Stromausfall am Landgericht München

Heftige Tritte gegen den Kopf: Angeklagter bereut brutale Attacke

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Männer schlägern, sie sind betrunken, sie leben in einer kargen Unterkunft, sie haben Langeweile: An sich nichts Besonderes. Doch dann passiert etwas Schreckliches. 

Egenhofen - Ein Mann stirbt, weil die Tritte gegen seinen Kopf einfach zu heftig waren. Seit Montag findet diese brutale Attacke vom Mai 2017 im Egenhofener Ortsteil Wenigmünchen ein gerichtliches Nachspiel. Vor dem Landgericht München II müssen sich ein Slowake (43) und ein Ungar (37) wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge verantworten.

Weit kommt der Vorsitzende Richter Thomas Bott an diesem Montag Vormittag mit der Vernehmung nicht. Während der ersten kurzen Unterbrechung betreten zwei Wachtmeister den Sitzungssaal. Sie teilen dem Richter mit, dass die Sitzung beendet werden muss, weil das Strafjustizzentrum an der Nymphenburger Straße geräumt wird. Die Stromversorgung wackelt, das komplette siebenstöckige Haus läuft seit Sonntag auf einem Notstrom-Aggregaten.

Stromausfall trifft Gericht

Gegen 16 Uhr fiel in Teilen Münchens der Strom aus. 30.000 Haushalte waren betroffen – und das Justizgebäude, in dem Landgerichte und Amtsgericht untergebracht sind. Zahlreiche Prozesse sollten am Montag abgewickelt werden, doch die Umstellung von Not- auf Normalstrom funktionierte nicht.

Im Todesfall von Wenigmünchen erfährt das Gericht deshalb am ersten Prozesstag nur etwas über den Lebenslauf des Slowaken. Er hatte im April 2017 einen Job im benachbarten Gilching gefunden. Mit dem Lohn versorgte er seine Frau und die beiden Töchter (3 und 8 Jahre) in der Heimat. Dort fehlte es an Arbeit. Die Ereignisse jener Mainacht bereut er sehr.

Angeklagter mit rechtsradikalen Tattoos

„Er wünschte, er könnte alles ungeschehen machen“, sagt seine Verteidigerin. Der betroffenen Familie hat er bereits sein Beileid ausgesprochen. Er weiß, dass er mit seinem bulligen Körper und seinen rechtsradikalen Tatoos gewalttätig ausschaut, doch angeblich ist er das normalerweise nicht. Die Tatoos ließ er sich in jungen Jahren auftragen. Damals will er den Sinn nicht verstanden haben. Später fehlte ihm das Geld, sie wieder entfernen zu lassen - angeblich. Der Richter nimmt ihm diese Erklärung nicht ab.

Auf dem Nebenkläger-Platz sitzt die Witwe mit Anwalt und Dolmetscherin. Sie wird begleitet vom ehemaligen Germeringer Polizeichef Klaus Frank. Der pensionierte Beamte engagiert sich für die Opferschutz-Vereinigung Weisser Ring und hat der 32-Jährigen ermöglicht, den Prozess zu verfolgen. Als das Verfahren wegen der Stromprobleme unterbrochen wird, wendet sich die Mutter eines elf Monate alten Kindes mit verweinten Augen ab.

Rubriklistenbild: © PantherMedia / Angelika Krikava / Angelika Krikava

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