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„Ich glaube, der liebe Gott hat jedem von uns eine besondere Gabe mitgegeben. Meine ist das Backen“, sagt Theresia Aumüller.

Zu Besuch in der Furthmühle 

Die Geheimnisse einer Torten-Künstlerin

Furthmühle – Theresia Aumüllers Ruf als Kuchen- und Torten-Kreatorin reicht weit über das Glonntal hinaus: Die Furthmühlen-Chefin verwöhnt schon seit vielen Jahren die Museumsbesucher mit exquisiten Konditor-Kunstwerken. Dem Tagblatt gelang es, ihr einige Tipps zu entlocken.

Als die Furthmühlen-Chefin in ihre Wohnküche führt, steht eine Quiche Lorraine auf dem Tisch: noch warm und verführerisch duftend. Das kann die Müllerin also auch, wie sich beim Probieren schnell zeigt. Da ergibt sich die erste Interview-Frage wie von selbst: „Verraten Sie mir das Rezept, Frau Aumüller?“ Die Angesprochene lächelt: „Das geht leider nicht. Das ist ein Betriebsgeheimnis.“

Dabei ist Theresia Aumüller keine gelernte Bäckerin oder Konditorin, wie man vermuten könnte. „Ich bin wohl ein Naturtalent“, meint sie mit einem Schmunzeln. „Ich glaube, der liebe Gott hat jedem von uns eine besondere Gabe mitgegeben. Meine ist das Backen.“

Die 62-Jährige erblickte in Baindlkirch auf einem Bauernhof das Licht der Welt, Ende der Sechziger Jahre hat sie „Industriekaufmann“ in Kissing gelernt – die Bezeichnung „Industriekauffrau“ habe es in jener Zeit noch nicht gegeben, erinnert sie sich. „Gebacken habe ich damals schon sehr viel.“ Eine Menge habe sie sich von ihrer Mutter abgeschaut, die allerdings schon mit 38 Jahren verstorben sei.

Dann lernte Theresia ihren Albert kennen und sie zog 1974 in die Furthmühle. In den folgenden drei Jahrzehnten profitierte die Müllerfamilie quasi exklusiv von ihren Backkünsten – bis das Ehepaar vor zwölf Jahren die Idee hatte, das Furthmühlen-Museum um ein kleines Café zu erweitern. „Da bot es sich einfach an, den Gästen ein Stück selbst gebackenen Kuchen anzubieten“, berichtet Theresia Aumüller.

Wobei ihr damals nicht bewusst war, wie viel Arbeit sie sich aufhalsen würde. „Das ist schon ein ziemlicher Stress, weil ich ja alles alleine mache.“ Freitags bereitet sie den Teig und die Zutaten vor, samstags wird gebacken. Die Torten stellt sie sonntags ab 5 Uhr morgens fertig. Denn Rest des Tages steht sie im Café.

„Alles muss immer ganz frisch sein. Das geht bei den Zutaten los und hört bei der Zubereitung auf“, betont die Furthmühlen-Chefin. Kuchen oder gar Torten von der Vorwoche anzubieten, käme ihr nie in den Sinn.

Was ist außer Frische noch wichtig? „Ich verwende fast nur eigene Zutaten. Zum Beispiel unser selbst gemahlenes Dinkelmehl; das Getreide stammt von Biobauern aus der Region.“ Kleiner Tipp am Rande: „Egal, wie fein das Mehl ist. Es muss immer gesiebt werden – damit es nochmals Sauerstoff aufnehmen kann.“

Das saisonale Obst wachse in ihrem Garten. Und falls sie einmal etwas dazu kauft, dann ausschließlich Bioware.

Eines ist ihr besonders wichtig: „Ein guter Biskuitteig steht und fällt mit der Qualität der Eier!“ Groß müssten die Eier sein! Sie zeigt auf einige Schalen derjenigen Eier, die sie für die Quiche verwendet hat – sie scheinen alle der Klasse XL zu entsprechen (mehr als 73 Gramm) und wurden von ihren eigenen (normalerweise im Hof und auf den Wiesen herumlaufenden) Hühnern gelegt.

Und noch ein Tipp von der 62-Jährigen: „Auch wenn manche Fachleute anderer Meinung sind – ich schlage das Eiweiß stets ganz steif.“

Sie könnte jetzt noch stundenlang weiter reden, das ist offensichtlich. Doch schließlich fällt sich Theresia Aumüller selber ins Wort. „Alle meine kleinen Geheimnisse sollte ich eigentlich nicht ausplaudern.“ Wie wäre es stattdessen mit einem Exklusiv-Rezept für die Tagblatt-Leser? „Na gut“, sagt sie mit einem Schmunzeln und diktiert dem Reporter das Rezept für die Mango-Joghurt-Torte.

Das Rezept

Zutaten für den Biskuitteig: Sechs große Eier, 200 Gramm Zucker, eine Prise echter Vanillezucker, 250 Gramm Dinkelweißmehl und etwas abgeriebene Zitronenschale. Zutaten für die Creme: 250 Gramm Joghurt-Creme, 350 Gramm ganz fein pürierte Mango, sechs Blatt weiße Gelatine, ein Esslöffel Zitronensaft, 300 Gramm fettarmer Naturjoghurt und 350 Gramm Sahne. Zubereitung des Bodens: Eiweiß mit Salz steif schlagen, die anderen Teigzutaten gut verrühren. Eischnee unterheben. In eine gefettete Springform füllen, bei 180 Grad Umluft 25 Minuten backen. Danach aus der Form nehmen, eine Nacht stehen lassen. So geht es am nächsten Tag weiter: Den Boden in drei Scheiben schneiden. Den untersten Boden mit einem Tortenring umschließen. Die pürierte Mango mit Zucker, Zitronensaft und Naturjoghurt verrühren. Aufgelöste Gelatine unterrühren. Sobald die Creme zu gelieren beginnt, die steif geschlagene Sahne unterheben, den Boden füllen sowie mit hauchdünn geschnittenen Mangoscheiben belegen. Dann den Vorgang für den mittleren und den oberen Boden wiederholen. Über Nacht in den Kühlschrank stellen. Am nächsten Tag wird die Torte mit Sahne und Mangokringeln verziert. Die Müllerin Theresia Aumüller rät dazu, so weit wie möglich regionale Zutaten zu verwenden. Am besten sei es zudem, Bioware zu kaufen.

Von Horst Kramer

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