdienstes in Zeiten von Corona hat er schon gedacht. Sicher sei das aber noch nicht. „Mal schauen, ob wir das hinkriegen.“

Viele Familienbetriebe

Eine gute Nachricht: Insgesamt ist die Landwirtschaft im Landkreis weniger stark von der Corona-Krise betroffen als andere Regionen in Deutschland. Das liegt vor allem an der bäuerlichen Struktur, erklärt Bauernobmann Georg Huber. Die meisten Höfe seien Familienbetriebe. Deshalb sind sie nicht auf Erntehelfer – vor allem nicht auf welche aus den Osteuropa – angewiesen. Es gebe zwar einige Kartoffelbau-Betriebe, die Helfer benötigten. Doch die Kartoffelernte findet erst im Herbst statt. Auch die Versorgung der Landwirte sei sichergestellt. „Die Lagerhäuser sind offen“, sagt Huber. Dort holen sich die Bauern etwa Saatgut oder Dünger. Für die Landwirte sieht Huber in der Corona-Krise auch eine Chance. Er hofft, dass die Menschen dadurch die Arbeit der Bauern und ihre Produkte wieder mehr wertschätzen – ein Anliegen, dass die Landwirte seit Jahren umtreibt.

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