Die Überreste der Freigrabenbrücke: Gemeinderat Thomas Wieser bezweifelt, dass sie hätte abgerissen werden müssen.

Weg in die Glonn-Au

Hoffnung für Brücken-Befürworter

Der Fall der Egenhofener Problem-Brücken in die Glonn-Au hat nun richtig Fahrt aufgenommen: Am Dienstag wurde das Thema erstmals ausführlich im Gemeinderat diskutiert. Mit einer verblüffenden Wende.

Egenhofen – Gemeinderat Thomas Wieser (WGE) zweifelte die Notwendigkeit des Abrisses der Brücke über den sogenannten Freigraben, einen nördlichen Zweig der Glonn, an. Dazu zeigte er ein Foto. „Man sieht hier Überreste einer massiven Betonkonstruktion, die offensichtlich nur mit schwerem Gerät abgerissen werden konnte.“ Wieser stellte die Schlüsselfrage: „Wer hat eigentlich die Baufälligkeit der Brücke beurteilt?“ Eine Frage, die niemand im Saal beantworten konnte – weder seine Ratskollegen noch die zwei Dutzend Zuschauer und auch nicht die Gemeindeverwaltung. Amtsleiter Robert Köll verwies auf eine Einschätzung eines Ingenieurbüros, wonach die Glonnbrücken nur bis zu vier Tonnen tragen könnten. Er hielt aber auch ausdrücklich fest: „Brückenprüfungen fanden nach bisherigem Kenntnisstand nicht statt.“

Zur Erinnerung: Ende März ließ das Wasserwirtschaftsamt die Brücke abbrechen, samt einem Steg, der über die südlich gelegene Glonn führt. Seitdem kämpfen die Egenhofener um deren Wiederaufbau. Ihr zentrales Argument, die sogenannte unvordenkliche Verjährung der Wegenutzung, wird nun auf allen amtlichen Ebenen geprüft. Gemeint ist eine Art Gewohnheitsrecht, das Anliegern zusteht, wenn ein Weg schon von jeher von der Öffentlichkeit genutzt wurde. Köll verwies auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs von 1955, das für ein derartiges Gewohnheitsrecht eine Frist von 80 Jahren vorsieht.

Die Egenhofener haben Belege gesammelt, die eine Existenz des Weges samt der Brücken bis ins frühe 19. Jahrhundert dokumentieren. Köll gab zu bedenken, dass er bis dato keinen Präzedenzfall für eine Brücke gefunden habe. Gabriele Dietrich (CSU), eine Juristin, sah darin kein Problem: „Da der Weg über die Brücke führt, ist die Brücke Teil des Weges und fällt mithin unter die unvordenkliche Verjährung.“ Wieser brachte zudem Artikel 141 der Bayerischen Verfassung ins Spiel, in dem der Bevölkerung freier Zugang „zu den landschaftlichen Schönheiten“ des Freistaats zugesichert wird.

Köll hat nun den Bayerischen Gemeindetag und die Kommunalaufsicht um Stellungnahmen zu dem Fall gebeten. Nicht zuletzt, weil er die Frage geklärt haben will, wer für den Unterhalt einer eventuell wieder errichteten Brücke aufkommen müsse und wer die Haftung für den Weg trage.

Die komplizierte Eigentümersituation macht die Lösung nicht einfacher: Zu den Anliegern zählen der Freistaat, die Erzdiözese sowie ein Privatbesitzer. Ein Teil des Grundes ist verpachtet und wird landwirtschaftlich genutzt. Der Weg wurde untergepflügt.

„Die Pacht ist das geringste Problem“, sagte Bürgermeister Josef Nefele (BGE). „Wenn mit dem Besitzer eine Einigung erzielt ist, ändert sich halt der Pachtvertrag.“ Köll sah ebenfalls einen Hoffnungsschimmer: „Da Bewirtschaftung nicht nötig ist, benötigen wir nur eine Fußgängerbrücke. Das macht vieles leichter.“ „Genau das wollen wir ja“, bekräftigte Norbert Link-Tekampe, einer der Initiatoren des Bürgerprotests, nach der Sitzung. (Horst Kramer)

Die Gemeinderäte diskutierten in der Sitzung außerdem über die glonnaufwärts auf Kirchengrund gelegene zweite Brücke über den Freigraben und deren Tragfähigkeit sowie den Zugang von Egenhofen ins Glonntal (Kasten). Doch zur Klärung des Grundproblems trugen sie nicht bei. Das formulierte ein Egenhofener nach der Sitzung so: „Wenn das Wegerecht geklärt ist, klärt sich auch alles andere.“

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