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Am südlichen Mühlweg führt hinter einem Kinderspielplatz diese privat errichtete Betonkonstruktion in die Wiesen und Felder. Hinten am Horizont ist das Erholungsgebiet Glonnau zu sehen.  

Bürgermeister schlägt Alternativroute vor

Plan B für die Problem-Brücken?

Gibt es einen Plan B für die abgerissenen Brücken über die Glonn und den Freigraben zwischen Egenhofen und Poigern? Bürgermeister Josef Nefele (BGE) versucht anscheinend, eine Lösung jenseits der bisherigen Route zu finden. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die katholische Kirche.

EgenhofenZur Erinnerung: Ende März ließ das Wasserwirtschaftsamt die Brücke abbrechen, die am Ende der Egenhofener Mühlstraße über den Freigraben, einen Seitenarm der Glonn, führte. Später wurde der Weg untergepflügt. Der Steg über die Glonn wurde gleichfalls abgebaut. Seitdem müssen die Egenhofener die Staatsstraße nutzen, wenn sie zu Fuß oder mit dem Rad nach Poigern oder in die Wälder wollen.

Indes führt hinter dem südlichen Mühlweg eine private Betonkonstruktion über die Glonn (siehe Foto) – mitten hinein in Wiesen und Felder. Der Grund gehört laut Auskunft des Rathauses der katholischen Kirche. Nefele hat schon im Juni ein Schreiben an die Kirchenpfründestiftung verschickt mit der Bitte um ein Gespräch. Das Ziel: zu prüfen, ob dort eine Alternativroute eingerichtet werden könnte. „Wir gehen davon aus, dass dabei die Erzdiözese eingebunden sein wird“, berichtete der Rathauschef nun seinem Gemeinderat. „Wir hatten auch eine Frist für eine Antwort gesetzt, doch die ist längst verstrichen.“ Nefele vermutet, dass die Urlaubssaison an der ausbleibenden Reaktion Schuld sei.

Doch selbst wenn die Kirche einverstanden wäre, einen Weg über ihren Grund und Boden einrichten zu lassen (der allerdings verpachtet ist), kommt spätestens am Freigraben wieder das Wasserwirtschaftsamt ins Spiel. „Das müsste prüfen, ob dort überhaupt eine Brücke gebaut werden könnte“, erklärte Amtsleiter Robert Köll auf Nachfrage. Selber will sich die Behörde wohl nicht bei einem Brückenbau engagieren – weder an den alten Übergängen noch an einem neuen. „Wir brauchen keine Brücke“, hätte ihm das Wasserwirtschaftsamt bedeutet, erzählt Köll und stellt umgehend die Gretchenfrage: „Irgendjemand müsste für den Bau und den Unterhalt aufkommen.“

Die Egenhofener – die schon im Frühjahr eine Liste mit rund 140 Unterschriften im Rathaus abgeben haben – waren in der Zwischenzeit nicht untätig. Sie sammelten historische Zeugnisse, welche die durchgängige Nutzung des Weges samt der Brücken belegen, und untermauerten die Dokumentation mit Berichten älterer Egenhofener. „Die älteste Dame ist 98 Jahre alt“, berichtet Uwe Kaminsky, ehemaliger Bauamtsleiter der Kommune. Die Bürger wollen ein historisches Gewohnheitsrecht belegen und auf diese Weise den Wiederaufbau bewirken. Das ginge zu Lasten desjenigen, der für die Zerstörung verantwortlich ist: die Münchner Behörde.

Das Gemeinderatsmitglied Thomas Wieser (WGE) übergab das Werk dem Bürgermeister und stellte den Antrag, das Thema in der nächsten Gemeinderatssitzung am Montag, 25. September, auf die Tagesordnung zu setzen. Doch die wird vermutlich ausfallen: Denn am Vortag geht die Bundestagswahl über die Bühne. „Dabei sind viele Rathausmitarbeiter bis spät in die Nacht gefordert“, sagte Nefele. Voraussichtlich werde die Angelegenheit daher erst im Oktober behandelt.

Norbert Link-Tekampe, einer der Initiatoren des Bürgerprotests, nahm die Verzögerung gelassen: „Hier geht es um ein jahrhundertealtes Recht. Da kommt es auf eine Woche mehr oder weniger nicht an.“

von Horst Kramer 

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