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Derzeit stehen sie noch leer, doch schon bald soll in den beiden Gewächshäusern wieder Gemüse angebaut werden. Drei weitere will das Kombinat noch bauen.

Kartoffelkombinat stellt Pläne vor 

Vision für die ehemalige Baumschule

Die Baumschule Würstle nahe des Klosters Spielberg ist Geschichte. Auf 18 Hektar Fläche will das Kartoffelkombinat künftig Bio-Gemüse anbauen. Nun hatte das Kombinat Interessierte zu einem Rundgang eingeladen und ihre Vision vorgestellt, was hier einmal entstehen könnte.

Beim Rundgang: Daniel Überall (2.v.l.) zeigt Interessierten das Gelände der ehemaligen Baumschule Würstle.

EgenhofenAngefangen hat alles im Herbst 2011, als sich zwei Männer entschieden, gemeinsam etwas zu ändern, etwas zu bewegen. Eine alternative Versorgungsstruktur für München sollte es werden. „Klingt abstrakt – ja“, sagt Daniel Überall (39), Diplom-Kommunikationswirt, verheiratet, zweifacher Vater und Mitglied im Vorstand des Kartoffelkombinats. Er und Simon Scholl, (38, Diplom-Betriebswirt, verheiratet, zwei Kinder) waren sich einig: die Lebensmittelverschwendung hierzulande muss weniger werden. Die Frage war nur: wie? „Wir wollten nicht noch eine Bio-Kiste sein“, so Überall.

Bevor er mit einem Dutzend Zuhörer zum Rundgang startet – bei der zweiten Runde am Nachmittag sind es dann knapp 65 Neugierige – gibt es einen Crash-Kurs über das Kartoffelkombinat und wie alles angefangen hat (siehe Kasten). Knapp 30 bis 40 Prozent der Ernte in der herkömmlichen Landwirtschaft gelangen nicht einmal in den Verkauf. „Aus dem Grund, weil das Gemüse nicht schön genug ist“, erklärt Überall. Bei der Karotte ist es sogar die Hälfte. Das wollten er und Scholl nicht mehr hinnehmen. Die Geburtsstunde vom Kartoffelkombinat.

Der Unterschied zum Profit-orientierten Unternehmen, sei hierbei, dass es im Kartoffelkombinat nicht darum gehe, möglichst viel Geld zu machen. „Geld ist hier nur Mittel, nicht der Zweck“, erklärt Überall. Die Bilanz Gemeinwohl/Ökonomie muss stimmen. In ihrer Genossenschaft zahlen die Mitglieder 150 Euro oder mehr und erhalten dafür eine Stimme bei der Generalversammlung. Ihre ersten Mitglieder seien übrigens aus dem eigenen Freundeskreis gekommen. „Die wurden quasi von uns gezwungen“, scherzt Überall.

Mitte 2012 waren es dann schon 40 Mitglieds-Haushalte, am Ende des Jahres dann 140. Und so wuchs die kleine Genossenschaft auf mittlerweile über 1000 Münchner Haushalte, die so ihr Gemüse beziehen.

Zunächst pachtete das Kartoffelkombinat Flächen für den Anbau des eigenen Gemüses, zuletzt im Dachauer Landkreis. Doch nun bot sich in Egenhofen endlich die Gelegenheit, auf die Überall und Scholl schon gewartet hatten: der Kauf eigener Flächen. Sieben Hektar der ehemaligen Baumschule wurden erworben, die restlichen elf, verteilt auf drei Flächen, angemietet. „Wir haben hier eine Luxus-Situation“, findet Überall. „Auch wenn es zur Zeit mehr Baustelle als Gärtnerei ist.“

Heuer wird noch nichts angebaut, der Boden muss sich erholen und wird aufbereitet. Drei weitere Gewächshäuser zu den zwei bestehenden der ehemaligen Baumschule müssen noch gebaut werden, ein Brunnen wurde gebohrt, ein Tank für das Wasser muss noch gereinigt und hergerichtet werden.

Und: das Ganze soll nicht nur Produktionsbetrieb werden, sondern ein Lebensraum mit Abenteuerspielplatz und Community-Bereich für alle beteiligten Haushalte. In einem Gebäude soll es auch Schlafmöglichkeiten geben. „Wir fangen bei Null an“, sagt Überall während der Führung. Zwei Jahre wird es noch dauern, dann passen die Strukturen. Überall: „Ja, es gibt noch einiges zu tun.“

Bio-Gemüse frei Haus: So funktioniert das Kartoffelkombinat 

Die Kartoffelkombinat e.G. ist eine so genannte solidarische Landwirtschaft. In Deutschland gibt es davon etwa 140. Diese haben im Durchschnitt 120 Mitglieder. Manche Genossenschaften haben auch Tiere und Getreide, das Kartoffelkombinat beschränkt sich auf Bio-Gemüse, das ganze Jahr über. Das Gemüse wird angepflanzt, gepflegt, geerntet und dann an 65 Verteilpunkten in der Stadt München an die Genossenschafts-Mitglieder ausgegeben, es gibt keine Direktlieferung. Alle Kosten werden zu gleichen Teilen getragen und alle Mitglieder teilen sich die Ernte. Es gibt 22 Mitarbeiter, darunter sind auch ausgebildete Gärtner. 22 Ehrenamtliche helfen bei Anbau, Ernte und Pflege. Daniel Überall und Simon Scholl vom Kartoffelkombinat wurden über einen ihrer Partnerbetriebe auf die Fläche im Brucker Landkreis aufmerksam. Die Aurachers aus Spielberg beliefern das Kombinat schon seit Jahren mit Äpfeln ihrer Plantage. Diese grenzt direkt an die ehemalige Baumschule an. So entstand der Kontakt, der den Weg zum Kauf des Geländes ebnete.

von Stephanie Hartl 

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