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Überraschung im Gemeinderat

In Egenhofen fehlt eine ganze Kita-Gruppe

Die Gemeinde Egenhofen muss auf die Schnelle eine zusätzliche Kindergartengruppe aus dem Hut zaubern. Nach der Einschreibung steht fest: Es fehlen 25 Plätze.

Egenhofen – Seit rund einer Woche liegen dem Rathaus die Planzahlen für das Kindergartenjahr 2018/2019 vor. Die Verwaltung wurde dabei kalt erwischt: 33 zusätzliche Kinder aus dem Gemeindegebiet wurden heuer von ihren Eltern für das Kinderhaus in Egenhofen angemeldet, außerdem zwölf Kleinkinder für die Krippenplätze. Viel mehr, als man in der Verwaltung erwartet hatte. Zieht man die mutmaßlichen Schulabgänger ab, dann fehlen der Kommune rund 25 Plätze für Kinder, die älter als drei Jahre sind – also genau eine Kindergartengruppe.

Diese Lage stellte Bürgermeister Josef Nefele (BGE) am Montagabend überraschend im Gemeinderat vor. Amtsleiter Robert Köll begründete das ungewöhnliche Vorgehen gegenüber dem Tagblatt so: „Die Entwicklung war zu kurzfristig, um dem Gremium schon jetzt Lösungsvorschläge im Rahmen eines eigenen Tagesordnungspunkts unterbreiten zu können.“ Aller Voraussicht nach werde das Thema in der nächsten Sitzung ausführlich behandelt.

Tatsächlich ist nun eine Hauruck-Aktion nötig, denn die Gemeinde will jeglichen denkbaren Konflikt mit betroffenen Eltern vermeiden. Bekanntlich haben diese einen Rechtsanspruch auf die Unterbringung ihrer Kleinen an ihrem Wohnort. Köll zeigt mögliche Konsequenzen auf: „Es hat schon Fälle gegeben, in denen ein Elternteil wegen eines fehlenden Kindergartenplatzes die Berufstätigkeit aufgeben und die Kommune den Verdienstausfall finanzieren musste.“

Bürgermeister Nefele legte dem Gremium zwei Varianten dar, wie das Problem bis zum Herbst gelöst werden könnte. Man könnte das Kinderhaus mit einem Container erweitern oder das Bürgerhaus dafür verwenden. Bis zur Einweihung des Kinderhauses im November 2014 wurden hier schon einmal Kinder betreut.

„Im ersten Stock sind allerdings Obdachlose untergebracht“, gab Bürgermeister Nefele in der Sitzung zu bedenken. Das heißt: Ziehen dort Kinder ein, benötigt die Gemeinde eine Ersatzunterkunft für ihre wohnungslosen Mitbürger – also Wohnungen oder einen Containerstellplatz. „Ein Anbau wäre eigentlich die beste Variante“, so der Rathauschef weiter, „aber das ist in dem kurzen Zeitraum nicht machbar.“

Wäre eine Kindergartenerweiterung mittels Wohncontainer bis zum Herbst überhaupt zu schaffen? Köll zeigte sich optimistisch: „Container wären wohl lieferbar, Wasser- und Stromanschlüsse hätten wir auch.“ Eine Nutzung des Bürgerhauses wäre theoretisch ebenfalls denkbar, würde aber Folgeprobleme mit sich bringen. Nicht nur wegen der Obdachlosen, sondern auch für die Kindergarten-Logistik, zum Beispiel bei der Essensversorgung.

Die Frage, wieso das Rathaus von der Entwicklung überrascht werden konnte, erklärte Köll so: „Wir wissen nie, wer seinen Nachwuchs bei uns versorgen lassen will, wer seine Kinder zu Hause erzieht oder wer sie andernorts anmeldet.“ Gegenwärtig werden acht Kinder in Kindereinrichtungen anderer Kommunen betreut.

Der Amtsleiter erinnert zudem an die Fragebogenaktion vom Herbst 2016. Damals schrieb die Kommune 180 betroffene Eltern an, erhielt jedoch nur 77 Antworten. „Wir hatten jede Menge Arbeit, aber trotzdem keine Planungssicherheit“, ärgert sich Köll noch heute. In diesem Jahr verzichtete das Rathaus auf diese aufwändige Aktion. Eine positive Botschaft ist Köll indes noch wichtig: „Alle Krippenkinder werden unterkommen.“ (kra)

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